Angst vor Ausbreitung des Virus

Bürger gegen Aufnahme von Ebola-Patienten

Ebola
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Berlin - Deutschland unterstützt den Kampf gegen Ebola mit weiteren 85 Millionen Euro. Die Bundeswehr kauft Transportsysteme für Kranke. Doch viele Bundesbürger fürchten sich vor einer Ausbreitung des Virus.

Für die Versorgung von Ebola-Infizierten hat die Bundeswehr 20 spezielle Transportsysteme gekauft. Mit diesen könnten Patienten im Liegen zu Behandlungen geflogen werden, sagte Oberstarzt Johannes Backus, Leiter der Task Force Ebola beim Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr, am Donnerstag in Koblenz. Drei Exemplare seien ausgiebig getestet worden, etwa in einer Druckkammer. Mit 20 Systemen sei die Bundeswehr gut ausgestattet. „Mir ist kein Land bekannt, das mehr hätte.“

Die jeweils rund 10.000 Euro teuren Transportisolatoren, je zehn eines österreichischen und zehn eines israelischen Herstellers, bestehen im Wesentlichen aus einer luftdichten, transparenten Plastikhülle und sind auf einer Trage angebracht. Sie sollen Ärzte und Pfleger vor Schmier- oder Tröpfcheninfektion schützen. Das Ebola-Virus wird über Sekrete wie Schweiß und Blut übertragen.

Umfrage: Hälfte der Bürger gegen Aufnahme von Ebola-Patienten

Mehr als die Hälfte der Bundesbürger ist gegen eine Behandlung von Ebola-Patienten aus Westafrika in Deutschland. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa hervor. 51 Prozent der Befragten wollten keine Erkrankten aus dem Krisengebiet aufnehmen. Tatenlos wollen die Deutschen aber nicht zusehen: Fast zwei Drittel (63 Prozent) wünschen sich mehr Engagement von der Regierung.

Nach Ebola-Infektionen bei Pflegekräften in den USA und in Spanien löst das Virus auch bei den Deutschen Angst aus. So fürchten sich 46 Prozent der von Dienstag bis Donnerstag Befragten vor einem Ausbruch der oft tödlich verlaufenden Seuche in Deutschland.

Diese Angst vor der Epidemie liegt für den Greifswalder Wissenschaftler Alfons Hamm vor allem an dem Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber der Seuche. „Bislang steigt die Zahl der Ebola-Toten weiter an. Jetzt starb ein Patient in einem deutschen Krankenhaus. Das erzeugt den Eindruck, man bekommt das Problem nicht in den Griff“, sagte der Angstforscher. Das Gefühl werde erst verschwinden, wenn die Opferzahl sinke. Dann entstehe in der Öffentlichkeit wieder der Eindruck, die Krankheit beherrschen zu können.

Krankenschwester mit Kontakt zu Ebola-Patientin selbst in Klinik

In Frankreich ist eine Krankenschwester, die in einem Militärkrankenhaus nahe Paris eine Ebola-Patientin gepflegt hatte, wegen eines "verdächtigen Fiebers" selbst in die Klinik eingeliefert worden. Die Frau hatte anhaltendes Fieber über 38 Grad Celsius und wurde deswegen ins Militärkrankenhaus Bégin in Saint-Mandé bei Paris gebracht, wie am Donnerstag aus informierten Kreisen verlautete. Gesundheitsministerin Marisol Touraine wollte den Fall nicht kommentieren.

Die Krankenschwester gehörte zu dem Team, das in der Klinik Bégin eine an Ebola erkrankte Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) behandelt hatte, wie mehrere Quellen bestätigten. Die MSF-Mitarbeiterin hatte sich in Liberia mit Ebola angesteckt und wurde am 19. September mit einem Spezialflugzeug in ihr Heimatland gebracht. Dort konnte sie geheilt werden. Sie war die erste in Frankreich behandelte Ebola-Patientin. Sollte sich die Krankenschwester wirklich angesteckt haben, wäre dies der erste Fall einer Infektion in Frankreich.

Mehrere US-Schulen vorsorglich wegen Ebola geschlossen

Aus Angst vor einer Ausbreitung der Ebola-Seuche ist an mehreren Schulen in den USA vorsorglich der Unterricht gestrichen worden. Die Mitarbeiterin einer Schule in Ohio sei möglicherweise im selben Flugzeug wie die Krankenschwester unterwegs gewesen, die sich zuletzt mit dem Virus infiziert hatte. Deshalb blieben zwei Schulen nahe Cleveland in Ohio am Donnerstag geschlossen, teilte der zuständige Schulbezirk mit.

In Texas öffneten in der Nähe von Austin zwei Schulen und ein Kindergarten nicht, weil zwei Schüler und ihre Eltern in dem Flugzeug gereist waren. Die betroffenen Gebäude und Schulbusse sollten während der Schließung gründlich gereinigt und desinfiziert werden, teilte der Schulbezirk Belton in Texas mit. Am Freitag sollte der Unterricht stattfinden.

