Weitere Helferin infiziert

Ebola-Patient: Behandlung in Hamburg?

Ebola
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Helfer in Liberia tragen Schutzkleidung gegen den Ebola-Virus.

Hamburg - Infolge der grassierenden Ebola-Epidemie in Liberia haben sich inzwischen zwei Helfer aus den USA mit dem tödlichen Virus angesteckt. Einer von ihnen könnte in Hamburg behandelt werden.

Erstmals seit dem Ebola-Ausbruch in Westafrika könnte ein infizierter Patient in Deutschland behandelt werden. Die Weltgesundheitsorganisation hat beim Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) angefragt, ob ein Mitarbeiter einer Gesundheitsorganisation dort versorgt werden könnte, wie UKE-Sprecherin Christine Trowitzsch am Montag sagte. Der Mann war in die medizinische Versorgung von Ebola-Patienten eingebunden.

Die Hansestadt sei zur Aufnahme des Erkrankten bereit und darauf vorbereitet, hieß es beim UKE und der Hamburger Gesundheitsbehörde. Die Sicherheitsvorkehrungen sind Trowitzsch zufolge so hoch, dass es für Mitarbeiter und Öffentlichkeit keinen Grund zur Sorge gebe.

 Nach Ansicht der Gesundheitsbehörde ist es allerdings ungewiss, ob der Mann tatsächlich in der Hansestadt betreut wird. „Ob dieser Patient jemals ankommt, ist höchst fraglich“, sagte Sprecher Rico Schmidt. So müsse der Kranke etwa transportfähig sein.

Der Patient soll nach dpa-Informationen aus Sierra Leone stammen. Nach Angaben des „Hamburger Abendblatts“ soll es sich um einen „wichtigen Mediziner“ handeln, der im Kampf gegen Ebola in seiner Heimat viel bewegt habe.

Auch Missionarin infiziert

Neben einem 33-jährigen Arzt wurde auch eine Missionarin infiziert, die für die Desinfektion von Schutzanzügen in einem Krankenhaus der Hauptstadt Monrovia zuständig war, wie die karitative christliche Stiftung Samaritan's Purse am Sonntag mitteilte. Laut einer Sprecherin der Organisation befinden sich beide Patienten in stabilem Zustand.

Die vor Monaten ausgebrochene Ebola-Epidemie in Westafrika hat ihren Ausgangspunkt in Guinea. Insgesamt infizierten sich dort sowie im benachbarten Sierra Leone und in Liberia nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang fast 1100 Menschen mit dem Erreger. Bis zum 20. Juli starben mehr als 660 von ihnen an der Krankheit. In Nigeria wurde am Freitag in der Millionenmetropole Lagos der erste Ebola-Tote gemeldet.

Liberia schließt Grenzen

Liberia kündigte unterdessen an, wegen der schweren Ebola-Epidemie in dem westafrikanischen Land alle Grenzen zu den Nachbarstaaten zu schließen. Ausnahmen seien lediglich zwei Flughäfen und drei andere Grenzpunkte. An diesen würden aber Zentren eingerichtet, um alle Ein- und Ausreisenden auf das Virus zu testen. Dies teilte die liberianische Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf am Montag nach einem Treffen mit einem eigens eingerichteten Krisenstab mit. Sie hatte Ebola am Wochenende zu einem nationalen Notfall erklärt.

Spezialklinik UKE

Das UKE und das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin haben bei der Therapie von solch hoch ansteckenden Erkrankungen einen hervorragenden Ruf. In einem speziellen Behandlungszentrum des UKE werden Patienten versorgt, die sich mit lebensbedrohlichen Erregern wie etwa Filoviren - sie sind verantwortlich für das Ebola- und Marburg-Virus - oder Coronaviren (SARS) angesteckt haben.

Die Einrichtung sei von der übrigen Patientenversorgung im UKE baulich getrennt, betonte Trowitzsch. Die drei Behandlungszimmer mit insgesamt sechs Betten haben den Angaben zufolge einen eigenen Schleusenbereich und eine spezielle Raumlufttechnik. Ärzte und Pflegepersonal seien speziell in der Versorgung von Infektionskrankheiten geschult. Das Behandlungszentrum arbeitet eng mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, der Bundeswehr, der Berufsfeuerwehr Hamburg und der Gesundheitsbehörde zusammen.

Darum ist Ebola so gefährlich

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es ist das erste Mal seit Jahrzehnten, dass sich das hoch ansteckende Ebola-Virus in der Region ausbreitet. Infizierte leiden an Fieber, Muskelschmerzen, Durchfall sowie in heftigen Fällen an inneren Blutungen und Organversagen. Gegen die Krankheit gibt es bislang keine Medikamente. Bei manchen Erregern verläuft die Seuche in bis zu 90 Prozent der Fälle tödlich. Unter Menschen reicht schon eine Berührung zur Infektion mit dem Virus.

Das Virus wurde erstmals 1976 in der Demokratischen Republik Kongo registriert und ist nach einem dortigen Fluss benannt. Es wird angenommen, dass es vor allem von Tieren wie Fledermäusen übertragen wird, die ihres Fleisches wegen gejagt werden.

dpa/afp

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