Fakten und Infos im Check

Germanwings-Absturz: Das wissen wir wirklich

Trümmer des abgestürzten Germanwingsfliegers.
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Forensiker suchen unter den Trümmern des abgestürzten Germanwings-Fluges nach der Blackbox.

Seyne-les-Alpes - Was wissen wir wirklich über den Absturz des Germanwings-Airbus in Frankreich? Was ist Spekulation und welche Informationen gelten aktuell als gesichert? Der Fakten-Check:

Bei der schieren Masse an Informationen, die zum Absturz des Germanwings-Flugs 4U9525 am 24. März 2015 vorliegen, verliert man schnell den Überblick. Wir lichten den Informationsdschungel und zeigen die wichtigsten Hinweise und was davon offiziell bestätigt ist.

Ist es sicher, dass der Co-Pilot das Germanwings-Flugzeug absichtlich abstürzen ließ?

Alles deutet darauf hin, doch die Möglichkeit eines technischen Defekts schließen die Ermittler auch noch nicht aus. Dafür fehlen noch technische Daten, da der Flugdatenschreiber bislang nicht gefunden werden konnte. Lediglich der Stimmenrekorder wurde aus dem Cockpit geborgen.

Was geschah in den letzten Minuten vor dem Absturz?

Der wichtigste und unstrittigste Beweis für die Aufklärung der Katastrophe sind die Audioaufnahmen aus dem Cockpit. Diese lassen für die Ermittler kaum einen Zweifel daran, dass der Co-Pilot Andreas L. den Flieger bewusst abstürzen ließ: Der Staatsanwaltschaft Marseille zufolge hört man auf den Aufnahmen, wie sich beide Piloten in den ersten 20 Minuten des Fluges ganz normal und "freundlich" unterhielten. Der Kapitän lässt dann Andreas L. das Ruder übernehmen - sehr wahrscheinlich, weil er auf Toilette geht. Kurz darauf sei zu hören, wie der Co-Pilot den Sinkflug einleitet. Das könne "nur gewollt gewesen sein", sagte Staatsanwalt Brice Robin. Danach hört man den Ermittlern zufolge, wie der Kapitän über die Gegensprechanlage und durch Klopfen Andreas L. auffordert, die Tür zu öffnen. Doch der Co-Pilot reagiert nicht, man hört ihn bis zum Aufschlag atmen.

War Co-Pilot Andreas L. depressiv?

Die Polizei ermittelt in diese Richtung und es gibt auch einige Hinweise auf eine Depression des Co-Piloten. So soll etwa in der Krankenakte von Andreas L. der Vermerk "SIC" aufgetaucht sein - das würde bedeuten, dass der Germanwings-Pilot regelmäßig medizinisch untersucht werden musste. Die Welt am Sonntag berichtete außerdem unter Berufung auf Ermittlerkreise darüber, dass Andreas L. in psychologischer Behandlung war und Medikamente zur Behandlung von psychischen Krankheiten in seiner Wohnung gefunden worden waren. Außerdem gehe auch aus seinen persönlichen Aufzeichnungen hervor, dass er psychische Probleme hatte, zitierte das Blatt einen Ermittler.

Dass Andreas L. depressiv war, ist also wahrscheinlich, doch die Ermittlungsbehörden haben diese Informationen noch nicht bestätigt. Die offiziellen Angaben: Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf fand in der Wohnung des Co-Piloten der Germanwings-Maschine zerrissene Krankschreibungen, die auch den Tag des Absturzes umfassten. Warum er krankgeschrieben war, wurde nicht veröffentlicht. Germanwings gab an, dass Andreas L. diese Atteste nicht eingereicht habe. Er verheimlichte also seine Krankheit. Ebenfalls bestätigt - aber kein sicheres Zeichen für eine Depression - ist: Andreas L. legte 2009 eine mehrmonatige Pause in seiner Ausbildung ein. Das bestätigte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Warum er diese einlegte, sagte er nicht, nannte das aber nicht unüblich. Nach dieser Pause sei seine Flugtauglichkeit erneut überprüft und festgestellt worden.

Ist eine Lebenskrise von Andreas L. schuld am Germanwings-Absturz?

Befürchtete Andreas L., dass ihm sein Leben entgleitet? Die Freundin des Co-Piloten soll sich schon nach einer eigenen Wohnung umgeschaut haben, weil sie ihn verlassen wollte - er soll kontrollsüchtig gewesen sein. Eine Ex-Freundin berichtete außerdem davon, wie Andreas L. die Tat sogar indirekt ankündigte, was ihr erst nach dem Germanwings-Absturz klar geworden sei. Außerdem tauchten Berichte auf, wonach Andreas L. ernsthaft befürchten musste, seine Flugzulassung zu verlieren. Die New York Times berichtete als erste davon, dass er Schwierigkeiten mit seiner Sehfähigkeit gehabt haben soll. Die Zeitung beruft sich dabei auf Ermittler und spekuliert auch darüber, ob das mit psychischen Problemen zusammenhängen könnte.

Für die Polizei ist dieser Ermittlungsansatz grundsätzlich interessant: Jean-Pierre Michel, der Chef der französischen Ermittler, die in Düsseldorf mit der deutschen Polizei arbeiten, sagte, dass die "Persönlichkeit von Andreas L. eine ernsthafte Spur" in den Ermittlungen sei. Bislang sei aber noch kein "spezielles Element" im Leben des Co-Piloten aufgetaucht, wie Liebeskummer oder berufliche Probleme. Einen Abschiedsbrief oder ähnliches, was über seine Motivation Aufschluss geben könnte, hat die Polizei bislang auch nicht gefunden.

tz

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