Alle News zum Germanwings-Absturz

Ticker: Bergungsteams sichern DNA von 78 Opfern

germanwings-absturz-kleidung-dpa
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Die Bergungskräfte sind im Dauereinsatz.

Seyne-les-Alpes - Fünf Tage nach der Germanwings-Katastrophe geht die Suche nach Opfern und Hinweisen an der Absturzstelle weiter. Alle Informationen des Tages hier im Ticker vom Sonntag zum Nachlesen.

Hier geht's zum Ticker vom Montag

> Angehörige und Freunde der verunglückten Germanwings-Passagiere haben darum gebeten, ungestört und in Ruhe trauern zu können

> Papst Franziskus hat zum Auftakt der Karwoche der Opfer der Germanwings-Katastrophe gedacht

> Düsseldorfer Staatsanwaltschaft will frühestens am Montag weitere Ermittlungsergebnisse zum Absturz der Germanwings-Maschine bekanntgeben

> Laut Medienberichten soll Co-Pilot Andreas L. unter schweren Sehstörungen gelitten haben.

> Der zweite Flugschreiber ist nach wie vor verschollen

> Die Leichen der Opfer sollen binnen sieben Tagen geborgen werden. Ihre Identifizierung werde ebenfalls noch mehrere Tage dauern, teilte die französische Staatsanwaltschaft mit. Bisher wurde DNA von 78 Menschen gesichert.

Zweiter Flugschreiber noch nicht gefunden

+++ Für die Nacht wurde die Suche nach Opfern des Germanwings-Absturzes unterbrochen. Mit der Dämmerung zogen sich die Einsatzkräfte aus dem Zentrum in Seyne-les-Alpes zurück. In den Nächten sichern Spezialeinsatzkräfte die Absturzstelle in dem schwer zugänglichen Gebiet. Am Montag soll die Bergungsaktion fortgesetzt werden. Weiter gesucht wird vor allem nach dem zweiten Flugschreiber der A320.

+++ Israel schickt eine kleine Delegation von Bergungsexperten an die Absturzstelle. Acht freiwillige Mitarbeiter des Rettungsdienstes Zaka sollten bei der Identifikation der Leichen helfen, teilte das Büro des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Sonntag mit.

Bis Montagabend soll eine Straße zum schwer zugänglichen Absturzort fertig sein, so dass schweres Gerät zur Bergung herangeholt werden kann.

+++ Wie am Sonntagnachmittag bekannt wurde, richten die französischen Behörden einen Weg zur Absturzstelle der Germanwings-Maschine ein, um die Bergungsarbeiten zu erleichtern. Die Straße für Geländefahrzeuge solle bis Montagabend fertig sein, sagte Staatsanwalt Brice Robin am Sonntag der französischen Agentur AFP. Bisher werden Ermittler und Bergungskräfte tagsüber mit Hubschraubern in das unzugängliche Absturzgebiet gebracht.

Forensik-Experten arbeiten in einem provisorisch eingerichteten Labor in Seyne-les-Alps, um die Opfer möglichst schnell zu identifizieren. 

+++ Die Polizei habe in Seyne-les-Alpes unweit der Absturzstelle ein Labor eingerichtet, sagte der Vizedirektor des Kriminalitäts-Forschungsinstituts der National-Gendarmerie, Patrick Touron, der Agentur AFP am Sonntag. Dort arbeiteten rund 50 Experten, darunter Rechtsmediziner. Ziel sei es, die sterblichen Überreste der Opfer so rasch wie möglich an die Angehörigen zu übergeben.

+++ Auch sechs Tage nach der Katastrophe ist der zweite Flugschreiber der Germanwings-Maschine im ausgedehnten Trümmerfeld in der Nähe des Örtchens Seyne-les-Alpes verschollen. „Er wurde immer noch nicht gefunden“, sagte Staatsanwalt Brice Robin am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Die Ermittler erhoffen sich von den darauf gespeicherten Flugdaten Aufschluss darüber, was an Bord des Germanwings-Airbus geschah, bevor die Maschine an dem Bergmassiv zerschellte.

Staatsanwalt: Bergung der Toten hat Priorität

+++ Die Nachrichtenagentur AFP berichtete, die Ermittler hätten inzwischen die DNA von 78 Menschen gesichert. Staatsanwalt Robin widersprach aber Spekulationen, wonach sterbliche Überreste des Copiloten der Unglücksmaschine bereits identifiziert wurden. „Es sind vertiefte DNA-Recherchen nötig, im Institut für Kriminalitätsforschung der National-Gendamerie“, so Robin zur dpa. DNA steht für den chemischen Aufbau von Erbinformationen. „Wir haben noch keine Opfer identifiziert, sondern DNA-Spuren“, so Robin. Bisher seien diese Informationen noch nicht mit denen der Familien verglichen worden. Die Identifizierung der Opfer werde noch mehrere Tage in Anspruch nehmen.

+++ Die Bergung sterblicher Überreste absoluten Vorrang. „Es gibt die Hoffnung, das bis Ende kommender Woche zu machen, das ist für uns die Dringlichkeit“, sagte Staatsanwalt Brice Robin am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Wenn die Leichen und Leichenteile wie erhofft binnen sieben Tagen geborgen seien, wollten die Ermittler in einer zweiten Phase dann Wrackteile sichern, die für die Recherchen nötig seien.

