Das hat es mit dem Brauch auf sich

1. April 2016: Die besten Aprilscherze der letzten Jahre

München - Alle Jahre wieder, Späße am 1. April. Wir verraten die besten Aprilscherze und was es mit dem Brauch auf sich hat.

"April, April!" Wer diesen Ausruf am 1. April, zu hören bekommt, kann sich sicher sein, dass er (oder sie) zum Narren gehalten wurde. Am 1. April gilt es quasi als Volkssport, sich gegenseitig in den April zu schicken. Manche Aprilscherze sind inzwischen längst Klassiker, aber jedes Jahr sorgen auch einige besonders kreative neue Scherze für Schlagzeilen (siehe unten). Doch woher kommt dieser Brauch eigentlich? Diese und andere Fragen zum 1. April beantworten wir im Folgenden. Außerdem haben wir einige der besten Aprilscherze der vergangenen Jahre sowie einige Klassiker für Sie zusammengetragen.

Warum ist es am heutigen 1. April Brauch, die Leute "in den April zu schicken"?

Es gibt mehrere Theorien, wie der Brauch, seine Mitmenschen am 1. April "in den April zu schicken", entstanden ist:

Theorie 1: Der Brauch kommt aus dem mittelalterlichen Frankreich. Bis ins 16. Jahrhundert war es bei unseren Nachbarn üblich, den Beginn des neuen Jahres an Ostern zu feiern. Weil das christliche Auferstehungsfest aber jedes Jahr auf ein anderes Datum fällt, hatte man Neujahr schließlich auf den 1. April festgelegt. Die Menschen nutzten das Datum damals, um zur Feier des Tages schöne Geschenke auszutauschen. 1563 legte der französische König Neujahr schließlich vom 1. April auf den 1. Januar. Andere Länder hatten diese Änderung bereits früher veranlasst. Da es aber noch kein Telefon oder Internet gab, haben viele Menschen damals die Verlegung nicht mitbekommen. Sie feierten weiterhin am 1. April Neujahr und wurden von jenen, die es bereits besser wussten, unter anderem mit falschen Geschenken verspottet und zum Narren gehalten.

Theorie 2: Der Monat April gilt als Übergang zwischen Winter und Sommer. Die Kraft des Winters lässt nach, die des Sommers nimmt zu. Früher sagte man: "Der starke Sommer hält den schwachen Winter zum Narren". Der Narr, der sich am 1. April von seinen Mitmenschen überall hinschicken lässt, steht also für den immer machtloseren Winter, der sich vom herannahenden Sommer herumkommandieren lässt.

Theorie 3: Der 1. April galt früher als Unglückstag - ähnlich wie bei uns heute Freitag, der 13.. So soll es ein 1. April gewesen sein, an dem Satan des Himmels verwiesen wurde. Und auch Judas Iskariot, der Jesus Christus verraten haben soll, wurde angeblich am 1. April geboren und soll sich an einem 1. April erhängt haben. Wie aus einem Artikel auf der Internetseite brauchtum.de hervorgeht, war der 1. April unter Kaiser Augustus sogar der schlimmste unter den anerkannten Unglückstagen im Jahresverlauf. Und ein Unglückstag war zur damaligen Zeit ein Tag, an dem der Teufel alle Macht hatte. In der stark religiös geprägten Gesellschaft hielt sich die Meinung, dass Satan an diesem Tag versucht, all jene zu umgarnen, die noch nicht ihm gehören. Als dem Teufel verfallen galten all jene, die Gott leugneten und laut Bibel (Psalm 53) dadurch als Narren gekennzeichnet sind. Wer sich am 1. April nun selbst als Narr ausgab, der war vor dem Teufel sicher, da dieser ihn bereits für einen der Seinen hielt.

Theorie 4: Möglicherweise begann der Brauch aber auch schon in antiker Zeit mit dem römischen Fest zu Ehren des Gottes Quirinus. Die sogenannte Quirinalia galt als Fest der Dummen und Narren. Im römischen Kalender fiel es zwar auf den 17. Februar, Kalenderreformen bewirkten aber möglicherweise seine Verschiebung auf den 1. April.

