Kulinarische Satire mit Folgen

Drohungen wegen "Erdogan Burger": Restaurant muss schließen 

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Mit diesem Plakat warb der Imbiss für seinen "Erdogan Burger".

Köln - Wer sich mit dem türkischen Staatspräsidenten oder seinen Fans anlegt, kann mit Ärger rechnen. Das weiß nicht nur Jan Böhmermann, auch ein Kölner Restaurantbetreiber kann jetzt ein Lied davon singen.   

"Saulecker, saftig und der Burner ist Erdogan, der Burger. Sein Gewicht ist mehr als jeder Döner - nur sein Geschmack, der ist noch schöner." Mit diesen Zeilen pries vor wenigen Tagen ein Kölner Restaurant auf Facebook seine neueste Kreation an. Eine Huldigung an den Boss vom Bosporus, könnte man meinen, stünde darunter nicht noch ein Satz: "Ab heute bei uns: Der Erdogan Burger - Natürlich mit Ziegenkäse" ist zu lesen. 

Ein Zwinker-Smiley verrät: Hier wird der türkische Präsident auf kulinarische Art und Weise durch den Kakao gezogen, denn natürlich handelt es sich bei der besonderen Zutat um eine Anspielung auf Jan Böhmermann, der Erdogan in seinem berühmt-berüchtigten Schmähgedicht unter anderem eine erotische Präferenz für die gehörnten Nutztiere unterstellte.

Erdogan Burger zunächst ein voller Erfolg

Als Werbegag funktionierte der Einfall jedenfalls grandios: Zeitungen und Fernsehanstalten stürzten sich auf den Imbiss. Zur Freude des Chefs Jörg Tiemann waren die politisch inkorrekten Bratlinge innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Doch dann wurde es ungemütlich. 

Denn unabhängig vom Geschmack des Burgers fanden Anhänger Erdogans die Idee ziemlich geschmacklos. Es hagelte Beleidigungen und Hetztiraden, die an Heftigkeit noch zulegten, als das Restaurant öffentlich seine Unterstützung für die regierungskritischen türkischen Journalisten kundtat, die wegen angeblicher "Veröffentlichung geheimer Dokumente" zu einer jahrelangen Gefängnisstrafe verurteilt wurden

"Ihr gehört hingerichtet!"

Bei verbalen Ausfällen blieb es allerdings nicht, es kam zu "konkreten Bedrohungen". So rief ein Unbekannter mit dem Pseudonym "Smith Wesson" (wie der gleichnamige US-Hersteller von Handfeuerwaffen) andere Erdogan-Anhänger nach Angaben des Geschäftsführers auf Facebook auf, dem Imbiss "einen Besuch abzustatten". Ein anderer forderte: "Ihr gehört hingerichtet. Jörg Tiemann redet von Demokratie und Meinungsfreiheit, lässt sich nicht mundtot machen ?! Erhängt ihn und hängt ihn höher !!!! Auf dass er zappelt am Galgen ! Lasst uns einen Ansturm auf #UrbanBurgery machen!"

Tiemann sah sich darauf nicht mehr im Stande, die Sicherheit seiner Mitarbeiter zu garantieren und verkündete die vorübergehende Schließung seines Betriebs.

Zudem werde er unter anderem die Video-Überwachung für seinen Laden aufrüsten, schrieb der Burger-Chef. Auch Böhmermann hatte vorübergehend nach einschlägigen Drohungen unter Polizeischutz gestanden

Aufgeben kommt für Tiemann aber nicht in Frage. Er werde sich "von Feinden der Demokratie nicht mundtot machen lassen", schrieb er trotzig.

hn

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