Twitter-Gewitter nach offenem Ende

"Tatort"-Rückblick: So traten die Ermittler ab

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Boris Aljinovic

Berlin - Das offene Ende des letzten Berlin-„Tatorts“ hat gespaltene Reaktionen ausgelöst. Der Abgang des Ermittlers Felix Stark (Boris Aljinovic) war denkwürdig - doch es geht noch spektakulärer.

Stirbt er nun oder stirbt er nicht? Millionen Fernsehzuschauer haben sich am Sonntagabend gefragt, ob der 13 Jahre von Boris Aljinovic gespielte „Tatort“-Ermittler Felix Stark überlebt. Die Antwort lautete „Vielleicht“ - wie auch der Krimi-Titel (hier in der ARD-Mediathek). Das offene Ende führte zu einem regelrechten Twitter-Gewitter (siehe unten).

Das bei Statistiken stets genaue Fan-Forum „Tatort-Fundus“ hat in der bislang 44-jährigen Geschichte des ARD-„Tatorts“ bereits 66 Wechsel von Ermittler-Teams gezählt. Fast zwei Drittel davon sind demnach ohne Begründung aus dem „Tatort“ verschwunden. Andere gingen in Rente, quittierten den Dienst oder zogen in eine andere Stadt.

Doch es geht auch spektakulärer.

TODESFÄLLE:

Anders als man bei einer langlebigen Krimireihe denken könnte, wurden im „Tatort“ bislang nur drei Hauptermittler im Dienst umgebracht, wie der Experte Timo Bredehöft für den „Tatort-Fundus“ analysiert hat.

1982 wurde Polizeihauptmeister Werner Rolfs (gespielt von Klaus Löwitsch) im Frankfurter „Tatort - So ein Tag...“ (7.2.1982) in einer Tiefgarage von einem Querschläger tödlich getroffen, nachdem ein mit ihm befreundeter Kleinganove auf seine Ex-Freundin geschossen hatte.

1998 wurde dann der russischstämmige Kommissar Michael Zorowski (Robinson Reichel) - Kollege von Ernst Roiter (Winfried Glatzeder) - in der Folge „Berliner Weiße“ (22.11.1998) von einem fliehenden Drogendealer angefahren. Er starb im Rettungshubschrauber.

2012 nahm der Hamburger verdeckte Ermittler Cenk Batu (Mehmet Kurtulus) in seinem letzten Fall den Bundeskanzler als Geisel, um seine Freundin zu retten. Ein Sondereinsatzkommando erschoss ihn in der Folge „Die Ballade von Cenk und Valerie“ (6.5.2012).

1990 starb auch der erste Schweizer Ermittler, der Berner Kommissar Walter Howald (Mathias Gnädinger), in dem Krimi „Howalds Fall“ (16.4.1990). Er erschoss sich jedoch selbst, nachdem er zuvor zum Verbrecher geworden war.

Ums Leben kamen im „Tatort“ auch öfter wiederkehrende Nebenfiguren. Anfang des Jahres sorgte etwa der Tod der langjährigen Kölner Assistentin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt) für Aufsehen. Sie starb gewaltvoll bei einer Geiselnahme im Gefängnis, zum Schock ihrer Chefs Max Ballauf und Freddy Schenk (Klaus Behrendt und Dietmar Bär). Die Erstausstrahlung von „Franziska“ (5.1.2014) war aus Jugendschutzgründen erst nach 22 Uhr gelegt worden.

AUFSEHENERREGENDE ANDERE ABGÄNGE:

2001 erreichte der Hamburger Kommissar Peter Brockmöller (Charles Brauer) das Rentenalter, einige Monate vor seinem Kollegen Paul Stoever (Manfred Krug). Dieser ließ sich im Krimi „Tod vor Scharhörn“ (7.1.2001) unbezahlten Urlaub geben und hörte aus Solidarität mit Brockmöller ebenso auf. Der Abgang der beiden beliebten Hamburger Ermittler wurde mit einem typischen Gesangsduett inszeniert.

1997 kehrte Lea Sommer (Hannelore Elsner) nach zwei Hamburger „Tatort“-Krimis wieder zurück nach Frankfurt in die ARD-Krimiserie „Die Kommissarin“ (66 Folgen zwischen 1994 und 2006).

