Fremdschämen bei "Wetten, dass..?"-Finale

Lanz blamiert sich im Interview mit Samuel Koch

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Samuel Koch neben Til Schweiger und dem mit der Gesamtsituation überforderten "Wetten, dass..?"-Moderator Markus Lanz. 

Nürnberg - Markus Lanz hat in der letzten "Wetten, dass.."-Show gezeigt: Die richtigen Fragen zu stellen, ist nicht immer so sein Ding. Richtig peinlich wurde es im Interview mit Samuel Koch.

Update, 15. Dezember: Das passierte nach dem Ende von "Wetten, dass..?" im TV. Was die Zuschauer nicht mehr sehen konnten, beschreibt tz-Redakteurin Astrid Kistner. Sie beschreibt, was nach dem Ende der Übertragung in der Nürnberger Messehalle los war.

Update, 14. Dezember: Am Tag nach der letzten Sendung von "Wetten, dass..?" sorgt der Auftritt von Helene Fischer im Smoking für Furore. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Helene Fischer bei "Wetten, dass..?".

Samuel Koch hat mit sich gehadert, ob er sich wirklich einen Auftritt in der letzten "Wetten, dass..?"-Show im ZDF antun sollte. Doch dann entschied er sich zu kommen. Und Markus Lanz hatte alle Zeit der Welt, sich gute Fragen auf seine Moderationskarten zu schreiben. Am Ende ging das Interview mit dem 27-Jährigen jedoch völlig daneben, viele Zuschauer waren entsetzt.

Samuel Koch, der seit seiner Wette vor vier Jahren querschnittsgelähmt ist, kommt im Rollstuhl durch die Showtür. Neben ihm Schauspieler Til Schweiger. Die Zuschauer im Saal in Nürnberg und die Promis stehen auf, applaudieren lange. Lanz umarmt Samuel Koch hölzern und kommentiert überflüssigerweise: "Wir umarmen uns immer, wenn wir uns sehen."    

Dann beginnt Lanz sein grauenvolles Interview: "Weil ich weiß, wie du gequält versucht hast, irgendwie wieder ins Leben zurückzufinden: Wie geht es dir in diesem Moment zurück in der Halle?" Koch war im Dezember 2010 bei seiner Wette in Düsseldorf schwer gestürzt, als er mit Sprungstelzen über Autos sprang. Thomas Gottschalk hatte die Sendung abgebrochen.

Samuel ist sichtlich baff und antwortet: "Hui. Erst einmal guten Abend. Wie geht es mir nach diesem lauten Geräusch? Vielen Dank dafür, eine nette Geste. Sehr schön, aber auch irgendwie ein bisschen komisch, muss ich ehrlich sagen."

Samuel Koch: "Wollte vernünftig Abschied nehmen"

Koch gibt zu, dass er hin- und herüberlegt habe, ob er die Einladung in die letzte "Wetten, dass..?"-Sendung annehmen soll. Dann beweist er Humor, als er ausführt, er habe sich nach seinem Unfall nicht "anständig" bei den Kamera-Leuten und den Menschen hinter den Kulissen verabschieden können. "Ich bin irgendwie frühzeitig gegangen", witzelt der 27-Jährige. "Ich hatte einen steifen Hals an dem Abend." Lanz, von dieser Schlagfertigkeit erkennbar überfordert, legt seine Hand auf Samuels Schulter und knetet sie.

Die Zuschauer sind gerührt von Samuel Kochs Auftritt. Doch der Moderator zerstört den Moment mit einem Kommentar, der hoffentlich ein Versprecher war: "Du hast offensichtlich nicht nur deinen Humor verloren." 

Die Gelegenheit, das deplatzierte "nur" zu korrigieren, lässt Lanz verstreichen. Stattdessen versucht er, den Patzer zu überspielen, indem er seine Eingangsfrage wiederholt: "Wie geht es dir heute?" Koch beweist erneut Schlagfertigkeit: "Das hast du ja schon mal gefragt gerade, wie es mir geht. Eigentlich ganz okay. Und selber?" Die Zuschauer lachen, Lanz, innerlich mittlerweile völlig am Rudern, antwortet überrascht: "Auch gut, auch gut!" Dann legt er seine Hand auf Kochs Arm. Diese Distanzlosigkeit regt die Zuschauer auf, die mit dem Hashtag #wettendass twittern.

Offensichtlich erkennt Lanz endlich selber, wie qualvoll seine Fragerei ist und verspricht Koch: "Ich will dich gar nicht länger quälen." Gut, dass es dann endlich um einen Film mit Til Schweiger geht. Nachher auf dem Sofa begründet Lanz, warum er Koch zweimal die "Wie geht es dir?"-Frage stellte: Er hätte den jungen Mann mehrere Male getroffen und den Eindruck gehabt, dass er sich gesundheitlich gut entwickelt habe –  und er wollte offensichtlich, dass Koch das allen Zuschauern erzählt.

Nach ein bisschen Film-Geplauder auf der Couch überbietet sich Lanz an Peinlichkeit und Unverschämtheit selbst, indem er Koch doch tatsächlich fragt: "Hast Du etwas Sinnhaftes aus dem Unfall herausziehen können?" Erstaunlich, dass dieser ihm darauf überhaupt antwortet: "Ich versuche dem Ganzen den Unsinn zu nehmen." Er wolle etwas Sinnvolles tun, im nächsten Jahr werde er eine Stiftung gründen, die sich um Angehörige von Menschen mit Behinderung kümmert.

Die Twitter-Reaktionen auf Lanz' Frage sind verdientermaßen böse.

Zum Schluss blamiert Til Schweiger auch noch Ex-Eiskunstläuferin Kati Witt: Als Schweiger spontan die Promis auf dem Sofa fragt, ob sie Kochs Stiftung unterstützen werden, melden sich alle. Nur die ehemalige Olympiasiegerin muss darauf hinweisen, dass sie schon eine eigene Stiftung hat. Schweiger darauf: "Man kann auch zwei haben." Witt redete sich heraus: Ihre Stiftung habe Samuel Koch schon unterstützt.

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sah

Miriam Sahli-Fülbeck

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E-Mail:miriam.sahli@merkur.de

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