"Tatort"-Duo im Interview

Twitter-Eifer "furchtbar und völlig falsch"

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Ein Hauch von „Top Gun“: Miro Nemec (li.) und Udo Wachtveitl im neuen „Tatort“

München - Die „Tatort“-Kommissare Udo Wachtveitl und Miro Nemec ermitteln seit über 20 Jahren. Im Interview mit der tz sprachen sie über den neuen Fall und über die Twitterei während der Ausstrahlung.

Es war das Jahr der neuen Tatort-Teams. 2013 wurden so viele Premieren gefeiert wie noch nie in der Geschichte der ARD-Krimireihe. Völlig gelassen können dem Udo Wachtveitl (55) und Miro Nemec (59) gegenüberstehen. Als die Ermittler mit den meisten Einsätzen sitzen sie fest im Sattel und freuen sich sogar darüber, dass „gute neue schlechte alte“ Kollegen ersetzen, wie Udo Wachtveitl es formuliert, freilich ohne Namen zu nennen. Die tz traf die BR-Kommissare zum Interview, sprach mit ihnen über den neuen Fall, der am Sonntag läuft, über die Twitterei während der Ausstrahlung und die Frage, ob sie ab und zu auch genug haben von Mord und Totschlag.

Herr Nemec, Herr Wachtveitl, Ihr nächster Fall spielt im Umfeld eines Internet-Senders. Ein Entertainer dreht dort Filmchen, in denen er Menschen übel bloßstellt. Ist das ein Internet-Phänomen oder nicht auch alltägliche Wirklichkeit im Fernsehen? 

Miro Nemec: Es gibt natürlich auch in bestimmten Fernsehsendungen diese wahnsinnig unangenehme und aufdringliche Art, Menschen in die Pfanne zu hauen. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, was Stefan Raab früher gemacht hat. Das mochte ich überhaupt nicht. Menschen lächerlich machen, nur um sich selbst zu profilieren, hat mich immer gestört.

Udo Wachtveitl: Bei den Fernsehsendern geht es – bis auf einige Ausnahmen – aber doch noch etwas seriöser zu. Die werden, ob öffentlich-rechtlich oder privat, anders kontrolliert. Das Internet ist auch für Menschen, die, sagen wir, moralisch randständig sind, eine Plattform, um Aufmerksamkeit für sich zu erzeugen. Es ist heute technisch ein Kinderspiel, so ein Filmchen zu drehen und es im Internet hochzuladen.

In sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter wird auch heftig über den „Tatort“ diskutiert. Ihr letzter Fall, der von Dominik Graf inszeniert wurde, hat irre viel Schelte bekommen …

Nemec: Das Schlimme ist, dass die Leute diskutieren, während der Film noch läuft.

Wachtveitl: Es ist furchtbar und ich finde es auch völlig falsch.

Warum?

Wachtveitl: Weil es dem Selbstanspruch des Formates total entgegenläuft. Ich kann mich doch auf keinen Film einlassen, wenn ich gleichzeitig herumtippe und außerdem noch lese, was andere schreiben. Also was soll das? Dafür ist das Format nicht gemacht.

Man könnte sagen, es ist doch toll, wenn die Fans über das diskutieren, was sie sehen.

Nemec: Aber doch bitte nicht, während sie den Film anschauen. Danach – ja. Oder am nächsten Morgen. Aber nicht gleichzeitig. Wachtveitl: Mich stören ja schon die Werbeunterbrechungen bei den Privatsendern, wenn ich einen Film anschaue. Ich weiß, viele Menschen finden das angenehm, weil sie dann auf die Toilette gehen können. Aber ganz ehrlich: Wenn ich alle 20 Minuten aufs Klo müsste, dann würde ich zum Arzt gehen (lacht). Nein, ich finde, man sollte sich auf einen Film richtig einlassen, sich konzentrieren. Und das geht nur, wenn man nichts zwischendurch macht.

Sie bekommen im nächsten Jahr Kollegen. Ein Franken-„Tatort“- Team ermittelt dann ebenfalls für den BR. Unter anderem ist Fabian Hinrichs als Kommissar dabei, der im vergangenen Jahr einmal Ihren Assistenten spielte.

Wachtveitl: Ich find’s super!

Nemec: Absolut. Den Fabian Hinrichs hätten wir damals gerne behalten als Assistenten. Die Dreharbeiten mit ihm haben großen Spaß gemacht. Aber leider wurde er am Ende des Films getötet.

2013 war überhaupt das Jahr der neuen Teams. Was sagen Sie als alte „Tatort“-Hasen dazu? 

Wachtveitl: Ich glaube, wenn man so ein Juwel im Programm hat wie den Tatort, dann muss man es pflegen und nicht verramschen. Natürlich muss es immer wieder neue Teams geben, wir waren irgendwann ja auch mal zwei neue junge Kerle. Ich wünsche mir sogar, dass neue Gute schlechte Alte ersetzen.

Nemec: Ich tu mich schwer, dazu etwas zu sagen. Wenn wir, die 67 Tatorte gedreht haben, uns über die Neuen äußern, klingt das immer ein bisschen neidisch oder kleinkariert.

Sie sagen es: 67 Folgen, die erste lief 1991. Was hat sich verändert?

Wachtveitl: Ich denke, wir sind im Umgang miteinander viel selbstverständlicher geworden. Am Anfang haben wir uns schon ab und zu – das kann man heute selbstkritisch auch mal sagen –, „aufgepumpt“, um die große Tatort-Jacke auszufüllen. Und das wirkte meistens ganz schön blöd (lacht). Oder dieses Gerangel um den besten Satz in einer Szene …

Nemec: Das haben wir gemacht?

Wachtveitl: Ja schon, und heute eben nicht mehr. Das macht den Unterschied.

Klingt alles nicht danach, als stünden Sie kurz davor, Ihre gemeinsame „Tatort“- Zeit zu beenden?

Nemec: Nein, überhaupt nicht. Wir werden im nächsten Jahr wieder drei neue Folgen drehen.

Wachtveitl: Wir haben seit 20 Jahren keinen Vertrag, und so wird es bleiben.

Nemec: Und wenn es irgendwann gut ist, ist es gut.

Interview: Stefanie Thyssen

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