Bahlsen-Erpresser läuft ins Leere

Krümelmonster: Klinik will gar keine Kekse

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Bahlsen kündigte auf seiner Facebook-Seite an, 52.000 Packungen Leipniz Kekse an 52 soziale Einrichtungen zu spenden.

Hannover - Wer hat Bahlsens Keks geklaut? Ganz Deutschland rätselt und hegt heimliche Sympathien für den flauschigen Robin Hood. Aber was sagen die vermeintlich Begünstigten, das Tierheim und das Kinderkrankenhaus?

Dieses Foto des Krümelmonsters mit dem vermeintlichen Firmenwahrzeichen von Bahlsen, dem goldenen Keks, war dem Bekennerbrief beigefügt.

Wer hat Bahlsens Keks geklaut? Und wer steckt im Kostüm des lebensgroßen Krümelmonsters, das einen Erpresserbrief verschickte? Ganz Deutschland rätselt und hegt heimliche Sympathien für den flauschigen Robin Hood. Denn der will von der Firma mit Sitz in Hannover im Austausch gegen das Wahrzeichen nicht etwa Geld für sich, sondern Vollmilchschoko-Kekse für das Kinderkrankenhaus Auf der Bult sowie 1000 Euro für das Tierheim Langenhagen. Steckt hinter allem gar eine gut durchdachte PR-Aktion des Unternehmens? Letzteres wurde auf Anfrage entschieden verneint. Am Mittwoch machte Bahlsen ein Angebot.

Unternehmenschef Werner Michael Bahlsen

Die ganze Geschichte: Irgendwann Anfang Januar schraubte das selbsternannte Krümelmonster allein oder mit Unterstützung das Firmen-Wahrzeichen von Bahlsen ab – den 100 Jahre alten goldenen Keks. Das geht aber nicht mal eben so: Denn zum einen wiegt das im Kern bronzene Prunkstück etwa 20 Kilo und ist einen halben Meter hoch. Zum anderen baumelte es in luftiger Höhe von fünf Metern zwischen zwei bronzenen Männern. Der dreiste Dieb brauchte also wenigstens eine Leiter, wenn nicht sogar einen Hubwagen. Außerdem befindet sich der Stammsitz an einer belebten Straße mitten in der Innenstadt von Hannover . Rund 250 Verwaltungsmitarbeiter gehen hier ein und aus. Verkleidete sich das Krümelmonster zuerst als Handwerker, um den goldenen Keks unauffällig abzumontieren?

Erschwert wird die Arbeit der Polizei durch den Umstand, dass niemand genau weiß, wann die goldene Backware verschwand. Ein Bahlsen-Mitarbeiter gab etwa an, das Firmenwahrzeichen zuletzt drei Tage nach Neujahr bewusst wahrgenommen zu haben. Am Dienstag tauchte dann der Erpresserbrief des Krümelmonsters auf. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Eine Sprecherin gegenüber der Münchner tz: „Wir werten noch die Spuren aus. Wir wissen derzeit nicht einmal, ob es ein Täter war oder mehrere. Wir stehen noch völlig am Anfang.“

Keks-Spende? Nein, danke!

So nett gemeint die „Lösegeldforderung“ der Diebe auch ist – ganz unproblematisch sehen es die Begünstigten nicht. „Wir können darüber schmunzeln, das Geld könnten wir auch gut gebrauchen“, sagte ein Sprecher des Tierheims Langenhagen zur Münchner tz. „Es stammt aber aus einem Erpressungsversuch, von daher würden wir lieber darauf verzichten.“

Das Kinderkrankenhaus Auf der Bult

Ähnlich äußerte sich auch der Sprecher des Kinderkrankenhauses Auf der Bult, Björn-Oliver Bönsch zur tz: „Klar haben wir Stationen, die sich über Kekse freuen würden. Allerdings fordert der Erpresser ja Vollmilchkekse, die könnten wir den Kindern im Diabeteszentrum leider gar nicht anbieten.“ Ein gutes Wort für die Bestohlenen legte Bönsch auch ein. „Die Familie Bahlsen war unserem Haus schon immer sehr wohlgesonnen, ein Erpresserbrief ist da gar nicht nötig. Sie versorgen uns von Zeit zu Zeit auch so großzügig mit Keksen.“

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