Größte Militäroperation aller Zeiten

D-Day: Gedenken an das Ende Hitler-Deutschlands

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Soldaten verlassen am 6. Juni 1944, dem sogenannten D-Day, ein Landungsschiff vor der Küste der Normandie in Richtung Festland.

Ouistreham - In den Morgenstunden des 6. Juni 1944 landeten 150.000 Soldaten der Alliierten in der Normandie. Es war der Anfang vom Ende des Dritten Reiches. Heute jährt sich der D-Day - die größte Militäroperation aller Zeiten - zum 70. Mal.

In der Nacht zum 6. Juni 1944 fand in der Normandie an der Küste Frankreichs die größte Militäroperation der Weltgeschichte statt: der D-Day. 156.000 Soldaten aus den USA, Großbritannien und Kanada zogen in die Schlacht, um Europa vom Hitler-Deutschland zu befreien. Tausende Soldaten und Zivilisten ließen ihr Leben. 2014 jährt sich der D-Day zum 70. Mal. Anlässlich dieses besonderen Jubiläums sind zahlreiche Staatsoberhäupter und Regierungschefs aus aller Welt in Frankreich zu Gast. Außerdem werden hunderttausende Zuschauer zu den zahlreichen Gedenkzeremonien, Paraden und Ausstellungen erwartet. Der 70. Jahrestag ist auch deshalb etwas Außergewöhnliches, weil beim nächsten runden Jubiläum kaum noch Weltkriegs-Veteranen am Leben sein werden.

Ein US-Landungsboot kurz vor Erreichen der Küste der Normandie am sogenannten D-Day im Jahr 1944.

"Als der Tag anbrach, sah man vor lauter Schiffen das Meer nicht mehr, und der Himmel war bedeckt mit Flugzeugen", erinnert sich der kanadische Veteran Roméo Boulanger. Tausende Schiffe, Flugzeuge und Soldaten landeten am 6. Juni 1944 an der Küste der Normandie zwischen Sainte-Mère-Église im Westen und Ouistreham. Insgesamt waren an der Operation Neptun 156.000 Soldaten, 7000 Schiffe und 11.500 Flugzeuge beteiligt. Der Ablauf des D-Day war von den Alliierten seit 1943 minutiös geplant worden. Diese Operation war der Anfang vom Ende des Dritten Reiches sowie der Beginn des amerikanischen Engagements in Europa.

D-Day: Wetterchaos - Landung um einen Tag verschoben

Chronologie der wichtigsten Ereignisse des 2. Weltkriegs:

  • 1. September 1939:

    Nach einem inszenierten Zwischenfall greift Deutschland Polen an. Der Zweite Weltkrieg hat begonnen.

  • 10. Mai 1940 - Die deutsche Westoffensive beginnt mit dem Einmarsch in die Niederlande, Belgien und Luxemburg.

  • 15.-17. Juni 1940 - Die Rote Armee besetzt Estland, Lettland und Litauen.

  • 13. August 1940 - Die deutsche Luftwaffe beginnt Großangriffe gegen die britischen Inseln.

  • 22. Juni 1941 - Die deutsche Wehrmacht greift die Sowjetunion an.

  • 7. Dezember 1941 - Japan bombardiert den US-Stützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii.

  • 13. Mai 1943 kapitulieren die Deutschen in Afrika.

  • Sommer 1943 - Die Rote Armee drängt die Wehrmacht nun zurück.

  • 6. Juni 1944 - In der Normandie landen die Alliierten und eröffnen die Westfront.

  • 16. April 1945 - Sowjetische Truppen beginnen den Sturm auf Berlin.

  • 7. Mai 1945 - Im französischen Reims unterzeichnet Generaloberst Alfred Jodl die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht. Zwei Tage später wird der Akt im sowjetischen Hauptquartier in Berlin wiederholt. Endgültig endet der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation Japans am 2. September.

Beinahe hätte das Wetter den Alliierten einen Strich durch die Rechnung gemacht. US-Präsident Dwight David Eisenhower musste die Landung der Truppen in letzter Minute aufgrund von Unwettern um einen Tag verschieben. Eine riskante Entscheidung. Deutsche Aufklärungsflugzeuge hätten die vor der Küste lauernden Schiffe entdeckten können. Doch die Alliierten hatten Glück: Sie blieben unentdeckt und das Wetter besserte sich im entscheidenden Moment. In den früheren Morgenstunden des 6. Juni gab Eisenhower, in seiner Funktion als oberster Befehlshaber der alliierten Truppen, dann mit seinem berühmten "Ok, let's go" grünes Licht für den Start der Operation Neptun. 
Von der Luft aus attackierten die Alliierten deutsche Stellungen mit  tausenden Bomben. Mehr als 130.000 Soldaten aus den USA, Kanada und Großbritannien landeten an fünf Stränden, die sie Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword nannten. 23.000 weitere Soldaten sprangen mit Fallschirmen über der Region ab. Die Gegenwehr der Deutschen fiel heftig aus. Die Schlacht um die Normandie dauerte deshalb 100 Tage. Insgesamt landeten rund 1,5 Millionen Soldaten in Frankreich, über 200.000 von ihnen ließen dort ihr Leben. Am Ende gelang die Operation und trug maßgeblich zur Niederlage von Nazi-Deutschland bei.