Theorie 5: Der Brauch rund um den 1. April könnte aber auch auf einen besonderen Münztag aus dem Jahr 1530 zurückzuführen sein. Diese Theorie zählt zumindest mit zu den gängigsten. Damals fand in Augsburg der Reichstag statt. Dort soll ein bestimmter Tag festgelegt worden sein, um das Münzwesen zu ordnen. Als Datum für diesen Tag x wurde der 1. April gehandelt. Als der Münztag dann aber nicht an diesem Tag stattfand, wurden die Spekulanten verspottet und der 1. April zum Feiertag der Narren.

Neben diesen vier Theorien gibt es noch ein paar weitere. Alle haben eine Sache gemeinsam: Wo der Brauch jemanden "in den April zu schicken" wirklich herkommt, lässt sich durch keine dieser Erklärungen unwiderlegbar herleiten.

Wann wurde "in den April schicken" erstmals erwähnt?

In Bayern wurde der Brauch, jemanden am 1. April "in den April zu schicken" bereits 1618 erstmals erwähnt. Für das restliche Deutschland ist er erst für 1631 belegt. Das Wort "Aprilnarr" tauchte dann in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf und ist somit relativ alt - zumindest im Vergleich zum "Aprilscherz", von dem erst ab dem 19. Jahrhundert die Rede ist.

Werden am heutigen 1. April überall auf der Welt die Menschen "in den April geschickt"?

Nein. Der Brauch, jemanden "in den April zu schicken", ist vor allem (aber nicht nur) in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA verankert. In Spanien und Lateinamerika hingegen hält man sich am 28. Dezember gegenseitig zum Narren. Dieser Tag heißt dort Día de los Santos Inocentes (Tag der Unschuldigen Kinder).

Welche Arten von Aprilscherzen gibt es?

  • Früher, also im Mittelalter, galten offenbar vor allem Lehrlinge und Auszubildende als naiv und einfältig. Sie wurden deshalb bevorzugt "in den April geschickt" - und zwar mit einer Methode, die auch heuer am 1. April noch funktioniert: Man beauftragt die Person, die man zum Narren halten will, mit einem Botengang oder einem Auftrag, der so keinen Sinn macht oder unmöglich zu erfüllen ist. So sollen etwa Mückenfett, schwarze Kreide, Ipitum (= Ich bin dumm) oder Ohwiedumm besorgt werden. Oder es soll ein seltenes "Tier", wie in Bayern zum Beispiel der Wolpertinger, eingefangen werden. Der Mensch, der den Auftrag erhält und zu erfüllen versucht und dabei vielleicht noch den ein oder anderen auf seinem Weg um Hilfe bittet, macht sich natürlich zum Narren.
  • Das Opfer des Aprilscherzes wird mit etwas Ekligem überrascht. Das können Salz in der Zuckerdose, Senf in der Zahnpastatube oder eine Plastikspinne im Essen oder im Bett sein.
  • Man verleitet das Aprilscherz-Opfer zu einer sinnlosen Handlung, in dem man vorgibt, es habe an der Tür geklingelt, der Schnürsenkel oder der Hosenstall sei offen, das Fahrrad habe einen Platten oder am Empfang stehe jemand, der ihn/sie persönlich sprechen wolle.
  • Dem auserkorenen Opfer wird am 1. April ein Zettel mit peinlicher Aufschrift beziehungsweise Nachricht unauffällig auf den Rücken geklebt. Er/sie läuft dann einige Zeit mit der lächerlichen Botschaft "Zwick mich, ich bin ein Narr" herum.
  • Radio, TV-Sender, Zeitungen und Online-Portale sowie manchmal auch Marken (z.B. Ritter Sport) inszenieren beziehungsweise verbreiten eine Falschmeldung, die sich spätestens am Ende des Tages als Aprilscherz entpuppt (Beispiele siehe unten).

