Irrer Facebook-Schriftwechsel

Liebesdrama zwischen Bahn und Kundin

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Franzi macht per Facebook-Abschiedsbrief Schluss mit der Bahn

München - So witzig hat wohl noch niemand seinem Ärger über die Deutsche Bahn Luft gemacht: Auf Facebook schreibt eine Kundin einen "Abschiedsbrief" an das Unternehmen - und das reagiert prompt.

Wer tagein, tagaus mit der Bahn fährt, entwickelt oft so etwas wie eine Hassliebe zu dem Unternehmen. Wie in einer langjährigen Beziehung ist man aufeinander angewiesen, regt sich über die vielen Macken des anderen auf, hat sich aber im Prinzip mit ihnen abgefunden. Doch manchmal bringt ein einzelner Vorfall das Fass zum Überlaufen. So war es auch bei "Franzi Do". So nennt sich eine junge Frau auf Facebook. Sie hat - wie in einer echten Beziehung - per Abschiedsbrief auf dem sozialen Netzwerk Schluss gemacht. Und die Bahn antwortete überraschend humorvoll und selbstironisch. Hier der kuriose Schriftwechsel:

"Meine liebste Deutsche Bahn", schreibt Franzi, "seit vielen Jahren führen wir nun eine abenteuerliche Beziehung. Wir haben Tiefen überstanden, in denen du sehr eingehend und besitzergreifend warst und mich manchmal überraschend mehrere Stunden festgehalten hast, weil es dir nicht gut ging.

So begann das herzzerreißende Liebesdrama zwischen Franzi und der Deutschen Bahn

Ich verstehe ja, dass dich der Winter so überrascht hat. Für uns kam er auch so plötzlich. Ich bin da ja nicht nachtragend. Auch deine Ausreden im September, wo es laut deinen Aussagen auch schon gewisse Störungen wegen Glatteis gab, habe ich schmunzelnd hingenommen. Ich bin so gerührt, dass du so viel Zeit mit mir verbringen möchtest. Als ich dich um ein bisschen mehr Freiraum gebeten habe, hast du das toleriert und kamst einfach immer ein bisschen später. Pünktlichkeit ist nicht deine Stärke, das weiß ich ja. Auch darüber sehe ich meist noch hinweg.

Dass du mich jetzt aber bei klirrender Kälte fast 45 Minuten warten lässt ohne Bescheid zu sagen und dann gar nicht auftauchst, das geht nun wirklich zu weit. Stets war ich tolerant und finanzierte deine Späßchen jedes Jahr mit mehr meiner kostbaren Taler, damit unser Verhältnis nicht beschädigt wird. Ich finde es sehr schade, dass du unsere aufregende Beziehung so leichtfertig aufs Spiel setzt.

Es tut mir sehr leid, aber ich denke nun wirklich über eine endgültige Trennung nach. Ich brauche jemanden an meiner Seite der zuverlässig ist, nicht nur mein Geld will und auch bereit ist auf meine Bedürfnisse einzugehen. Und ich habe so jemanden kennengelernt. Er nennt sich Opel und ist immer für mich da. Leider werdet ihr euch nicht kennen lernen. Adieu."

Und so antwortete die Bahn:

"Hallo meine liebste Franzi Do, es tut mir so leid.

Ich weiß, dass ich in der Vergangenheit viele Fehler gemacht habe und nicht immer pünktlich bei unseren Treffen war. Dafür möchte ich mich in aller Form bei Dir entschuldigen. Ich habe die Zeit mir Dir sehr genossen. Manchmal wollte ich, dass sie kein Ende hat. Dass ich manchmal anhänglich bin, weiß ich. Es fällt mir schwer loszulassen. Dass ich Dich mit dieser Zuneigung erdrückt habe, ist unentschuldbar und mein größtes Laster. Dass wir heute einen Termin hatten, habe ich total vergessen. Wo und wann waren wir verabredet? Ich schaue dann gerne einmal in meinem Terminkalender nach.

Ich kann verstehen, dass Du dich nach etwas anderem umgesehen hast. Eine Frau wie Du, bleibt natürlich nicht lange alleine, das weiß ich. Vielleicht gibst Du mir aber noch einmal die Möglichkeit, Dir zu zeigen, wie viel Du mir bedeutest. Ich werde bei unseren nächsten Treffen auch versuchen pünktlich zu sein oder bescheid zu sagen, falls ich mich verspäte.

Ich werde Dich vermissen."

Aber so schnell wollte Franzi der Bahn keine zweite Chance einräumen: "Ich würde dir so gerne glauben, doch die jahrelangen Enttäuschungen sitzen sehr tief... ich weiß nicht, ob ich jemals wieder Vertrauen zu dir haben kann.."

Die Bahn zeigte sich einfühlend und reumütig: "Warum hast Du die ganzen Enttäuschungen in Dich reingefressen und noch nichts gesagt? Ich wusste nicht, dass es so schlimm um uns steht. Ich hätte gerne früher reagiert und versucht, unsere Beziehung zu retten bzw. dich davon zu überzeugen, dass ich auch anders kann und der richtige Begleiter an Deiner Seite bin. Ich fühle mich so schuldig. Ich hoffe, Du kannst Dich auch an die schönen Seiten unserer jahrelangen Beziehung erinnern?"

Viele User rührte diese Love-Story bereits zu Tränen, wie sie schrieben. Sie hofften auf ein Happy End: "Ihr schreibt sooo süß. Versucht es doch einfach nochmal!", schlug einer hoffnungsfroh vor.

Franzi ließ die Besserungsschwüre der Bahn auch nicht kalt. Sie bat sich Bedenkzeit aus. Doch dann schaltete sich plötzlich jemand ein, mit dem niemand gerechnet hatte: der Rivale des Bahn-Nebenbuhlers Opel, Renault:

"Liebe Franzi Do,

diese Zeilen zu schreiben fällt mir alles andere als leicht. Wie lange habe dich davon geträumt, mit Dir zusammen durch den kalten Winter zu schreiten. Mit Dir gemeinsam deine Lieblingslieder im Radio zu hören und auf Reise durch ganz Europa zu gehen. Natürlich wusste ich von deiner Beziehung zur Deutschen Bahn. Doch ich habe immer gehofft, dass Du mich in der Zeitung oder im Fernsehen siehst. Dass Du nun mit diesem Opel gehst, macht mich natürlich sehr traurig.

Trotzdem wünsche ich euch beiden alles Gute für die Zukunft. @Deutsche Bahn Wenn Du jemanden zum Reden brauchst, meine Facebook-Seite ist immer offen für dich.

Dein Renault"

User warnten sofort: "Vorsicht Franzi Do!! Der Renault will nur dein Geld und macht falsche Versprechungen. Am Ende lässt er dich im Stau stehen. Außerdem ist der ein totaler Schlucki und komplett abhängig von dem schwarzen Stoff. Manchmal stromert er nächtelang allein durch die Gegend und das kostet dann ganz viel Kohle und oftmals sogar Atom."

Wie die spannende Love-Story weitergeht, ...

... die innerhalb von wenigen Tagen tausendfach auf dem sozialen Netzwerk und in vielen Internet-Foren geteilt wurde, lesen Sie hier.

hn

Haakon Nogge

Haakon Nogge

E-Mail:haakon.nogge@merkur.de

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