Täter auf der Flucht

"Alle weglaufen": Maskierte überfallen KaDeWe

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Polizeiwagen stehen am 20.12.2014 in Berlin vor dem Kaufhaus KaDeWe.

Berlin - Sie brachen nicht heimlich in der Nacht ein, sondern kamen mitten am Tag. Und so schnell wie sie auftauchten, verschwanden sie wieder. Maskierte hatten es auf teuren Schmuck aus dem KaDeWe abgesehen.

Giuliano und Eva haben nichts vom Coup im KaDeWe, dem Kaufhaus des Westens, bemerkt - gar nichts. Die jungen Touristen aus Düsseldorf waren in Deutschlands bekanntestem Kaufhaus shoppen, als dort maskierte Räuber einen Wachmann mit Reizgas besprühten, blitzschnell Vitrinen mit teurem Schmuck einschlugen. Fest steht laut Polizei: „Es wurde Beute gemacht.“ Wie viel und was die Räuber mitnahmen, blieb aber zunächst unklar.

Laut Feuerwehr versorgte der Rettungsdienst elf Menschen am KaDeWe (Kaufhaus des Westens), darunter ein kleines Kind. Sie sollen Reizgas eingeatmet haben.

Vier Tage vor Heiligabend, mitten im Weihnachts-Getümmel, wurde das Erdgeschoss des Nobel-Kaufhauses am Samstagvormittag zum Tatort. Zeugen gibt es viele - dennoch fehlte nach dem Überfall von den wohl vier Räubern jede Spur. Sie rauschten in einem dunklen Wagen davon - Richtung stadtauswärts, wie ein Polizist sagte.

Die Prospektverteilerin Rosa (32) hatte sich über das Auto mit der offenen Fahrertür in der Seitenstraße direkt neben dem KaDeWe gewundert. „Dann schrie jemand: „Alle weglaufen“, berichtet sie kurz nach dem Überfall. Ein Security-Mitarbeiter habe die Passanten gewarnt. Auch sie habe sich dann in Sicherheit gebracht - und konnte nicht beobachten, wer zu dem Wagen zurückkam.

Die Täter - ersten Erkenntnissen zufolge waren es wohl vier Männer - gelangten über einen Seiteneingang in Deutschlands berühmtestes Kaufhaus. Der Überfall geschah etwa eine Stunde nach Öffnung des Hauses in der Nähe des Kurfürstendamms. An Wochenenden und speziell kurz vor Weihnachten ist es besonders gut besucht.

Zunächst hatten Medien berichtet, es sei auch ein Schuss gefallen. „Ich weiß nichts von Waffen“, sagte eine Polizeisprecherin dazu. Zur Frage, womit die Vitrinen eingeschlagen wurden, gebe es unterschiedliche Zeugen-Aussagen.

„Die Räuber trauen sich ja was, dass sie hier an so einer Adresse wie dem KaDeWe so was machen“, meint Brita Wiallowous. Die 52-Jährige wohnt gleich ums Eck und lief kurz nach der Tat zufällig an dem bekannten Luxus-Kaufhaus in Kudamm-Nähe vorbei. Sie sagt dennoch: „Eigentlich fühle ich mich sicher in Berlin.“

Und während die Polizei nach dem spektakulären Überfall vor dem traditionsreichen Warenhaus noch Zeugen in Mannschaftswagen befragt, geht im Konsumtempel das Geschäft schon wieder ganz normal weiter. Einheimische und Touristen drängen und schieben sich auf der Suche nach Delikatessen, Weihnachtsgeschenken oder einem neuen Mantel durch die Glitzerwelt.

„So ein professionelles Kaufhaus wie das KaDeWe kann natürlich mit solchen Extremsituationen umgehen. Es geht danach schnell wieder ans Netz“, sagt der Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg (HBB), Nils Busch-Petersen.

Beim bisher bekanntesten KaDeWe-Coup - im Januar 2009 - waren die Täter außerhalb der Öffnungszeiten eingedrungen. Sie brachen nachts ein und stahlen Uhren und Schmuck im Millionenwert. Festgenommene tatverdächtige Zwillinge wurden danach wieder freigelassen, weil eine DNA-Spur keinem der Männer eindeutig zugeordnet werden konnte. Zuletzt waren Anfang August Unbekannte an einem Sonntagmorgen in das KaDeWe eingebrochen und hatten teure Uhren gestohlen.

Der Überfall am Samstag ereignete sich genau ein Vierteljahr nach dem Raubüberfall auf einen Geldboten vor einem nahe gelegenen Apple-Geschäft. Auch in diesem Fall hatten sich die Täter den Samstags-Geschäftstrubel zunutze gemacht.

Überfall auf KaDeWe in Berlin: Bilder

Überfall auf KaDeWe in Berlin: Bilder

dpa

Das Kaufhaus des Westens KaDeWe

Das KaDeWe (Kaufhaus des Westens) in Berlin wurde 1907 eröffnet. Täglich kommen mehr als 180 000 Kunden aus der ganzen Welt. Mehr als 60 000 Quadratmeter Verkaufsfläche stehen bereit. Das Haus direkt am Wittenbergplatz an der Tauentzienstraße, unweit vom Kurfürstendamm (Kudamm), ist Konsumtempel, aber auch beliebte Touristenattraktion. Anziehungspunkt ist vor allem die Gourmet-Abteilung in der 6. Etage.

1905 beauftragte Kommerzienrat Adolf Jandorf den Architekten Johann Emil Schaudt mit dem Bau. Das Warenhaus öffnete dann zwei Jahre später die Tore.

In der Nazi-Zeit wurden die jüdischen Eigentümer, die Kaufmannsfamilie Hermann Tietz, zum Verkauf gezwungen. Im Zweiten Weltkrieg brannte das Haus nach dem Absturz eines amerikanischen Flugzeugs aus. 1950 wurden die ersten beiden Etagen wiedereröffnet.

2010 hatte US-Investor Nicolas Berggruen die Karstadt Warenhaus GmbH mit dem KaDeWe übernommen. 2012 gingen die Immobilien an die Signa-Holding des österreichischen Immobilieninvestors René Benko. 2013 erwarb er dann die Mehrheit an den lukrativsten Teilen von Karstadt - den Sporthäusern und den Luxus-Häusern mit dem KaDeWe.

dpa

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