Diskussion um neuen Werbeclip

Pietätlos oder berührend? Edeka-Spot spaltet Deutschland

München - Edeka hat mit seinem neuen Werbespot "Heimkommen" den Nerv vieler Menschen getroffen. Doch nicht alle sind begeistert. Das Netz diskutiert.

Es ist ein Werbespot, der Deutschland spaltet. Die einen rührt er zu Tränen, die anderen sind empört. Aber eines ist auf jeden Fall klar: Mit dem Spot "Heimkommen" hat sich Edeka so kurz vor Weihnachten ins Gespräch gebracht und auf YouTube schon mehr als 4,5 Millionen Klicks abgestaubt.

Doch worum geht's in dem Spot, über den Deutschland redet? Ein alter Mann hört die Mailbox ab. Eine Nachricht seiner Tochter ist darauf: Sie und die Enkel würden es heuer wieder nicht schaffen, den Papa und Opa an Weihnachten zu besuchen. Also sitzt der Senior alleine am Esstisch. Tristesse statt Festtagsstimmung.

Die nächste Szene: Die Familie trifft sich auf dem Friedhof. Offenbar ist der alte Mann verstorben, Tochter und Sohn liegen sich weinend in den Armen. Gemeinsam gehen sie in das Haus ihres Vaters - und erleben dort eine Überraschung: Der Esstisch ist festlich geschmückt, und plötzlich schreitet der noch ziemlich lebendige alte Mann ins Zimmer und sagt: "Wie hätte ich Euch denn sonst alle zusammenbringen sollen?" Mit den Worten "Zeit heimzukommen" schließt Edeka die Werbung ab - und lässt den Zuschauer mit einem Kloß im Hals zurück.

In den sozialen Netzwerken löste der Spot eine Grundsatzdiskussion aus. Kümmern wir uns zu wenig um unsere Alten? "Nehmt Euch verdammt noch mal Zeit für Eure Liebsten", fordert ein User. "Weihnachten gehört der Familie", schreibt ein Zweiter und eine andere Nutzerin gesteht: "Ich hatte tatsächlich Tränen in den Augen bei diesem Werbeclip. Mist!"

Doch es gibt auch noch die andere Seite, denn vielen geht die Werbung zu weit. So würde nicht nur mit den Gefühlen der Zuschauer gespielt. "Ein Plädoyer gegen das Alleinlassen... das ist ja ok, aber der Sprung zu Edeka ist nicht stimmig, hier nutzt EDK Emotionen für schnödes Geldverdienen aus.. geht gar nicht", schreibt ein Mann unter dem Video. "Emotionale Kacksch...." findet ein anderer YouTuber. Und ein Twitter-User stellt sich eine viel grundlegendere Frage: "Was hat das mit Edeka zu tun?"

Ein gutes Timing mit einer anderen Weihnachtsaktion hat übrigens IKEA. Ob nun als Resultat aus der Werbung oder nicht: Das Möbelhaus will laut meedia.de offenbar einsame Weihnachtsesserdurch die #Gästaurant-Initiative an den Festtagen zusammenbringen. Auf einer Online-Plattform können sich Interessierte ab dem 1. Dezember als Gast oder Gastgeber registrieren lassen. Die Gäste können dann per E-Mail einen Gastgeber kontaktieren - damit Weihnachten wirklich niemand alleine verbringen muss.

Ein schönes Weihnachtsgeld versprechen derzeit Gewinn-SMS von Edeka - doch sie sind nichts weiter als eine große Abzocke.

mes

Rubriklistenbild: © Screenshot Edeka

Merja Schubert

Merja Schubert

E-Mail:merja.schubert@merkur.de

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