+++ Bayerns katholische Erzbischöfe haben das Leid der Angehörigen nach dem Flugzeugabsturz in den Mittelpunkt ihrer Predigten am Palmsonntag gestellt. „Die schrecklichen Bilder dieses Flugzeugunglücks begleiten uns, die furchtbaren Fantasien und Vorstellungen, was mit einem Menschen los ist, der 150 Menschen in den Tod bringt“, sagte der Münchner Kardinal Reinhard Marx im Liebfrauendom. Das Leiden und Sterben Christi umfasse die gesamte Menschheitsgeschichte. Dies gelte auch für das, „was wir diese Woche erlebt haben“. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick rief zum Gebet für die Opfer der Katastrophe auf.

+++ Papst Franziskus hat zum Auftakt der Karwoche der Opfer der Germanwings-Katastrophe gedacht. Er bete für „die Opfer des Flugzeugabsturzes, unter denen auch eine Gruppe deutscher Schüler war“, sagte das Oberhaupt der Katholiken beim traditionellen Angelusgebet am Sonntag in Rom. Zuvor hatte Franziskus die Messe zum Palmsonntag am Petersplatz zelebriert.

+++ Knapp an einer Katastrophe vorbei geschrammt sind die Passagiere eines A320 der Air Canada in Halifax. Die Maschine rutschte bei der Landung von der Piste. 25 Menschen an Bord wurden verletzt.

+++ Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft will frühestens am Montag weitere Ermittlungsergebnisse zum Absturz der Germanwings-Maschine bekanntgeben. Vorher werde die Behörde zu dem gesamten Thema keine Angaben machen, betonte ein Sprecher am Sonntag. Medienberichte zum Gesundheitszustand des Copiloten oder zur Auswertung des Stimmenrekorders kommentierte er nicht.

+++ Im Internet herrscht Empörung über einen Kommentar in der feministischen Zeitschrift Emma: Autorin Luise Pusch stellt die These auf: "Amokläufe sind Männersache". Deswegen täte die Lufhansa gut daran, in Cockpits eine Frauenquote einzuführen. "Die Lufthansa könnte also das Risiko, dass ihre Piloten das Flugzeug zu Selbstmord und vielfachem Mord missbrauchen, mit jeder Frau, die sie zur Pilotin ausbilden, ganz erheblich reduzieren."

Zudem kritisiert die Autorin, dass in der Öffentlichkeit pauschal von zwei getöteten Lehrern und 16 Schülern aus Haltern die Rede sei. Tatsächlich seien es aber zwei Lehrerinnen, 14 Schülerinnen und zwei Schüler.

Kritik an TV-Talks zum Absturz: "spekuliert, fantasiert, gelogen"

+++ Die "Bild"-Zeitung hat Auszüge aus dem verwertbaren Material des Voicerecorders der abgestürzten Germanwings-Maschine veröffentlicht. Demnach hört man auf den Aufzeichnungen, wie vehement der aus dem Cockpit ausgesperrte Pilot versucht, wieder an seinen Arbeitsplatz zurückzukehren. "Um Gottes Willen, mach die Tür auf", ist beispielsweise einmal zu hören. Zu diesem Zeitpunkt ist die Maschine noch gut 7000 Meter über dem Boden. Nachdem dann metallische Schläge gegen die Cockpit-Tür zu hören sind, hört man den Piloten noch einmal schreien: "Mach die verdammte Tür auf!"

Kurz vor dem Ende der Aufnahmen soll wollen Experten zudem noch ermittelt haben, dass die rechte Tragfläche wohl einen Berg touchierte, ehe das Flugzeug auf dem Grund aufschlug.

+++ Scharfe Kritik an den Fernseh-Gesprächsrunden über den Absturz des Germanwings-Flugzeugs hat der Vorstandsvorsitzende des Luftfahrtunternehmens Airbus, Tom Enders, geäußert. "Was wir kritisch hinterfragen sollten, ist das Unwesen, das manche 'Experten' vor allem in TV-Talkshows treiben", sagte Enders der "Bild am Sonntag". "Teilweise wurde dort ohne Fakten spekuliert, fantasiert und gelogen", sagte Enders. "Oft hanebüchener Unsinn. Das ist eine Verhöhnung der Opfer."

Zu den bisherigen Ermittlungsergebnissen, dass der Absturz vom Co-Piloten bewusst herbeigeführt worden ist, sagte er: "Piloten verdienen auch weiter unser Vertrauen. Ein schwarzes Schaf macht noch keine Herde." Piloten seien in der Regel "sehr zuverlässig" und "erstklassig ausgebildet".

Trauergottesdienst für die Opfer des Germanwings-Absturzes

Trauergottesdienst für die Opfer des Germanwings-Absturzes

+++ Angehörige und Freunde der verunglückten Germanwings-Passagiere haben darum gebeten, ungestört und in Ruhe trauern zu können. Viele Betroffene haben sich mit dieser Bitte unabhängig voneinander an die Fluggesellschaften gewandt und um Zurückhaltung der Medien gebeten, teilte die Lufthansa am Samstag mit.

+++ Der Co-Pilot der abgestürzten Germanwings-Maschine soll unter massiven Sehstörungen gelitten haben. Das meldete zumindest die "Bild am Sonntag" vorab. Laut dem Pressebericht, hatte sich der 27-Jährige deswegen in ärztliche Behandlung begeben. Ob diese Probleme organischer oder psychosomatischer Natur waren, sei derzeit unklar und Gegenstand von Ermittlungen.

Germanwings-Absturz: Bilder vom Unglücksort, Trauer weltweit

Germanwings-Absturz: Einsatzbilder vom Unglücksort

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AFP, dpa

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