TV-Journalist wurde 72 Jahre alt

"Monitor"-Moderator Klaus Bednarz gestorben

Klaus Bednarz
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Trauer um Klaus Bednarz (72).

Köln - So spröde „Monitor“-Moderator Klaus Bednarz auch rüberkam, er war ein richtiger Aufreger. Jetzt ist mit ihm einer der profiliertesten und meinungsstärksten TV-Journalisten der Nachkriegszeit gestorben.

14 Jahre ist es her, seit Klaus Bednarz die Moderation von „Monitor“ abgab. Es kommt einem länger vor. Das liegt wohl daran, dass er damals schon ein wenig aus der Zeit gefallen war. Bednarz, der am Dienstag im Alter von 72 Jahren gestorben ist, gehörte eigentlich in die 80er.

Bonner Republik, Kohl-Ära. Da bekam er seine beiden Grimme-Preise. Da war „Monitor“ ein Machtfaktor. Wenn das ARD-Magazin am Dienstagabend berichtete, dass Würmer im Fisch waren, blieben in Deutschland am Mittwoch die Fischläden leer. Unvorstellbar, dass ein politisches Fernsehmagazin heute eine solche Relevanz haben könnte.

Damals, in den 80ern, hatten im Journalismus nicht die Schönschreiber das größte Renommee, sondern die Enthüller. Und wenn es um Aufdecken und Anprangern ging, reichte im Fernsehen keiner an „Monitor“ heran. Jede Sendung hatte durchschnittlich neun Millionen Zuschauer - das entspricht ungefähr dem, was Thomas Gottschalk zuletzt mit Europas größter Samstagabendshow „Wetten dass..?“ erzielte.

Der aufklärerische Ansatz war allerdings nur der eine Grund, warum man die Sendung einschaltete. Der andere war, dass man sich entweder durch Bednarz bestätigt sehen oder sich über ihn aufregen wollte. Politische Magazine hatten damals noch eine klare politische Ausrichtung. Gerhard Löwenthal predigte im „ZDF-Magazin“ jahrzehntelang „Marx ist Murx“. Das vom WDR produzierte „Monitor“ wiederum war das rote Tuch für alle Schwarzen. Franz Josef Strauß bezeichnete die Sendung einmal als „Rote Reichsfernsehkammer“.

Bednarz wehrte sich bis zuletzt gegen diese Zuordnung und führte zum Beweis Schmähungen von Politikern der SPD und der Grünen an. Und es stimmt auch: Er war nie ein Parteigänger in dem Sinne, dass er bestimmten Politikern das Wort geredet hätte, womöglich noch aus Berechnung.

Nein, seine Betroffenheit war echt. Jedesmal aufs Neue. Der gebürtige Brandenburger, den der WDR am Mittwoch als „unbeugsamen Fürsprecher für Mensch und Umwelt“ würdigte, war der Chronist deutscher Missstände. Mit monotoner Stimme und anklagendem Blick listete er die Unzulänglichkeiten der Republik auf: Umweltsünden, Diskriminierung, Korruption, Machtmissbrauch, Ausbeutung, Rüstungsgeschäfte. Man konnte an diesem Land verzweifeln, wenn man regelmäßig „Monitor“ guckte.

Irgendwann in den späten 90ern begann Bednarz wie ein Relikt aus einer früheren Epoche zu wirken. Vieles in Deutschland hatte sich verändert, aber er saß da noch immer mit seiner unmodischen, dickrandigen Brille und im lässigen Pullover.

Heute würde so etwas im deutschen Fernsehen selbstverständlich nicht mehr toleriert, die Verantwortlichen hätten sofort eine Umfrage zur Hand, die belegen würde, dass soundsoviele Zuschauer allein schon wegen des Pullovers umschalteten.

Der Bednarz-Pullover transportierte gleich mehrere gesellschaftspolitische Botschaften auf einmal. Erstens die, dass bei „Monitor“ eben Inhalte zählten und kein Pipifax wie schicke Aufmachung des Studios oder gar des Moderators. Zweitens dass man sich hier der Wahrheit verpflichtet fühlte, wozu auch gehörte, dass man sich vor der Kamera nicht anders gab als hinter der Kamera. Und drittens dass dies eben eine Sendung von Alt-68ern war, die sich bewusst gegen die Anzugträger der Väter-Generation absetzen wollte. Kein Zweifel möglich: Der Bednarz-Pullover gehört ins Haus der Geschichte.

dpa

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