Fall erregt die Gemüter

Ermittlungen zu Tod von Asylbewerber bleiben schwierig

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Blumen und Kerzen liegen und stehen in Berlin vor dem Gebäude der sächsischen Landesvertretung. Sie wurden in Gedenken an einen 20 Jahre alten afrikanische Asylbewerber, der am 13.01.2015 in Dresden im Stadtteil Leubnitz-Neuostra tot aufgefunden worden war, dort abgelegt.

Dresden - Nach dem Tod eines Asylbewerbers in Dresden stehen die Ermittler unter Erfolgsdruck. Wegen der Pegida-Bewegung ist die Stimmung in der Stadt ohnehin aufgeheizt. Ein Durchbruch ist bei den Ermittlungen nicht in Sicht.

Die Ermittlungen zum gewaltsamen Tod eines jungen Asylbewerbers in Dresden kommen nur langsam voran. „Wir stehen noch am Anfang“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Lorenz Haase, am Freitag. Die Spurensuche in der Wohnung, wo der 20-jährige Khaled mit Landsleuten aus Eritrea lebte, ist abgeschlossen. Die Befragung der Mitbewohner und von Anwohnern in der Plattenbausiedlung dauert an, auch die Videos eines nahen Supermarkts werden noch ausgewertet.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, hat die Dresdener Polizei gegen Vorwürfe in Schutz genommen, die Todesumstände des Asylbewerbers Khaled I. vertuscht oder nicht richtig ermittelt zu haben. "Ich kann keinen Fehler erkennen", sagte Malchow der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" (Samstagsausgabe). "Vor Ort wurde festgestellt, dass es kein natürlicher Tod war. Man konnte die Stichverletzungen aber nicht sofort ausmachen." Mit der Obduktion der Leiche des 20-Jährigen sei dann "genau das getan" worden, "was man in solchen Fällen tut".

Die Leiche des jungen Mannes aus dem nordostafrikanischen Eritrea war am Dienstagmorgen vor einem Mehrfamilienwohnhaus im Stadtteil Leubnitz-Neuostra gefunden worden. Die Polizei hatte nach eigenen Angaben zunächst keine Hinweise auf Fremdeinwirkung festgestellt. Erst die Obduktion ergab, dass der Mann mit Messerstichen in Hals und Brust getötet worden war. Das war laut Polizei zunächst nicht erkennbar, sie ging stattdessen von einem offenen Schlüsselbeinbruch aus. Noch nicht restlos geklärt ist laut Haase zudem, ob der Fundort der Leiche auch der Tatort ist.

Khaled lebte zuletzt im Sudan, wohin er als Vierjähriger mit seiner Mutter nach dem Tod des Vaters geflüchtet war, erzählte eine Mitarbeiterin der Opferberatung RAA Sachsen. Der Schwarze lebte seit etwa vier Monaten als Asylbewerber in Dresden und lernte auch Deutsch. In der Elbestadt soll der Muslim auch beerdigt werden. „Wir helfen zwei im Westen lebenden Verwandten, darunter einem Onkel, bei den Vorbereitungen.“ Noch ist die Leiche aber nicht freigegeben.

Der 20-Jährige hatte mit sieben weiteren Flüchtlingen in einer Vierzimmerwohnung gewohnt. Nach Angaben seiner Mitbewohner habe er am Montagabend nur schnell noch Zigaretten holen wollen, erzählte die RAA-Mitarbeiterin. Als er nicht zurückkam, suchten die Mitbewohner nach ihm - ohne Erfolg. Erst am Morgen fanden Passanten dann seine Leiche vor dem Hauseingang.

Wann und warum Khaled starb, kann Oberstaatsanwalt Haase nicht sagen. „Bisher haben sich nur wenige Zeugen auf den Aufruf gemeldet.“ Es gebe daher keine konkreten Hinweise. Ermittelt wird wegen Totschlags gegen unbekannt. „Motive und Hintergründe sind unklar.“ Auch die Tatwaffe, ein nicht näher beschriebenes Messer, wurde bisher nicht gefunden. Die Ermittler stehen unter Erfolgsdruck, auch angesichts der durch die Anti-Islam-Bewegung Pegida aufgeheizten Stimmung in der Stadt.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) warnte aber vor Spekulationen: „Deshalb müssen die Ermittler jetzt zügig und professionell voranschreiten.“ Es gehe darum, einen „kühlen Kopf“ zu bewahren. Dabei ist das Medieninteresse groß, überregional und teilweise auch im Ausland, wie Oberstaatsanwalt Haase berichtete. Ziel sei, den oder die Täter möglichst schnell zu finden und die Sache aufzuklären.

Sozialarbeiter kümmern sich um Khaleds Landsleute. „Wir sind vor Ort, sorgen für ein warmes Mittagessen und bieten Gespräche an“, sagte eine Sprecherin der Arbeiterwohlfahrt. Nach Angaben der Stadt wollen die Afrikaner in den nächsten Tagen noch bleiben. Die in Dresden lebenden Eritreer sind nach Angaben des Flüchtlingsrats gut vernetzt. Mehrere von ihnen hätten erklärt, sich nicht mehr sicher zu fühlen, berichtete eine Sprecherin.

Schon kurz nach Bekanntwerden der Gewalttat hatte es mehrere Mahnwachen gegeben. Für dieses Wochenende sind erneut Aktionen geplant.

dpa/afp

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