Mitarbeiter melden sich zu Wort

Burger King: Skandal weitet sich aus

München - Die massiven Missstände in den Burger-King-Filialen eines Franchise-Unternehmers sind wohl kein Einzelfall. Weitere Mitarbeiter der Fastood-Kette berichten von ähnlich schlimmen Verhältnissen.   

Zusammen mit dem Enthüllungs-Journalisten Günter Wallraff hatte RTL die Missstände in rund 90 Filialen von Burger King aufgedeckt. Allein in München sind nach Angaben des Senders 11 von 16 Burger-King-Filialen betroffen. Das TV-Team fand heraus, dass die Mitarbeiter des Franchise-Unternehmers Ergün Yildiz methodisch gegen die Richtlinien der Lebensmittelverordnung verstießen: So etikettierten sie etwa abgelaufene Lebensmittel um, in denen sich dann Keime entwickelten. Sogar Darmbakterien fanden Forscher im Essen. Darüber hinaus kamen inakzeptable Arbeitsbedingungen ans Licht.

Jetzt haben sich ehemalige Burger-King-Mitarbeiter des Göttinger System-Gastronomen Bernd Leinemann an den "Spiegel" gewandt. In ihren Aussagen werden die Schattenseiten des Geschäftsmodells deutlich, das auch Konkurrent McDonald's vertritt. 

Mitarbeiter von Burger King berichtet von 16-Stunden-Tagen

"16-Stunden-Tage waren eher die Regel als die Ausnahme", erzählt ein ehemaliger Burger-King-Filialleiter. Um die vorgegebenen Ziele zu erreichen, habe ein enormer Leistungsdruck geherrscht, der in keinem Verhältnis zu den 1800 Euro brutto auf der Gehaltsabrechnung stand.

In täglichen Berichten habe er haarklein nicht nur über den Tagesumsatz und die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden Rechenschaft ablegen müssen, sondern auch über die Anzahl der verkauften Burger-King-Angebote sowie die eingekauften sowie der weggeworfenen Zutaten. Das wurde mit den Daten aus dem Vormonat verglichen und die Differenz zum Monatsziel errechnet. Bei Abweichungen wurde nachgefragt, bei der dritten Nachfrage "gab's Ärger", so der 25-Jährige.

Burger-King-Mitarbeiterin: Fritteusen-Fett erst nach zehn Tagen gewechselt

An den Drive-In-Schaltern der Burger-King-Filialen habe man sich gezwungen gesehen, fertig gebratene Gerichte nicht wie vorgeschrieben nach zehn Minuten wegzuwerfen. Stattdessen wurden Burger, Fritten und Co. entweder umetikettiert oder teilweise eine Stunde lang liegengelassen, bis sie verkauft werden konnten.

Eine Burger-King-Kollegin berichtet von gefälschten Stundenabrechnungen, um die Zahl der Überstunden zu begrenzen. "Wer sich dagegen wehrte, dem wurden Schichten zugeteilt, die besonders unbeliebt waren", so die Frau, die anonym bleiben wollte. Die Hygienevorschriften seien "großzügig ausgelegt worden": Anstatt nach zwei Tagen wechselte sie etwa das Fritteusen-Fett nur alle zehn Tage. Dafür warf ihr dann die Geschäftsleitung Verschwendung vor.

Auf Nachfrage des Magazins wies System-Gastronom Leinemann die Vorwürfe zurück.

Zwei Burger-King-Filialen geschlossen

Doch mittlerweile hat die Fastfoodkette reagiert und zwei Restaurants vorübergehend geschlossen. Seit Freitag seien Teams für Lebensmittelsicherheit und Restaurantmanagement bei Sonderinspektionen im Einsatz, teilte Burger King in München mit. Die beiden geschlossenen Läden des betroffenen Franchisenehmers würden erst wieder geöffnet, wenn die Missstände behoben sind.

hn mit Material von dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Haakon Nogge

Haakon Nogge

E-Mail:haakon.nogge@merkur.de

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