Nach Giftspritzen-Drama

Drei Hinrichtungen in den USA in 24 Stunden

Atlanta - Es war ein grausamer Todeskampf, den ein Mörder im April nach einer Giftspritze erst nach 43 Minuten verlor. Jetzt wurden in den USA wieder zwei Menschen hingerichtet - ein dritter wartet ebenfalls auf die Spitze.

Anderthalb Monate nach dem qualvollen Tod eines Häftlings im US-Bundesstaat Oklahoma wegen einer falsch gesetzten Giftspritze sind in den USA erstmals wieder zwei Todeskandidaten hingerichtet worden. Im US-Bundesstaat Georgia wurde nach Angaben der Strafvollzugsbehörden in der Nacht zum Mittwoch der verurteilte Mörder Marcus Wellons per Giftspritze hingerichtet. Wenige Minuten später starb im Bundesstaat Missouri der ebenfalls wegen Mordes verurteilte John Winfield.

Der 58-jährige Wellons war dafür verurteilt worden, im Jahr 1989 ein 15-jähriges Mädchen entführt, vergewaltigt und ermordet zu haben. Der 43 Jahre alte Winfield hatte die Todesstrafe dafür erhalten, seine frühere Freundin offenbar aus Eifersucht in ihrer Wohnung überfallen und durch Schüsse schwer verletzt zu haben. Ihre Schwester und eine Freundin wurden bei der Tat getötet. Das Oberste Gericht hatte in beiden Fällen kurz vor der Vollstreckung der Todesstrafe Einsprüche der Häftlinge zurückgewiesen.

Die beiden Todeskandidaten hatten unter Berufung auf die Verfassung, die jegliche "grausame und ungewöhnliche Bestrafung" verbietet, einen Aufschub beantragt. In Oklahoma war am 29. April die Hinrichtung eines Todeskandidaten abgebrochen worden, weil es Probleme mit der Giftinjektion gab. Der Mann wand sich 43 Minuten lang im Todeskampf vor Schmerzen, bis er schließlich einen tödlichen Herzinfarkt erlitt.

Der Vorfall hatte in den USA die Debatte über die Todesstrafe neu entfacht, US-Präsident Barack Obama bezeichnete die Hinrichtung als "zutiefst verstörend". Nach der Tragödie setzte Oklahoma alle Hinrichtungen für sechs Monate aus, auch fünf Hinrichtungen in anderen Bundesstaaten wurden verschoben.

Die USA haben Probleme bei der Versorgung mit den für die Giftinjektionen verwendeten Mitteln, seitdem die europäischen Zulieferfirmen sich weigern, dafür das Betäubungsmittel Pentobarbital zu liefern. Mehrere der 32 Bundesstaaten, die in den USA noch die Todesstrafe vollstrecken, benutzen seitdem für Hinrichtungen neue Mittel, die teils aber nicht offiziell zugelassen und erprobt sind.

Im Bundesstaat Florida war für Mittwochabend (18.00 Uhr Ortszeit, 24.00 Uhr MESZ) eine dritte Hinrichtung angesetzt. Der 63-jährige John Henry sollte ebenfalls mit der Giftspritze hingerichtet werden. Er war dafür verurteilt worden, im Jahr 1985 seine Frau und ihren fünf Jahre alten Sohn getötet zu haben.

Letzte Worte aus der Todeszelle

Letzte Worte aus der Todeszelle

Der Leiter des US-Informationszentrums zur Todesstrafe (DPIC), Richard Dieter, kritisierte die neuen Hinrichtungen als "verfrüht". Die Untersuchung der schweren Verfehlungen bei der Hinrichtung in Oklahoma sei "noch lange nicht beendet", und die landesweite Überprüfung habe "gerade erst begonnen".

AFP

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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