16-Jährige erkannte die Marktlücke

Schülerin verdiente 57.000 Euro - mit skurriler Idee

London - Für ihre 16 Jahre ist die Schülerin Beau Jessup ganz schön raffiniert - auf ihrer Reise nach China entdeckte sie eine Marktlücke, die anderen bislang verborgen blieb.

Eine Reise nach China inspirierte eine 16-jährige Schülerin zu einer ziemlich verrückten Idee, mit der sie nun immerhin schon knapp 60.000 Euro verdient hat: Beau Jessup hilft chinesischen Eltern nämlich bei der Namensfindung für deren neu geborenen Kinder. 

Der ungewöhnliche Einfall kam ihr, als sie gerade mit ihrem Vater und dessen Arbeitskollegen zu Abend aß und eine der anwesenden Frauen - eine Chinesin - eine Frage stellte, die Jessup zunächst völlig aus dem Konzept brachte: "Oh, wie soll ich meine Tochter nennen? Welchen englischen Namen soll ich ihr geben?" Im ersten Moment war Jessup zu überrascht, um einen originellen Vorschlag zu machen: "Ich fühlte mich wirklich nicht qualifiziert oder wichtig genug, um diejenige zu sein, die diesem Baby seinen Namen gibt", sagte die britische Schülerin bbc.co.uk.

Nie mehr Rambo, Cinderella oder Gandalf

Obendrein hatte Jessup bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht gewusst, dass es für chinesische Familien offenbar immens wichtig ist, dass ihre Kinder auch einen englischen Namen haben. Doch tatsächlich ist es in Asien mittlerweile gang und gäbe, seine Kinder zum Studieren in den Westen zu schicken – der umfassendste Bildungsweg steht hier immer an erster Stelle. Und um ihnen die Chancen auf einen guten Job oder Universitätsplatz zu erhalten, wäre ein möglichst unkomplizierter englischer Name natürlich von Vorteil. 

Die perfekte Namenswahl gestaltet sich in China allerdings schwieriger als gedacht: Der Internetzugang im bevölkerungsstärksten Land der Welt ist so eingeschränkt, dass viele Standard-Webseiten, die in der Namensfrage weiterhelfen könnten, nicht aufgerufen werden können. In ihrer Not wählen asiatische Eltern oft Namen aus, die sie in typisch amerikanischen oder britischen Filmen aufgeschnappt haben – was in der Vergangenheit bereits zu mehr als albernen Benennungen wie Cinderella, Rambo, Gandalf oder auch Rolex geführt hat.

Solch unbewussten Peinlichkeiten wollte die junge Britin nun ein endgültiges Ende setzen: Mit einem Darlehen von ihrem Vater und der Hilfe eines Webdesigners richtete sie die Website "Special Name" ein. Die Seite ist in China glücklicherweise frei verfügbar – und passt sich dabei hervorragend an kulturelle Eigenheiten des Landes an: Die Besucher können fünf von zwölf Charaktereigenschaften auswählen, die sie sich von ihrem ungeborenen Kind erhoffen. Anschließend erhalten sie drei Namensvorschläge mitsamt Bedeutung und Herkunft des Namens. Über eine Verknüpfung zu der Messenger-App "WeChat" (dem chinesischen Pendant zu WhatsApp) können die Nutzer ihre Namenswahl außerdem mit Verwandten und Freunden teilen und gegebenenfalls nochmal diskutieren. 

48.000 Pfund nach sechs Monaten

Die Kosten für den Service, der im Schnelldurchlauf höchstens fünf Minuten dauern dürfte, betragen umgerechnet etwa einen Euro. Und die Resonanz ist überwältigender, als Jessup es sich wohl jemals hätte ausmalen können: Mehr als 221.000 Menschen haben Specialname.cn bereits genutzt – nur sechs Monate nach dem Launch hatte das raffinierte Mädchen damit bereits mehr als 48.000 Pfund verdient. Mittlerweile soll die Summe auf umgerechnet 57.000 Euroangestiegen sein. "Jedes Baby verdient einen ganz speziellen Namen. Ich bin sehr froh, dass ich mit meinem Service so eine schöne Sache unterstützen kann", meint die Schülerin, die mit ihrem schnell verdienten Geld vor allem ihre bevorstehenden Universitätskosten bezahlen will.

Sophie Lobenhofer

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild) 

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