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Tatort-Regisseur zum Jubiläum: „Bei den beiden ist Ärger programmiert“

Anselm, Karin / Schauspielerin
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Karin Anselm spielte von 1981 bis 1988 die Ermittlerin Hanne Wiegand. Damals habe sie als Frau einsam auf weiter Flur gearbeitet, sagt die 76-jährige Hamburgerin.
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Das ist Karin Anselm heute: Im Jubiläumsfilm saß sie als Zuhörerin im Seminar.
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Hans Peter Hallwachs hatte einen Kurzauftritt im ersten „Taxi nach Leipzig“ (im Bild hinten, vorne: Walter Richter). Ehrensache, dass der 78-Jährige im 1000. Fall auch wieder mit von der Partie war. Wie er heute aussieht: nächstes Bild. 
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Hans Peter Hallwachs heute. 
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Günter Lamprecht begrüßte im „Tatort“ die Kollegen der Polizeiakademie zum Seminar.
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Von 1991 bis 1995 ermittelte der heute 86-Jährige auch selbst – als Berliner Hauptkommissar Franz Markowitz.
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Friedhelm Werremeier (86) ist Autor des ersten „Tatorts“ und hier als Barbesucher zu sehen.
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Florian Bartholomäi war der Täter und ist der häufigste Mörder der „Tatort“-Geschichte.

München - Zum 1000. Mal lief am Sonntag der Tatort im Ersten: Regisseur Alexander Adolph über seinen Jubiläums-Krimi und die Auftritte früherer Stars. 

Er hat die Senta-Berger-Reihe „Unter Verdacht“ entwickelt, die Drehbücher für viele großartige „Tatort“-Folgen geschrieben (unter anderem „Im freien Fall“ und „Der oide Depp“) und bei herausragenden Fällen wie „Der tiefe Schlaf“ (alle BR) auch Regie geführt. Dass Alexander Adolph den 1000. „Tatort“, der am Sonntag (13. November) im Ersten lief, schreiben und inszenieren durfte, war kein Zufall. Wir wollten von dem preisgekrönten Münchner wissen, warum er ausgerechnet Maria Furtwängler und Axel Milberg ermitteln ließ und was es mit den liebevoll ausgewählten Gaststars auf sich hatte (siehe Bilder oben zum Durchklicken). 

Sie haben in Ihrem Leben viele Krimis geschrieben und inszeniert. War es dennoch etwas Besonderes,den 1000. „Tatort“ zu drehen?

Alexander Adolph: Ja, das war etwas sehr Besonderes. Eine große Ehre. Der „Tatort“ ist schließlich einmalig, eine gewaltige Fernsehmarke.

Was macht diese Marke für Sie aus?

Adolph: Ich glaube, dass der „Tatort“ in seiner Vielfältigkeit ein wichtiger Bestandteil des deutschen Fernsehens ist. Er bildet die Gesellschaft ab und das seit Generationen. Es läuft die 1000. Folge! Das hat bislang keine andere Reihe geschafft.

Haben Sie ein Lieblingsteam?

Adolph: Das ist immer das Team, mit dem ich gerade arbeite.

Für den Jubiläumsfall wurde ein Team geschaffen, das es sonst nicht gibt: Maria Furtwängler und Axel Milberg haben gemeinsame Sache gemacht. Warum gerade die beiden?

Adolph: Das war meine Wunschkombination, weil die beiden als Ermittler so überhaupt nicht zusammenpassen.

Inwiefern?

Adolph: Es ist doch für den Zuschauer immer spannender, wenn sich zwei Menschen reiben. Die Figuren Charlotte Lindholm und Klaus Borowski kommen von unterschiedlichen Planeten und werden in unserem Film durch ein Verhängnis sozusagen aneinandergekettet. Sie müssen in einem sehr kleinen Raum, einem Taxi, in einer mehr als bedrohlichen Lage irgendwie überleben.

Was ist für Sie typisch Lindholm, was ist typisch Borowski?

Alexander Adolph durfte den 1000. Tatort inszenieren. 