1991 schied der legendäre TV-Polizist Horst Schimanski (Götz George) beim Duisburger „Tatort“ aus. Im Krimi „Der Fall Schimanski“ (29.12.1991) stellte ihn eine Intrige als Empfänger von Bestechungsgeld dar. Er wurde suspendiert. Auch wenn man ihm später eine Rehabilitierung anbot, hatte Schimanski „die Schnauze voll“. Mit einem Hängegleiterflug nahm der „Scheiße“-Sager nach 29 „Tatorten“ Abschied. Sein Kollege Christian Thanner (Eberhard Feik) wechselte vom westdeutschen „Tatort“ einmalig zum ostdeutschen „Polizeiruf 110“. Der Ost-Berlin-Krimi „Thanners neuer Job“ hatte im DFF Premiere (22.12.1991).

Die beliebte Figur Schimanski war seitdem noch in der sogenannten Spin-Off-Reihe „Schimanski“ zu sehen (19 Folgen zwischen 1997 und 2013). Laut einem „WAZ“-Interview mit dem inzwischen 76-jährigen Götz George gibt es wohl keinen weiteren Schimanski-Fall: „Dieser Typ tritt so leise ab, wie er laut angefangen hat.“

Der Krimi handelt von unheimlichen Vorahnungen: Eine Norwegerin namens Trude glaubt, dass eine Studentin ermordet wird - und es passiert tatsächlich. An Fahrt gewinnt der Film von Regisseur Klaus Krämer, als der Kommissar selbst in den Träumen auftaucht.

"Fehlt noch die Glaskugel und Wünschelrute"

9,86 Millionen Zuschauer verfolgten am Sonntagabend (20.15 Uhr) den letzten „Tatort“-Fall mit dem Berliner Kommissar, der nach dem Rückzug seines Kollegen Till Ritter (Dominic Raacke) alleine auf Gangsterjagd ging. Der Marktanteil betrug 27,1 Prozent.

Tausende schrieben am Sonntagabend in sozialen Netzwerken wie Twitter ihre Meinung zu dem ARD-Krimi, wobei die positiven Kommentare leicht überwogen - doch vor allem mit dem offenen Ende und dem Hellseherei-Motiv haderten viele.

Ein ominöses Kleidungsstück führte nicht nur zur Erkenntnis für viele Deutsche, dass Latzhose auf Norwegisch "snekkerbukse" heißt, sondern auch zu wilden Spekulationen:

Weitere Verdächtige:

Das Stichwort wurde "trending topic" auf dem Kurznachrichtendienst.

"Gut? Schlecht? Vielleicht?"

„Tolle Darsteller, aber das Traumdeuten und Esoterische könnt ihr euch nächstens sparen. Fehlt noch die Glaskugel und Wünschelrute“ schrieb Twitternutzer „Herr Schröder“.

„Ich hasse es wenn es kein Ende gibt, gerade wenn jemand aufhört (...) Warum sagt ihr nicht, ob er noch lebt oder nicht?“, sagte Nutzer Est über den Abgang des Ermittlers.

„Fand ihn ziemlich fesselnd“, schrieb Nutzer Stefan Heinisch.

Und Roland Voser meinte: „Für diesen Berliner Tatort mit letztmals Felix Stark gibt es volle 10 von 10 Punkten. Goodbye und danke Boris Aljinovic."

Die Tatort-Teams im Überblick

Die Tatort-Teams im Überblick

Dessen langjähriger Kollege Dominic Raacke (55) alias Till Ritter hatte keine große Abschiedsnummer beim „Tatort“ gewollt. Aljinovic (47) bekam dagegen ein Solo nach 13 Jahren im Dienst. Nachfolger beim RBB-„Tatort“ werden die Schauspieler Mark Waschke (42) und Meret Becker (45), die gerade ihren ersten Fall drehen. Künftig soll die Stadt Berlin eine größere Rolle spielen. Erster Sendetermin ist im kommenden Frühling.

Apropos Berlin: User Alf Frommer konnte sich das Feixen nicht verkneifen:

dpa

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