Anschlagsserie in Paris

Ehepaar bei Jauch: Wir haben das Bataclan überlebt

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Das Kölner Ehepaar Julia und Thomas Schmitz überlebte den Anschlag im Bataclan-Theater in Paris. 

Berlin - Ein Ehepaar aus Köln hat den Terror-Anschlag auf das Konzert der Eagles of Death Metal im Bataclan in Paris überlebt. In der Talkshow Günther Jauch beschreibt es die entsetzlichen Szenen.

Das Ehepaar Julia und Thomas Schmitz aus Köln hat den Terroranschlag auf das Bataclan-Theater in Paris überlebt: Die beiden waren unter den vielen Menschen, die einen schönen Abend verbringen wollten - und überlebten die Schießerei nur durch Zufall. Günther Jauch lud sie für Sonntag, nur 48 Stunden nach den Anschlägen, in seine Sendung ein.

Die Konzertkarten für das Bataclan waren ein Geschenk  

Eine Reise nach Paris zum Konzert der kalifornischen Rockband "Eagles Of Death Metal" war ein Geburtstagsgeschenk von Julia für ihren Mann Thomas. "Der Tag begann sehr, sehr gut, es war für November sehr schönes Wetter", erzählt Julia Schmitz. "Wir sind auf den Eiffelturm, waren in den Katakomben, haben noch etwas gegessen. Dann sind wir zu der Konzert-Location. Und da sollte es eigentlich schon zuende gehen."  

Der Moment, als die ersten Schüsse zu hören sind

Julia und Thomas Schmitz hatten das Konzert auf ihren Plätzen auf dem oberen Rang verfolgt. In einem Video, das ein Konzert-Besucher gemacht hat, sind plötzlich Schüsse zu hören, manche Bandmitglieder ducken sich weg, der E-Gitarrist steht irritiert auf der Bühne. "Wir dachten, das ist ein Gag und gehört zur Show", sagt Thomas Schmitz. Auch seine Frau erzählt, sie habe den Attentäter im Raum stehen sehen, aber erst nicht an Gefahr gedacht. "So hört sich das ja in Filmen und im Fernsehen nicht an, wenn geschossen wird."

Flucht in den Backstage-Raum des Bataclan in Paris

Dann bricht im Konzertsaal plötzlich Panik aus. Julia und Thomas Schmitz wollen von der Tribüne herunterlaufen, müssen aber wegen der vielen fallenden Schüsse umkehren und fliehen in den Backstage-Raum, in dem sie sich mit etwa 30 anderen Menschen verbarrikadieren.

Ein Attentäter war durch den Haupteingang in das Gebäude gelangt, "der stand völlig gelassen da und hat einfach in die Menge geschossen", berichtet der Kölner. Er sei unmaskiert gewesen und trug gewöhnliche Kleidung - "ganz normal" habe er ausgesehen, sagt Thomas Schmitz.

Das Ehepaar und die anderen Menschen schoben alles, was sie an schweren Gegenständen finden konnten, vor die Tür des Backstage-Raumes, legten sich auf den Boden und drückten dagegen. Einmal öffneten sie die Tür noch, um zwei, drei weitere Menschen in den Raum zu lassen. Da sie nicht länger sicher sein konnten, ob ihnen die Attentäter inzwischen gefolgt waren, hielten sie die Tür geschlossen.

Wir dachten: "Wir sterben, hoffentlich tut's nicht weh"

"Man hat sich wirklich gedacht, ich sterbe jetzt, hoffentlich tut's nicht weh", sagt Thomas Schmitz. Seine Frau Julia: "Ich war mir durchgehend sicher, wir überleben das nicht". Ungefähr drei Stunden hat es gedauert, bis sicher war, dass es Polizisten waren, die vor der Tür standen und die verängstigten Menschen aus dem Raum in Sicherheit bringen würden. Der Weg nach draußen sei gepflastert gewesen von toten Körpern, erzählt die Kölnerin.

So beängstigend war die Stimmung am Morgen nach dem Terror in Paris

"Wie haben Sie die Stadt Paris am nächsten Morgen erlebt?", fragt Jauch das Ehepaar. "Es war ruhig, wir hatten auch eine Grundangst. Wir mussten einmal noch zum Einkaufen raus, weil wir noch etwas zu Essen brauchten, und man nimmt jede Bewegung wahr, man ist sehr aufmerksam, achtet auf alles, was sich bewegt und vor allem auf Geräusche", antwortet Thomas Schmitz.

Einschüchtern lassen will sich das Ehepaar trotzdem nicht. Ein solcher Angriff ziele schließlich genau darauf ab, einzuknicken, sagt Julia Schmitz. "Aber auch wenn wir uns anfangs noch unwohl fühlen werden: Wir werden natürlich unser Leben weiter leben, Spaß haben und auch auf Konzerte gehen."

Link zum Video

Luca von Prittwitz

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