Andreas L.s Eltern trauern öffentlich

Germanwings-Absturz: Angehörige kritisieren Traueranzeige

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Angehörige der Opfer stehen ein Jahr nach dem Germanwings-Absturz in Le Vernet an der Stelle, an der die Maschine in den französischen Alpen zerschellt ist.

Montabaur - Beim Germanwings-Absturz haben auch die Eltern des Co-Piloten Andreas L. ihren Sohn verloren. Sie trauerten nun öffentlich - und handelten sich damit die Kritik der Angehörigen der Opfer ein.

Update vom 19. Mai 2016: Am Donnerstag ist eine Maschine der ägyptischen Fluggesellschaft Egyptair mit der Flugnummer MS804 über dem Mittelmeer abgestürzt. Wir halten Sie im News-Ticker auf dem Laufenden.

Bislang hatten sich die Eltern des Co-Piloten der Germanwings-Maschine, Andreas L. aus Montabaur (Rheinland-Pfalz), in der Öffentlichkeit zurück gehalten. Nun veröffentlichten sie eine Traueranzeige für ihren Sohn in der Westerwälder Zeitung, wie die Bild berichtet. "Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns in einem Jahr voller Erschrecken und Angst, Nichtbegreifens, Ruhelosigkeit, Sprachlosigkeit, Verzweiflung und nicht bewältigter Trauer beigestanden und geholfen haben, unseren so sehr großen Verlust zu tragen und alles, was über uns hereinstürzte, auszuhalten", ist darin zu lesen.

Ihr Sohn ist für den Absturz des Flugzeuges verantwortlich: Er hatte die Germanwings-Maschine am 24. März 2015 auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen an einem Berghang zerschellen lassen und so 149 Menschen, darunter eine Schulklasse, in den Tod gerissen. Erst kürzlich hatten mehr als 600 Hinterbliebene den Opfern der Katastrophe gedacht.

"Wut nicht in Worte fassen": Angehörige kritisieren die Traueranzeige

In erster Linie bedanken sich die Eltern bei den Menschen, die ihnen im vergangenen Jahr beigestanden haben. "Danke an alle in der Stadt Montabaur für den Zusammenhalt und den geschützten Raum, den ihr für uns geschaffen habt." Für die Eltern des Co-Piloten ist es nicht einfach, um ihren Sohn zu trauern. Bei der Trauerfeier zum Jahrestag des Absturzes wurden die 149 Namen der Getöteten laut vorgelesen - doch der Name "Andreas L." war nicht dabei. Auch vom Kreis der Angehörigen der Opfer ihres Sohnes sind sie ausgeschlossen.

Die Angehörigen der Opfer kritisierten die veröffentlichte Traueranzeige, denn: Die 149 Menschen, die bei der Katastrophe ums Leben kamen, werden nicht erwähnt. Der Anwalt, der die 39 Opfer-Familien vertritt, sagte zur Bild im Namen der Angehörigen: "Wir können unser ermordetes Kind nur noch am Grab besuchen, in der Danksagung der Familie L. wird ihr Sohn als wertvoller Mensch beschrieben. Man kann unsere Wut derzeit nicht in Worte fassen."

Ein Jahr nach Germanwings-Absturz: Gedenken an die Opfer

Ein Jahr nach Germanwings-Absturz: Gedenken an die Opfer

Ein Vater allerdings, dessen Sohn bei der Germanwings-Katastrophe ums Leben kam, äußerte auch teilweise Verständnis: "Ich kann die Trauer der Eltern verstehen, sie haben ihren Sohn verloren. Aber mit dieser Danksagung in die Öffentlichkeit zu gehen, in der mit keinem Wort die 149 Menschen erwähnt werden, die dieser Mensch ermordet hat – mir fehlen die Worte über diese Ignoranz und Pietätlosigkeit."

Jahrestag Germanwings: Besuch der Absturzstelle

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