1. tz
  2. Welt

Anschlag auf EU-Zentrale: BND-Agenten verhaftet!

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Drei deutsche Männer, die beschuldigt werden, an einem Sprengstoffanschlag auf die EU-Vertretung in der Kosovo-Hauptstadt Pristina beteiligt zu sein, werden am Samstag von einem Untersuchungsrichter in Pristina verhört.
Drei deutsche Männer, die beschuldigt werden, an einem Sprengstoffanschlag auf die EU-Vertretung in der Kosovo-Hauptstadt Pristina beteiligt zu sein, werden am Samstag von einem Untersuchungsrichter in Pristina verhört. © dpa

Pristina - Heftige Vorwürfe gegen den deutschen Bundesnachrichtendienst (BND)! Im Kosovo hat ein Richter gegen drei Deutsche im Alter zwischen 41 und 47 Jahren am Wochenende Untersuchungshaft angeordnet.

Der Vorwurf: Robert Z., Andreas D. und Andreas J., die für den deutschen Auslandsgeheimdienst arbeiten, soll Mitte November einen Bombenanschlag auf das EU-Hauptquartier in Priština verübt haben! Die Bundesregierung schweigt.

Laut kosovarischen Medien war einer der Deutschen beobachtet worden, wie er in ein leer stehendes Nachbargebäude des Anschlagsziels eingestiegen war, von dem aus offenbar der Sprengsatz mit 300 Gramm TNT geworfen worden war (siehe unten). Er habe von dort aus Fotos gemacht. Die Männer stammten unter anderem aus Regensburg und Konstanz.

Warum der BND-Mann wirklich fotografierte, der mit seinen zwei Begleitern am Mittwoch von einer Anti-Terroreinheit festgenommen worden war, ist unklar: Dem Spiegel zufolge beteuern die Agenten, lediglich nach dem Anschlag den Tatort untersucht zu haben. Die Behörden im Kosovo dagegen werfen den Männern mit deutschen Pässen vor, „terroristische Akte“ ausgeführt zu haben. Gestern bestätigte der Anwalt eines der Verhafteten, dass bei den Männern Ausweise und Dokumente des BND gefunden worden waren. Ihnen drohen damit bis zu 20 Jahre Gefängnis. Vorerst werden sie jetzt für 30 Tage in Untersuchungshaft sitzen.

Auch ohne den bislang letztendlichen Beweis der Anschlagsbeteiligung sorgen die drei deutschen Agenten schon für eine diplomatische Eiszeit. Üblicherweise melden befreundete ausländische Staaten ihre Geheimdienstler bei der Regierung an, wofür diese im Gegenzug Immunität gegen Strafverfolgung genießen. Bei den drei Männern habe BND-Chef Ernst Uhrlau dem Spiegel zufolge darauf verzichtet.

Die Opposition im Deutschen Bundestag forderte eine rasche Information des für die Überwachung der Geheimdienste zuständigen Parlamentarischen Kontroll-Gremiums (PKG) durch die Bundesregierung. PKG-Mitglied Christian Ströbele forderte nicht nur eine geheime Information der Kontrolleure, sondern auch eine öffentliche Stellungnahme: „Das muss aufgeklärt werden.“

Der BND selbst schloss gestern „definitiv“ aus, dass das verhaftete Trio an dem Anschlag beteiligt war, berichtete Bild unter Berufung auf Sicherheitskreise. Die Verhaftung der Deutschen diene der Kosovo-Regierung nur dazu, die wahren Hintergründe des Anschlages zu verschleiern. was.

Was hinter der Attacke steckt

Das Ziel des Anschlags vom 14. November in Pristina war offenbar das Hauptquartier der Eulex-Mission der Europäischen Union. Die Attacke hatte jedoch allenfalls Symbolcharakter: Es waren lediglich Autos demoliert worden und Scheiben der EU-Vertretung zu Bruch gegangen. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Sollten die verhafteten BND-Männer wirklich die Bomber sein, wird es eng: Nach bisherigen Ermittlungen wurden bei dem Anschlag auf Eulex der gleiche TNT-Sprengstoff und Zünder verwendet worden wie schon bei Attacken auf das Kosovo-Parlament und die Vertretung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.

Die Eulex-Mission umfasst rund 2000 Polizisten, Richter, Zöllner und Verwaltungsfachleute. Sie sollen dem Kosovo helfen, nach seiner Erklärung zum unabhängigen Staat im Februar jetzt zum Rechtsstaat zu werden. Der Einsatz soll Anfang Dezember starten. Doch noch herrscht bei den Kosovo-Albanern großer Widerstand, seitdem das verfeindete Serbien Bedingungen an Eulex gestellt hat. Danach soll die EU im von Serben bewohnte Norden des Kosovo den Behörden die Kontrolle entziehen. Die Kosovo-Spitze fürchtet die Teilung ihres Landes durch die Mission. Gleichzeitig verurteilten der kosovarische Präsident Fatmir Sejdui sowie Regierungschef Hashim Thaci den Anschlag auf Eulex als „Werk der Feinde des Kosovo“.

Quelle: tz

Auch interessant

Kommentare