Diese Liste erhebt nicht den Anspruch vollständig zu sein. Falls Ihnen weitere Arten des Aprilscherzes einfallen, dürfen Sie uns diese gerne in der Kommentarfunktion mitteilen.

Die besten Aprilscherze der vergangenen Jahre - inklusive Klassiker

  • Der damals erst acht Monate alte Prinz George, das erste Kind von Herzogin Kate und Prinz William, war 2014 in Neuseeland ein beliebter Köder für Aprilscherze. Das Gutschein-Portal Groupon hielt die Kiwis am 1. April mit einer vermeintlichen Online-Verlosung zum Narren, bei der es angeblich ein Treffen inklusive Foto-Termin mit der Royal Family zu gewinnen gab.

Ein neuseeländisches Busunternehmen behauptete hingegen, Herzogin Kate und Prinz William hätten den Wunsch geäußert, wie die Einheimischen durchs Land zu reisen. Einer der Busse aus der Flotte sei dafür extra umgerüstet worden. Außerdem würde der neuseeländische Popstar Lorde den kleinen Thronfolger unterwegs mit ihrem Song "Royals" unterhalten. Beide Aprilscherze funktionierten vor allem deshalb so gut, weil ein Besuch der Royal Family kurz bevor stand.

  • In Deutschland sorgte am 1. April 2014 Felix Neureuther für Schlagzeilen, als er via Facebook verkündete, dass er künftig für Österreich an den Start gehen würde.

Wie Ihr sicher schon mitbekommen habt, werde ich in der kommenden Saison für den ÖSV an den Start gehen.Ich weiss viele...

Posted by Felix Neureuther on Dienstag, 1. April 2014

  • Schon seit Jahren hält sich der Aprilscherz zur neuen Sommer-Sorte von "Ritter Sport" mit Mett-Füllung, den das Unternehmen auch 2014 via Facebook kräftig unterstützte.
  • 2011 kooperierten der FC Bayern und die SpVgg Greuther Fürth mit der Scherz-Meldung, dass Bayern-Profi Ivica Olic für ein halbes Jahr nach Fürth ausgeliehen wird.
  • 2009 sorgte die "Bild"-Zeitung für Furore, als sie am 1. April berichtete, dass es künftig in Städten mit über 25.000 Einwohnern eine lila Plakette für die Autos von Frauen geben soll.
  • 2007 ließ die ARD in der "Tagesschau" verkünden, dass die berühmte Erkennungsmelodie der Nachrichtensendung künftig nicht mehr von einem Symphonieorchester live im Studio gespielt würde, sondern fortan nur noch vom Band kommen solle.
  • Der Stuttgarter Stadtrat Reinhard Löffler führte am 1. April nicht nur die Stuttgarter, sondern auch einige Medien mit folgender Nachricht an der Nase herum: Die berühmte Kehrwoche, ein Nationalheiligtum der Schwaben, sollte von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt werden. Auch dabei handelte es sich selbstverständlich nur um einen Aprilscherz.
  • In der "Stuttgarter Zeitung" stand 2003 geschrieben, dass Aldi plane, in Zukunft auch Benzin zu verkaufen. Diese vermeintliche Nachricht war natürlich ein Aprilscherz.
  • Ein Aprilscherz, der schließlich in die Realität umgesetzt wurde, war der des Radiosenders Edelweiß in Basel. Dieser meldete am 1. April 2003, dass das Fußballstadion in Basel für die EM 2008 um 10.000 Plätze erweitert wird. Der FC Basel nahm sich diesen Vorschlag tatsächlich zu Herzen: Durch die Erweiterung wurde das Basler Stadion schließlich zum Nationalstadion der Schweiz - und löste in dieser Rolle das Stade de Suisses in Bern ab.
  • Burger King teilte am 1. April 1998 mit, dass es künftig extra Burger für Linkshänder geben solle. Mit dem auf diesen Aprilscherz folgenden Ansturm von Burger-Fans hatte die Fastfood-Kette allerdings wohl nicht gerechnet.
  • Der BBC gelingen am 1. April immer wieder fantastische Scherze. So strahlte der Sender 1957 einen sehr seriös wirkenden Beitrag über die Spaghetti-Ernte in der Schweiz aus (siehe Video).
  • Ebenfalls von der BBC verbreitet wurde zum 1. April 1976 die Nachricht über ein angebliches astronomisches Phänomen. Aufgrund einer extrem seltenen Konstellation, bei der Pluto genau hinter dem Planeten Jupiter stünde, sei es um 9.47 Uhr für wenige Augenblicke möglich, auf der Erde die Schwerelosigkeit zu erfahren. Zahlreiche Briten versuchten ihr Glück und sprangen in genau dieser Minute in die Luft. Einige Hundert Anrufer bestätigten der BBC anschließend ihren Erfolg.
  • Der älteste in einer Zeitung in Deutschland veröffentlichte Aprilscherz datiert auf den 1. April 1774. Damals wurde eine Methode angepriesen, mit der man nicht nur Ostereier, sondern angeblich auch Hühner in bunten Farben züchten könne. Dazu, so die Anleitung, müsse man lediglich die Umgebung der Hühner in der gewünschten Farbe anstreichen. Das Federvieh würde sich dann entsprechend anpassen.

