Grausamer Rachefeldzug

Rache als Motiv für Düsseldorfer Amoklauf

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Bei dem Amoklauf in zwei Düsseldorfer Anwaltskanzleien starben insgesamt drei Menschen.

Düsseldorf - Ein Familienvater rastet aus und tötet im Raum Düsseldorf drei Menschen, wohl aus Rache. Aber es hätte noch schlimmer kommen können ohne Mutige, die ihr Leben riskierten.

Staatsanwalt Christoph Kumpa ist erleichtert, dass die Ermittlungen schnell Ergebnisse gebracht haben: „Wir sind ein wesentliches Stück weitergekommen was die Motivlage angeht“, sagt er am Sonntag, zwei Tage, nachdem ein Familienvater in Düsseldorf und Erkrath drei Menschen getötet hat.

Aber dann merkt man Kumpa an, wie schwer fassbar für ihn die mutmaßliche Motivlage ist: Für eine Ohrfeige war der ehemalige Pizzabäcker verurteilt worden, und nun soll er, drei Jahre später, genau deswegen ausgerastet sein und seine Anwälte sowie seine frühere Chefin überfallen haben.

Der 48 Jahre alte Mann hat die Verbrechen gleich nach seiner Festnahme gestanden, sagt aber nichts zu den Gründen. Dennoch haben Polizei und Staatsanwaltschaft keinen Zweifel: Geldstrafe und Schmerzensgeld wegen der Ohrfeige hatten den Täter in Geldprobleme gebracht. Die Schuld dafür gab er den Anwaltskanzleien und der Pizzeria-Besitzerin, die er damals geschlagen und verletzt hatte.

Fassungslos dürften aber nicht nur die Ermittler sein. Mit seinem Sohn hatte der Täter am Freitag noch gefrühstückt, seine kleine Tochter in die Kita gebracht, mit seiner Frau telefoniert - als wäre nichts. Auch als er kurz vor Mittag - ohne Termin - die erste Anwaltskanzlei betrat, schrillten dort nicht gleich die Alarmglocken. Denn der Mann war als schwierig bekannt, als sehr fordernd, man hatte ihn schon früher vor die Tür setzen müssen - aber angezeigt hatte man ihn nicht, man glaubte, mit ihm umgehen zu können.

Ladehemmungen der Waffe

Spätestens als er seine Pistole zog, dürfte den Opfern klargeworden sein, dass diesmal alles anders war. Die Ladehemmung seiner Waffe hätte die Bluttaten noch verhindern können. Aber der Mann benutzte die Pistole zum Schlagen, schoss mit einer Reizgaswaffe und setzte ein Küchenmesser ein. In Düsseldorf fielen ihm eine 54 Jahre alte Anwältin und ihr 51 Jahre alter Kollege zum Opfer, in Erkrath eine 50 Jahre alte Anwaltsgehilfin.

Die Ermittler hatten am Sonntag aber nicht nur über das monströse Verbrechen zu berichten. Sondern auch über Menschen an allen drei Tatorten, die noch Schlimmeres verhinderten. „Wir haben ja eine ganze Menge Helfer und Retter, die das beruflich machen, aber wir haben die meisten im Privaten“, sagte Jürgen Schneider von der Düsseldorfer Polizei.

In Düsseldorf stellte sich dem Angreifer ein Anwalt entgegen, der dann aber durch Schläge mit der Pistole verletzt wurde. In Erkrath bemerkte ein 36 Jahre alter Mann, der in dem Bürogebäude arbeitet, in dem auch die Kanzlei liegt, das vom Täter gelegte Feuer. Er brach die Tür auf, löschte den Brand und brachte einen 33 Jahre alten Anwalt, der im Rollstuhl saß und durch einen Bauchschuss und eine Rauchvergiftung in Lebensgefahr war, in Sicherheit. Auch die Anwaltsgehilfin barg er.

„Zivilcourage“ nannte das Kumpa, und damit meinte er auch die Helfer in Goch, der letzten Station des Dramas: Als der Täter in die Pizzeria eindrang, warf eine der beiden 22 Jahre alten Zwillingstöchter der Besitzerin ihm gleich einen Tisch in den Weg, um ihre Mutter zu schützen.

Und ein 22 Jahre alter Passant, der von draußen sah, was in dem Lokal gerade passierte, reagierte auf die Hilferufe und begab sich selbst in Lebensgefahr, um den Gewalttäter kampfunfähig zu machen und am Boden festzuhalten, bis die Polizei kam.

dpa

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