Ermittler suchen nach Ursache für Zugunglück

Hordorf - Warum krachten Güterzug und Regionalexpress in Sachsen-Anhalt ungebremst zusammen? Die Ermittler suchen zwei Tage nach dem Unglück nach der Ursache. Die Identifizierung der Leichen macht Probleme.

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Zwei Tage nach dem schweren Zugunglück in Sachsen-Anhalt rätseln die Ermittler weiter über die Ursache des Zusammenstoßes. Ob technische Probleme oder menschliches Versagen zu der Katastrophe mit zehn Toten führte, stand noch nicht fest. “Wir haben dafür keine neuen Fakten“, sagte ein Polizeisprecher am Montag in Magdeburg. Auch die Identifizierung der Leichen bereitete weiter Probleme. Viele der Toten hatten keine Ausweispapiere bei sich, außerdem wurden Opfer bei dem wuchtigen Aufprall entstellt.

Am Montag gab es zunächst keine Angaben darüber, ob inzwischen mehr als zwei Todesopfer identifiziert sind. Staatsanwaltschaft und Polizei wollten sich zunächst nicht zu weiteren Einzelheiten äußern und verwiesen auf eine gemeinsame Erklärung im Tagesverlauf.

Einige der 23 Verletzten konnten die Kliniken inzwischen verlassen. Es gebe aber noch “mindestens zehn Personen, die sich in den Krankenhäusern befinden und behandelt werden müssen“, sagte ein Polizeisprecher.

Bei der Identifizierung der Leichen helfen Experten aus dem Bundeskriminalamt (BKA). In der Nacht wurden weitere Spuren am Personenzug gesichert. “Die Ergebnisse der Auswertung der beiden Fahrtenschreiber werden frühestens im Verlauf der Woche erwartet“, sagte ein Polizeisprecher. Die Trümmer des Harz-Elbe-Expresses (HEX) wurden von Experten in Halberstadt untersucht. Der Personenzug war am Samstagabend in Hordorf bei Oschersleben auf eingleisiger Strecke mit einem Güterzug zusammengestoßen und schleuderte dann vom Gleis.

Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte unterdessen die Nachrüstung von Sicherheitssystemen auf allen Strecken. Auf dem Streckenabschnitt bei Oschersleben war ein System, das beim Überfahren eines roten Signals eine sofortige Notbremsung auslöst, noch nicht installiert. In Westdeutschland seien die Systeme Standard, in Ostdeutschland dagegen nicht. Es wird vermutet, dass einer der beiden Zugführer am Samstagabend ein Stopp-Signal überfahren hatte. Das Signal für den HEX-Zug hatte nach dem Zusammenstoß auf Grün gestanden.

Ministerium: Bahn trifft an Unglück keine Schuld

Das Bundesverkehrsministerium sieht allerdings keine Versäumnisse der Deutschen Bahn als Netzbetreiber. Erst bei Geschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometern pro Stunde seien magnetische Abbremssysteme vorgeschrieben, sagte der Sprecher von Minister Peter Ramsauer (CSU) am Montag in Berlin.

Auf dem betroffenen Streckenabschnitt Magdeburg - Halberstadt seien diese Notbremssysteme bei überfahrenen Haltesignalen noch nicht flächendeckend nachgerüstet worden, weil hier nur Geschwindigkeiten von 80 Kilometern pro Stunde erlaubt seien.

Unfallstelle bleibt gesperrt

Während der Lokführer des Personenzugs ums Leben kam, wurde sein Kollege im Güterzug am Sonntag aus dem Krankenhaus entlassen. Der 39- Jährige erlitt Prellungen. Die Bundespolizei wies am Montag Spekulationen zurück, wonach sich der Mann womöglich nicht im Führerstand aufgehalten hatte, sondern in der zweiten Lok. Ein Sprecher der Salzgitter AG, für deren Tochtergesellschaft VPS der 2700 Tonnen schwere Güterzug unterwegs war, wies darauf hin, dass es Zugführern strikt verboten sei, sich in der hinteren Lok aufzuhalten. Der 39-Jährige habe sich auf Unglücksstrecke gut ausgekannt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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