In der Küstengemeinde Ouistreham im ehemaligen Landungsabschnitt "Sword" werden am Freitag, 6. Juni, 19 Staats- und Regierungschefs zusammenkommen, um des 70. Jahrestags des D-Day zu gedenken. Erwartet werden neben US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Königin Elizabeth II. auch der russische Staatschef Wladimir Putin - und der neugewählte ukrainische Präsident Petro Poroschenko. Das feierliche Zusammenkommen der Politiker bekommt angesichts der Ukraine-Krise eine ganz besondere Brisanz.

Putin-Besuch verspricht Brisanz

Merkel und Putin wollen am Rande der Gedenkveranstaltungen in der Normandie über die Lage in der Ukraine beraten. Das hätten beide am Dienstag in einem Telefonat über die Entwicklung in dem Land vereinbart, teilte eine Regierungssprecherin in Berlin mit. Bei den Gesprächen gehe es besonders um Maßnahmen, die zur Stabilisierung der Situation in der Ukraine beitragen könnten. Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow hatte in Moskau mitgeteilt, das Treffen solle noch vor den offiziellen Feiern zum 70. Jahrestag des D-Day stattfinden. Die Kanzlerin hatte zunächst einen "kurzen Austausch" mit Putin in Frankreich in Aussicht gestellt.

Bereits am Vorabend der D-Day-Feierlichkeiten will Hollande im Elysée-Palast Putin zu einem Abendessen empfangen, wie der Kreml am Mittwoch mitteilte. Bei dem "informellen Treffen" werde es um verschiedene internationale Themen gehen, insbesondere auch die Ukraine-Krise. Ebenfalls am 5. Juni trifft Hollande in Paris US-Präsident Obama, wie aus dem Umfeld des französischen Staatschefs verlautete. Bilaterale Gespräche sind bisher von keiner Seite angekündigt. Die veranstaltenden Franzosen weisen auch darauf hin, etwa im Château de Bénouville sei auch kaum Platz dafür. Dort empfängt Hollande die wichtigsten Gäste zum Lunch.

D-Day: Gedenkfeier mit 900 Veteranen

Zeitplan zu den Feierlichkeiten am D-Day:

  • 14 Uhr: Absprung von rund 100 Fallschirmspringern aus DC-3/C47-Flieger nach Überflug Utah Beach.
  • 15.30 Uhr: Einweihung Denkmal mit Soldaten aus den USA, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland.
  • 18 Uhr: Zeremonie am Monument mit Veteranen aus den USA, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland.

Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten zum D-Day sollen die Veteranen stehen. Rund 900 von ihnen wurden nach Ouistreham eingeladen, wo vor 70 Jahren auch ein kleines Kontingent französischer Soldaten mit den Alliierten anlandete. Neben zahlreichen Gedenkzeremonien und Feiern mit Veteranen aller beteiligten Nationen gibt es während der ganzen Woche um den D-Day auch viele publikumswirksame Veranstaltungen. Neben Konzerten und Paraden werden Fallschirmspringer in Teilen der Normandie landen sowie Amphibienfahrzeuge und historische Panzer über Strände rollen. Für die Nacht zum D-Day haben die Organisatoren ein besonderes Spektakel geplant: Dann sollen Feuerwerke am gesamten Küstenabschnitt auf 80 Kilometern die 24 wichtigsten Punkte der Landung illuminieren.

2004: Gerhard Schröder erster deutscher Regierungschef bei D-Day-Jubiläum

Gerhard Schröder 2004 beim 60-jährigen Jubiläum des D-Day in der Normandie.

Die Anwesenheit eines hochrangigen deutschen Vertreters war bei den Feierlichkeiten zum D-Day über Jahrzehnte tabu. Der damalige SPD-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) war 2004 beim 60. Jahrestag der Landung der erste Regierungschef, der Nachkriegsdeutschland in der Normandie vertrat. Schröders Auftritt war damals im Vorfeld vor allem von (britischen) Veteranenverbänden stark kritisiert worden. Letztlich war sein Besuch bei den Feierlichkeiten zum D-Day genau das Gegenteil: eine lange erhofftes Symbol für den Frieden und ein Schlussstrich unter eine jahrelange Diskussion. Schröders Vorgänger Helmut Kohl (CDU) hatte zehn Jahre zuvor nämlich eine Teilnahme am 50. Jahrestag abgelehnt. In seiner Rede vor tausenden Veteranen gestand der Altkanzler die deutsche Kriegs-Verantwortung ein und warb für den Zusammenhalt im Kampf gegen Krieg und Terrorismus. Außerdem legte Schröder auf dem britischen Soldatenfriedhof Ranville zwei Gedenk-Kränze nieder. Zehn Jahre später nimmt nun Kanzlerin Merkel teil.

am/dpa/AFP

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