Prozessbeginn in Bielefeld

Mord an Dano (5): Ex-Nachbar vor Gericht

Bielefeld - In einer riesigen Suchaktion fahndete die Polizei im März nach dem kleinen Dano. Drei Wochen später fand man seine Leiche. Jetzt steht sein mutmaßlicher Mörder vor Gericht.

Es war eine der größten Suchaktionen der vergangenen Jahre: Mit Hubschraubern, Tauchern und Hunden fahndete die Polizei vor gut einem halben Jahr nach dem kleinen Dano aus Herford. Der Fünfjährige war am 14. März vom Spielen nicht heimgekehrt, erst knapp drei Wochen später wurde seine Leiche unweit seines Elternhauses am Fluss Werre entdeckt. Sein mutmaßlicher Mörder Ibrahim B. soll sie dort abgelegt haben. Von Mittwoch an muss sich der 43-jährige Ex-Nachbar von Danos Familie vor dem Landgericht Bielefeld verantworten.

Das Verbrechen an Dano hat B. im Polizeiverhör weitgehend gestanden, ein weiteres Geständnis in einem anderen Mordfall soll er später vor Mithäftlingen abgelegt haben. Denn der 43-Jährige steht auch im Verdacht, das Verbrechen an der achtjährigen Jenisa aus Hannover begangen zu haben. Das Mädchen war im September 2007 verschwunden. Seine sterblichen Überreste wurden erst vor vier Wochen in der Nähe des niedersächsischen Wunstorf entdeckt - angeblich aufgrund der Angaben, die Ibrahim B. vor Mitinsassen in der Untersuchungshaft machte.

Bereits wenige Tage nach Jenisas Verschwinden war B. inhaftiert worden. Die Beweise gegen den Mann reichten letztlich aber nicht aus, im Oktober 2007 kam er wieder auf freien Fuß. In der Folgezeit zog B. von Niedersachsen ins ostwestfälische Herford um - in dieselbe Wohnanlage, in der auch der kleine Dano und dessen Familie lebten.

Die genauen Hintergründe des Mordes an Dano will nun das Bielefelder Landgericht durchleuchten - der Fall Jenisa wird in dem Verfahren keine Rolle spielen. Allerdings wird B. sich einem zweiten Prozess stellen müssen, falls sich bei den wieder aufgenommenen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover den Tatverdacht gegen ihn erhärtet. Ein möglicher Prozess um das Verbrechen an Jenisa, deren Familie wie diejenige von Dano aus dem Kosovo stammt, würde dann in Hannover stattfinden.

Den Mord an Dano soll B. an dem Tag begangen haben, an dem der Fünfjährige verschwand. Am 14. März klingelte der Junge laut Bielefelder Staatsanwaltschaft an der Wohnungstür von B., um dessen Sohn zum Spielen abzuholen. Doch Danos Spielkamerad wohnte damals schon gar nicht mehr bei seinem Vater - B. und seine Lebensgefährtin hatten sich nach Streitigkeiten getrennt, die Kinder hatte die Frau mitgenommen.

Nachdem B. den kleinen Dano vergeblich zum Gehen aufgefordert hatte, schlug er das Kind der Anklage zufolge ins Gesicht. Der Fünfjährige soll geschrien und gedroht haben, er werde alles seinen Eltern erzählen. Daraufhin zerrte B. den Jungen laut Staatsanwaltschaft in die Wohnung. Nach weiteren körperlichen Übergriffen soll er den wehrlosen Dano schließlich erdrosselt haben. "Das Kind ist nach einer Strangulation erstickt", sagte die Bielefelder Staatsanwältin Ina Leinkauf nach der Festnahme von B. im April.

Die Anklage wirft B. nun Mord aus niedrigen Beweggründen und zur Verdeckung einer Straftat vor. Nach der Tat soll der mutmaßliche Mörder die Leiche in mehrere Bettdecken gehüllt, in eine große Plastiktasche gepackt und diese dann in einen Einkaufs-Trolley gelegt haben. Damit brachte er demnach den toten Jungen zum Ufer der Werre. Die Ermittler kamen dem 43-Jährigen nach früheren Angaben durch einen Zeugen auf die Spur, der den Verdächtigen am Tattag mit dem schwer bepackten Einkaufs-Trolley gesehen hatte.

Für den Prozess gegen B. hat das Bielefelder Landgericht nur fünf Verhandlungstage angesetzt. Nach derzeitiger Planung könnte das Urteil bereits am 22. Oktober fallen.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa

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