Rheinland-Pfalz

Aussteiger-Opa lebt seit 36 Jahren in der Wildnis

Kerpen - Manche Menschen können sich noch nicht mal mit Camping anfreunden. Darüber kann Harry Gropmann nur lachen: Der Senior lebt seit 36 Jahren im Wald.

Seit satten 36 Jahren lebt er im Wald. Bei Wind und Wetter. Dort, in der Nähe des Eifel-Ortes Niederehe in Rheinland-Pfalz, hat sich Harry Gropmann auf 35.000 Quadratmetern sein eigenes kleines Reich geschaffen - ohne Laptop, ohne Fernseher, ohne fließend Wasser. Wohlgemerkt: Harry Gropmann ist 87 Jahre alt.

"Mehr Glück geht nicht", sagt der einstige Schreiner der Huffington Post. Durch sein Grundstück, das er Ende der Sechziger für 40.000 DM einem Bauern abkaufte, fließt ein Bach, zwei Pferde leben auf der Wiese, Katzen schleichen durch das Gras und ein provisorischer Grillplatz schreit nach regelmäßigem Feuer.

Einst hatte Harry Gropmann in Köln gelebt, doch dann erkrankte seine Frau und er zog mit ihr raus aus der Großstadt nach Kerpen. In dieser Zeit kaufte er sich das Grundstück und verwandelte es in seinen ganz eigenen Rückzugsort. Eines Tages kehrte er der Stadt für immer den Rücken, seine Frau besuchte ihn regelmäßig -  bis sie 2001 starb. "Meine Tochter hat mich danach lange versucht zu überreden, wieder nach Köln zu ziehen", erzählt Harry Gropmann. Vergebens.

Selbstgebaute Holzhütte und ein Uralt-Wagen

Doch wie lebt der 87-Jährige im Wald? In einer selbstgebauten, kleinen Holzhütte schläft der gebürtige Stettiner. Zwei Mal im Monat macht er sich mit seinem Uralt-Wagen auf in die Stadt, um seine Vorräte aufzustocken. Was verderblich ist, bewahrt er in einer Kunststoffwanne auf.

Harry Gropmann reichen 140 Euro im Monat, wie er selbst sagt. Eine Bekannte schickt ihm ab und an 50 Euro, wovon er Holzbriketts kauft, um heizen zu können. Denn das ist im Winter nötig - das musste der Aussteiger bereits am eigenen Leibe erfahren, als eines Nachts bei klirrender Kälte seine Tür einen Spalt offen stand und ihm die Fingerkuppen der rechten abstarben, weil sie unter der Decke hervor lugten.

Zurück in die Zivilisation zu gehen? Das plant Harry Gropmann dennoch nicht. "Wenn man so lange in der Wildnis lebt, kann man sich nicht mehr vorstellen, in der Großstadt zu leben." Verpflanzen könne ihn niemand mehr.

mes

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

Merja Schubert

Merja Schubert

E-Mail:merja.schubert@merkur.de

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