Lebenslange Haft

Doppelmord auf Pferdehof: Täter verurteilt

Kiel - Rund ein Jahr nach dem Mord an zwei Frauen auf einem Pferdehof in Schleswig-Holstein hat das Kieler Landgericht den Angeklagten schuldig gesprochen. Die Verteidigung will Berufung einlegen.

 Nach dem Spruch in dem Indizienprozess soll der Automechaniker lebenslang hinter Gitter - ohne Chance auf eine frühe Haftprüfung. Hintergrund des Gewaltverbrechens war demnach, dass der Mann 7900 Euro von einer der beiden Frauen für einen Transporter erhielt, diesen aber nie lieferte und das Geld nicht zurückzahlte.

Der hoch verschuldete Angeklagte tötete nach Ansicht des Kieler Landgerichts die 57-jährige Hofbesitzerin und deren 83 Jahre alte Mutter zur Verdeckung einer Straftat und heimtückisch. Neben dem zweifachen Mord wurde er wegen Brandstiftung verurteilt. Die Verteidigung, die auf Freispruch mangels Beweisen plädiert hatte, will nach eigenen Angaben in Revision gehen.

Mit dem Urteil folgte das Schwurgericht weitgehend den Strafanträgen von Staatsanwalt und Nebenklage. Sie hatten auf lebenslange Haft sowie eine besondere Schwere der Schuld plädiert. Diese sah das Gericht als gegeben an. Damit wäre, wenn das Urteil Bestand hat, eine frühe Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen. Der Angeklagte schwieg im Prozess. Zuvor hatte er die Tat bestritten.

Die 57-Jährige hatte nach Auffassung des Gerichts am 18. November 2014 die 7900 Euro zurückverlangt, nachdem der Automechaniker zuvor immer neue Ausflüchte geliefert hatte. Am Tattag soll der Frau die Geduld gerissen sein, wie die Beweisaufnahme ergab.

Der Täter ging nach Überzeugung des Gerichts kaltblütig und hinterhältig vor: Er schoss zunächst der Hofbesitzerin im Pferdestall in den Rücken, dann feuerte er auf die am Boden liegende Frau. Auch die hinzueilende Mutter brachte er brutal um. Beide Leichen überschüttete er mit Stroh und Benzin und setzte sie in Brand. Ein Autofahrer bemerkte wenig später Rauch und Flammen und alarmierte die Feuerwehr.

Der 29-Jährige räumte noch in der Tatnacht ein, auf dem Hof gewesen zu sein - angeblich, um einen Pferdeanhänger zu reparieren. Die Frauen hätten noch gelebt, als er gefahren sei. Das glaubte ihm das Gericht ebenso wenig wie die Alibis zweier Kumpel des Angeklagten. Sie seien mit dem Angeklagten zur Tatzeit in dessen Werkstatt gewesen, hatten sie erklärt. Doch dieser habe das bei früheren Aussagen nie erwähnt, rügte das Gericht.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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