Dachau: Gedenkfeier zur KZ-Befreiung

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Der Auschwitz-Überlebende und Vorsitzende der Lagergemeinschaft Dachau, Max Mannheimer, bei seinem 90. Geburtstag im Dezember vergangenen Jahres.

Dachau - Politiker und Überlebende haben am Sonntag an die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau vor 65 Jahren erinnert und der Opfer der Nationalsozialisten gedacht.

In der KZ-Gedenkstätte mahnten sie, die Gräueltaten der Nazis dürften nicht in Vergessenheit geraten. “Die Befreiung liegt für uns nicht in der Verdrängung, sondern in der Erinnerung“, sagte der Vorsitzende der Lagergemeinschaft Dachau, Max Mannheimer in seiner Rede vor dem ehemaligen Krematorium des Lagers. Das sei vor allem wichtig, weil es in wenigen Jahren “keinen einzigen Überlebenden Dachaus mehr geben“ werde. “Das Vermächtnis der ehemaligen Häftlinge und die Hoffnung, dieses düstere Kapitel der zwölfjährigen Diktatur stets in Erinnerung behalten, kann eine Wiederholung der Diktatur in Deutschland möglicherweise verhindern.“

Hass und Gewalt seien “heute noch unter uns“, betonte Mannheimer. “Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen.“ Zehntausende politische Gegner der Nazis, Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma wurden in Dachau umgebracht. “Das Unerklärliche bleibt unerklärlich. Das Unglaubliche ist einfach nicht zu glauben“, sagte Mannheimer. “Das Vermächtnis für die kommenden Generationen kann nur lauten: das Andenken an die aufrecht zu erhalten und für eine demokratische und menschengerechte Welt sich einzusetzen."

Bundespräsident Horst Köhler sagte: “Wir begreifen unsere Geschichte als Mahnung, und wir haben aus ihr gelernt“. Es sei sehr froh, dass es in Deutschland eine “lebendige Kultur der Erinnerung“ gebe. Ausdrücklich dankte Köhler dem Vorsitzenden der Lagergemeinschaft Dachau, Max Mannheimer, und anderen Überlebenden für ihre Ausklärungsarbeit. “Sie schenken mir und anderen Mut und Zuversicht, dass wir doch als Menschen in der Lage sind, uns zu versöhnen.“ Köhler ist der erste amtierende Bundespräsident, der die Gedenkstätte besuchte.

Dachauer KZ war "Schule der Gewalt"

Dachau war das erste große KZ der Nazis und wurde zum Modell für die vielen später errichteten Konzentrationslager. Schon am 22. März 1933 - wenige Wochen, nachdem Adolf Hitler an die Macht gekommen war - wurden die ersten Gefangenen dort eingesperrt, wenig später die ersten ermordet. Am 29. April 1945, neun Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde das bayerische Lager als eines der letzten KZ von US-Soldaten befreit.

Im Dachauer KZ und seinen Außenlagern waren in den zwölf Jahren von 1933 bis 1945 mehr als 200 000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert. Die arbeitsfähigen Häftlinge wurden im Straßenbau oder in Kiesgruben als Arbeitssklaven eingesetzt, nach Kriegsbeginn vor allem in der Rüstungsindustrie - so in einem BMW-Werk zur Herstellung von Flugzeugmotoren in München-Allach. Als das Lager befreit wurde, befanden sich mehr als 30 000 Häftlinge aus 31 Nationen in den völlig überfüllten Baracken.

Wie viele Opfer genau es in Dachau gab, ist unklar. Lagerunterlagen listen etwa 32 000 Tote auf. Historiker gehen aber davon aus, dass mehr als 43 000 Häftlinge ermordet worden. Als Ausbildungsstätte für die Nazi-Schergen war Dachau eine “Schule der Gewalt“. Der berüchtigte Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß begann seine Karriere in dem Lager.

dpa

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