In USA vor Gericht

Bengasi-Verdächtiger beteuert Unschuld

Bengasi - Der mutmaßliche Drahtzieher Attacke auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi steht in den USA vor Gericht. Er plädiert auf unschuldig. Doch nach Guantanamo muss er vorerst nicht.

Zwei Jahre nach dem tödlichen Anschlag auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi wird dem mutmaßlichen Drahtzieher der Prozess gemacht. Der Libyer Ahmed Abu Chattalah ist am Samstag in einem Bundesgericht der US-Hauptstadt Washington einem Haftrichter vorgeführt worden. Er war ohne Wissen der libyschen Regierung in Libyen bei einem US-Kommandounternehmen ergriffen worden.

Der 43-Jährige wird des Mordes, Terrorismus und illegalen Waffenbesitzes angeklagt. Dafür könnte er die Todesstrafe bekommen. Chattalah, der der Verlesung der Anklage ohne Hand- oder Fußfesseln ruhig folgte, plädierte auf unschuldig.

Ein US-Kommando hatte Chattalah vor zwei Wochen in einer Strandvilla nahe Bengasi gefasst. Er soll nach Informationen der Ermittler direkt in den Anschlag auf die amerikanische Vertretung verwickelt sein, bei dem am 11. September 2012 der US-Botschafter Christopher Stevens und drei weitere Diplomaten getötet worden waren.

Stundenlange Verhöre durch FBI beim Transport

„Nun, da Ahmed Abu Chatallah in den USA ist, wird er mit dem ganzen Ausmaß unseres Justizsystems konfrontiert“, erklärte Justizminister Eric Holder. „Wir werden alle Zweifel ausräumen und beweisen, welche Rolle der Angeklagte bei den Attacken gespielt hat, die vier mutige Amerikaner in Bengasi getötet haben.“

Von einem bedeutenden Schritt bei der Aufklärung des Anschlags sprach auch der Direktor der US-Bundespolizei, James Comey. „Unsere Arbeit ist trotzdem noch nicht getan“, sagte er. „Dieser Fall bleibt eine unserer Top-Prioritäten.“

Der Gründer und Anführer der libyschen Islamistenmiliz Ansar al-Scharia hatte in den vergangenen Monaten zahlreiche Interviews gegeben. Während eines Gesprächs mit der „New York Times“ in einem Luxushotel hatte er über die Drohungen der Amerikaner gehöhnt. Stets bestritt er seine Beteiligung an dem Attentat.

Nach seiner Ergreifung war er auf ein US-Kriegsschiff gebracht worden. Vor seiner Rechtsbelehrung im hochgesicherten Washingtoner Gerichtssaal soll Chattalah auf dem Schiff stundenlang von Ermittlern der US-Bundespolizei FBI verhört worden sein. Nach dem amerikanischen Recht ist das im Fall von Terrorverdächtigen erlaubt.

Chattalah muss nicht nach Guantanamo

Der Vorgang führte nicht nur in Libyen, das seine Auslieferung verlangt, zu Protesten. US-Republikaner kritisierten, dass der Zugriff zu einem Zeitpunkt erfolgte, an dem über eine mögliche Präsidentschaftskandidatur von Barack Obamas Parteikollegin und ehemaliger Außenministerin Hillary Clinton spekuliert wird. Die erste Festnahme im Zusammenhang mit den Bengasi-Attentat ist für den US-Präsidenten ein Erfolg - zumal er und Clinton wegen des damaligen Krisenmanagements schwer in die Kritik geraten waren.

Clinton wird vorgeworfen, die Gefahr seinerzeit nicht rechtzeitig erkannt und nicht genug zum Schutz der Diplomaten getan zu haben. Die Republikaner haben bereits angekündigt, Bengasi zum Wahlkampfthema zu machen, sollte die Ex-Außenministerin tatsächlich antreten.

Obwohl Chattalah ein hochrangiger Terrorverdächtiger ist, lehnte Obamas Regierung Forderungen der Konservativen ab, ihn im Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba zu inhaftieren. Die Regierung hielt damit an ihrem Wort fest, keinen weiteren Häftling in das zur Schließung bestimmte Lager zu bringen.

Es war die erste Anklageverlesung gegen einen mutmaßlichen Top-Terroristen in Washington. Der Gerichtstermin fand keine zwei Kilometer vom Weißen Haus und Außenministerium entfernt statt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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