Für den Unterricht zum Dieb geworden?

Deutscher Lehrer stiehlt Auschwitz-Fundstücke

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Das ehemalige deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Oswiecim - Er hatte vielleicht gute Absichten. Doch nach dem Griff zu Fundstücken aus Auschwitz muss sich ein deutscher Lehrer jetzt wegen Diebstahls verantworten.

Ein 47 Jahre alter Deutscher ist bei einem Besuch des ehemaligen deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau festgenommen worden. Er habe Gegenstände eingesteckt, die vermutlich ermordeten Häftlingen gehörten, teilte ein Museumssprecher am Mittwoch mit. Der Mann war am Dienstagabend auf dem Gelände von Birkenau vom Sicherheitsdienst der Gedenkstätte festgehalten worden, als er in der Nähe der Magazinbaracke unter anderem eine Gabel, Tonscherben und Reste eines Messers in seine Tasche steckte.

Die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtete unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft in Oswiecim, der Mann sei ein Lehrer und müsse sich wegen Diebstahls verantworten. Der 47-jährige habe den Diebstahl der Fundstücke zugegeben und damit begründet, dass er die Gegenstände seinen Schülern zeigen wollte, die an einem Schulprojekt über den Holocaust arbeiteten. Er habe angeboten, eine Geldstrafe zu bezahlen. Mit dem juristischen Nachspiel des Falls wird sich jetzt das Bezirksgericht Krakau befassen.

Die Magazinbaracke, die im Häftlingsjargon „Kanada“ genannt wurde, enthielt die Besitztümer der Insassen. Im Umkreis werden immer wieder Gegenstände gefunden, sagte Museumssprecher Bartosz Bartyzel. Museumsmitarbeiter sammelten die Fundstücke dann ein. Systematische Ausgrabungen gibt es dagegen nicht, da das Lagergelände wie ein Friedhof der mehr als eine Million ermordeten meist jüdischen Häftlinge behandelt wird. Die Totenruhe darf nach jüdischem Religionsgesetz nicht durch Grabungen gestört werden.

In den vergangenen Jahren kam es auf dem Gelände des größten deutschen Vernichtungslagers wiederholt zu Diebstählen. Selbst der Stacheldrahtzaun rund ums Lager ist nicht vor Touristen sicher, die ein Andenken mit nach Hause nehmen wollen. Am spektakulärsten war der Diebstahl des schmiedeeisernen Schriftzugs „Arbeit macht frei“ am Lagertor von Auschwitz im Jahr 2009 - er ist inzwischen wieder da.

dpa

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