US-Behörde CDC fürchtet "lange" Bedrohung durch Ebola-Epidemie

Der Direktor der US-Seuchenkontrollbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC), Thomas Frieden, hat eine entschiedene Bekämpfung des Ebola-Virus in Westafrika gefordert. "Um die Vereinigten Staaten zu schützen, müssen wir es am Ursprungsort stoppen", sagte Frieden am Donnerstag bei einer Anhörung im US-Repräsentantenhaus. Sollte sich der Erreger weiter ausbreiten, "könnte er für lange Zeit eine Bedrohung für unser Gesundheitssystem werden".

Die CDC arbeite rund um die Uhr daran, die Amerikaner vor dem Virus zu schützen. Das habe nach wie vor höchste Priorität. Zudem habe man den Afrikanern geholfen, Ausgangskontrollen von Reisenden durchzusetzen, sagte Frieden. Die Krankenhäuser und das Personal in den USA seien erstklassig.

Die Mitglieder der Ausschusses zeigten sich besorgt. Der Republikaner Tim Murphy sprach von der weltweit schlimmsten Ebola-Krise aller Zeiten. Fred Upton forderte wie mehrere seiner republikanischen Parteikollegen, Flüge aus den betroffenen Ländern zu verbieten. Die Demokratin Diana DeGette kritisierte, dass die Kliniken in den USA nicht ausreichend auf die Seuche vorbereitet seien.

EU setzt in Ebola-Krise auf Verstärkung der Kontrollen in Westafrika

Die EU setzt im Kampf gegen Ebola auf eine Verstärkung der Ausreisekontrollen in den betroffenen westafrikanischen Ländern. Die EU-Gesundheitsminister einigten sich am Donnerstag darauf, "sofort" mit einer Überprüfung an Flughäfen in Liberia, Sierra Leone und Guinea zu beginnen. Unterschiedliche Wege gehen die Europäer weiter in der Frage, ob auch bei der Ankunft in Europa kontrolliert werden muss.

Die Wirksamkeit der Abflugkontrollen in Westafrika werde zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation WHO überprüft, sagte EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte, Hilfe vor Ort sei "die beste Chance", das Ansteckungsrisiko in Europa so gering wie möglich zu halten. Dem europäischen Flughafenverband ACI Europe zufolge wurden bisher 36.000 Passagiere bei der Ausreise aus den Ebola-Gebieten Kontrollen unterzogen.

Keine einheitliche Haltung gab zu den von mehreren EU-Ländern eingeführten Gesundheitskontrollen mit Fiebermessen bei der Einreise nach Europa. Gröhe sagte, für Länder mit direkten Flugverbindungen in das Ebola-Gebiet sei dies sinnvoll. Dazu gehört auch Belgien, das bisher noch keine solchen Kontrollen eingeführt hat. Die belgische Regierung hat Gröhe zufolge nun zugesagt, dies zu prüfen.

Ankunftskontrollen haben bereits Großbritannien, Frankreich und Tschechien eingeführt oder angekündigt. Aus Deutschland gibt es keine Direktflüge in die drei am stärksten betroffenen Länder. Nach Angaben aus der EU-Kommission kommen derzeit täglich etwa 2350 Passagiere über elf Direktverbindungen nach Europa.

An Ebola starben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits fast 4500 Menschen. Besonders betroffen sind die westafrikanischen Länder Liberia, Guinea und Sierra Leone. Insgesamt wurden laut WHO bislang 8997 Fälle in sieben Ländern festgestellt.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass sich eine zweite Krankenschwester der Klinik Texas Health Presbyterian in Dallas mit dem Ebola-Virus infizierte. Bereits am Wochenende war eine Krankenschwester dort positiv auf den Erreger getestet worden. Die beide Frauen hatten den Liberianer Thomas Eric Duncan gepflegt, der das Virus aus seinem Heimatland in die USA eingeschleppt hatte. Duncan war vergangene Woche an Ebola gestorben.

Ebola: Deutschland stellt weitere 85 Millionen Euro zur Verfügung

Deutschland stellt weitere 85 Millionen Euro zur Eindämmung der Epidemie bereit. Der Haushaltausschuss des Bundestages bewilligte nach Angaben von CDU/CSU vom Donnerstag diese zusätzlichen Mittel. Mit den bereits zugesagten 17 Millionen Euro stünden insgesamt 102 Millionen Euro zur Verfügung. Langfristig werde es darum gehen, die Gesundheitssysteme in Westafrika zu stärken. Hierfür stelle Deutschland 700 Millionen Euro zur Verfügung.

Zum Schutz gegen die Epidemie will die EU die Ausreisekontrollen in betroffenen Ländern Westafrikas überprüfen. Dabei will sie mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammenarbeiten, wie EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg in Brüssel mitteilte. Dort hatten 21 Gesundheitsminister und andere hochrangige Vertreter der EU-Staaten über den Schutz der Bevölkerung vor Ebola beraten.

Ebola sollte auch Thema des Asien-Europa-Gipfels (Asem) in Mailand sein. „Die großen globalen Herausforderungen werden wir nur gemeinsam bewältigen können“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Etwa 9000 Ebola-Fälle sind bei der Weltgesundheitsorganisation inzwischen registriert. Bis Dezember rechnet die Behörde mit wöchentlich 5000 bis 10.000 Neuinfektionen pro Woche.

dpa/AFP

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