Aprilscherze, die nach hinten losgegangen sind

Punkteerlass in Flensburg: Mehrere Radiosender hatten 2011 gemeinsam einen Aprilscherz organisiert, der das Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) in Flensburg beinahe in den Wahnsinn trieb. Im Radio war am 1. April verbreitet worden, dass Verkehrssündern per Lotterie Punkte erlassen würden, um das Image des KBA aufzupolieren. Daraufhin standen beim Kraftfahrt-Bundesamts die Telefone nicht mehr still.

Angeblicher Suizid: Ein Paar aus Iserlohn (NRW) kündigte 2006 per E-Mail an, es werde sich wegen Eheproblemen das Leben nehmen. Der Empfänger der E-Mail informierte die Polizei, die das Paar beim Kaffeeklatsch antraf und den Scherz nicht wirklich lustig fand.

Ortsschilder vertauscht: In Niederbayern im Raum Regensburg haben Spaßvögel 2002 in vier Gemeinden die Ortsschilder abgeschraubt und sie vertauscht. Die Polizei musste daraufhin Dutzende verwirrte Anwohner beruhigen.

Führerscheine ungültig: Ein Radiosender in Saarbrücken meldete am 1. April 2000, dass graue Führerscheine in Zukunft ungültig seien. Per Anruf bei der "Europäischen Verkehrssicherheitsbehörde" könnten die alten "Lappen" aber noch verlängert werden. Da es diese Behörde nicht gibt, landeten 150 besorgte Anrufer bei der Polizei. Die Führerscheine, die bis in die 1980er Jahre ausgestellt wurden, sind übrigens immer noch gültig.

UFO führt zu Verkehrschaos: Hunderte Autofahrer stoppten 1989 bei London auf der Autobahn, um ein angebliches Unbekanntes Flugobjekt (UFO) zu beobachten. In Wahrheit handelte es sich bei dem UFO allerdings um einen Heißluftballon in Form eines Suppentellers. Dieser wurde von Richard Branson, Chef des Musikkonzerns "Virgin", gesteuert - und zwar im „Marsmenschenkostüm“.

Auch 2016 waren die Menschen am 1. April wieder kreativ: Til Schweiger soll Tagesschau-Sprecher werden - das ist aber natürlich nur ein Aprilscherz.

#Officepranks: Die besten Aprilscherze fürs Büro

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Kreative Aprilscherze gesucht

Mit welchem kreativen Aprilscherz haben Sie bereits Erfolg gehabt oder wurden selbst zum Narren gehalten? Berichten Sie uns in unserer Kommentarfunktion von ihren lustigsten Erfahrungen.

mit Material von dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Andrea Pientka

Andrea Pientka

E-Mail:andrea.pientka@merkur.de

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