Adolph: Frau Lindholm ist eine einsame Wölfin. Eine, die alles selber macht – und das so schnell, wie es geht. Und sie hat es auch ganz gerne, wenn sie den Leuten sagen kann, was gemacht werden muss. Borowski ist auch ein Chef, der gerne delegiert, aber er hat eine andere Form von Fleiß. Er lässt es auch mal gemütlicher angehen. Gleichwohl ist auch er davon überzeugt, dass im Zweifel er derjenige ist, der am besten weiß, wie etwas zu machen ist. Allein durch die Tatsache, dass wir hier zwei Ermittler haben, die es gewöhnt sind – jeder auf seine Art – „anzuschaffen“ und zu entscheiden, ist Ärger programmiert. Dass beide noch unterschiedliche Haltungen zum Beispiel zum Essen oder zu bestimmten Höflichkeitsformeln haben, macht es nicht einfacher. Erinnern Sie sich: Borowski steht nach einer anstrengenden Tagung hungrig in der Schlange und will sich ein belegtes Brötchen nehmen. Frau Lindholm drängelt sich vor und schnappt ihm die letzte Hälfte vor seinen Augen weg. Damit ist viel gesagt.

Privat sind Axel Milberg und Maria Furtwängler gut befreundet. Ist das beim Drehen von Vorteil oder macht es Ihre Arbeit als Regisseur schwieriger?

Adolph: Von Vorteil ist vor allem, dass die beiden noch nicht miteinander gedreht haben, jedenfalls keinen „Tatort“. Sie müssen sich am Set neu erkunden, das ist immer gut. Und weil beide Vollblutschauspieler sind, ist es in den Hintergrund getreten, dass sie sich privat sehr gut kennen.

Die Episoden-Hauptrolle haben Sie mit Florian Bartholomäi besetzt. Er spielt den ehemaligen Elitesoldaten, der die Kommissare im Taxi gefangen hält, irre überzeugend.

Adolph: Danke, ja, das finde ich auch. Es fängt schon damit an, dass Florian Bartholomäi so aussieht wie einer vom KSK (KSK steht für Kommando-Spezial-Kräfte; Anm. d. Red.). Man stellt sich da oft muskelbepackte Kämpfer vor, die irgendwie grimmig daherkommen. Die Leute vom KSK sind aber wahnsinnig durchtrainiert, die haben kein Gramm zu viel und genau diese Körperlichkeit, die Florian Bartholomäi auch hat. Das Gute an ihm ist darüber hinaus, dass er ein exzellenter Schauspieler ist. Und er hat viel Kampfsporterfahrung. Das merkt man. Er hat diese Spannung im Körper, die er für die Rolle braucht.

Im Film gibt es einige Gastauftritte von früheren Tatort-Stars

Im Film gibt es auch einige schöne Gastauftritte von Stars aus früheren „Tatort“-Folgen.

Adolph: Ja, das ist eine große Ehre, dass sie mitgemacht haben. Günter Lamprecht und Hans Peter Hallwachs waren ja schon im ersten „Tatort“ dabei. Ich finde, das spürt man. Und der Herr hinter der Kasse im Nachtclub ist Friedhelm Werremeier, der einst den allerersten „Tatort“ geschrieben hatte.

Mussten Sie Überzeugungsarbeit leisten, dass sie alle dabei sind, oder haben sie sich gleich über die Anfrage gefreut?

Adolph: Nein. Überzeugungsarbeit nicht wirklich. Ob sie sich gefreut haben? Das müssten Sie die Schauspieler selbst fragen. Ich kann es nur vermuten, dass es schon zweierlei Gefühl hervorruft, wenn man in ein Fernsehformat kommt, in dem man lange nicht mehr war und mit dem man schon abgeschlossen hatte. Es ist nicht so, dass man da so einfach hingeht und ruft: Was für eine Freude! Dafür hängt zu viel vom eigenen Leben und der eigenen Karriere in dieser Erfahrung mit drin. Insofern glaube ich, dass es für alle vier etwas Besonderes war, in der Jubiläumsfolge mitzuspielen und an einen so wichtigen Punkt aus ihrem Leben zurückzukommen. Das, glaube ich jedenfalls, habe ich als Regisseur bei den Dreharbeiten gespürt.

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