Am Telefon mit AfD-Wählern

Flüchtling eröffnet "Hotline für besorgte Bürger"

Gießen - Ali Can kam selbst 1995 mit seinen Eltern als Flüchtling nach Deutschland. Interkulturelle Verständigung ist inzwischen sein Spezialgebiet. Nun eröffnet er die deutschlandweit erste "Hotline für besorgte Bürger".

Seine Eltern kommen aus der Türkei, haben keine Schulbildung genossen. Vor siebzehn Jahren beschlossen sie, dass es ihren Kindern einmal besser gehen soll. Ihr Sohn Ali Can war damals zwei Jahre alt. Inzwischen spricht er perfektes Deutsch, studiert Lehramt in Gießen und engagiert sich für Unicef.

Jetzt startet er ein Projekt mit dem Titel "Hotline für besorgte Bürger". Jeder kann ihn anrufen und Fragen stellen. Damit möchte er Menschen erreichen, die sich sonst eher im Hintergrund halten. "Mein Angebot richtet sich an diejenigen, die AfD wählen, zu Pegida gehen," aber auch Menschen mit Migrationshintergrund sieht er in der Pflicht: Der Umgang mit besorgten Bürgern sei eine wichtige Aufgabe für sie.

Wichtig ist ihm vor allem auch das Zuhören. "Wenn man sich gleich als "dumm" oder "Nazis" bezeichnet, vergrault man Leute", sagt er dem Spiegel. Seiner Erfahrung nach kann er auf diesem Weg viel bewirken: Einer Frau, die sich durch ein Flüchtlingsheim in ihrer Nachbarschaft gestört fühlte, konnte er helfen, indem er schlicht und ergreifend mit den Flüchtlingen sprach.

So einfach kann manchmal Integration sein.

lg

Rubriklistenbild: © dpa

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