Germanwings-Absturz in den Alpen

Ticker: Offenbar Video aus Unglücksmaschine aufgetaucht

Germanwings Co-Pilot Andreas L.
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Die Familie des Co-Piloten Andreas L. ist derzeit nicht am Unglücksort.

München - Am Dienstag hat sich Germanwings-Chef Thomas Winkelmann mit einer Video-Botschaft zu Wort gemeldet. Eine Straße zur Unglücksstelle ist jetzt fertiggestellt. Alle Informationen des Tages finden Sie hier im Live-Ticker.

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Germanwings-Absturz - die Fakten im Überblick

> Die Verkehrsfliegerschule der Lufthansa wusste während der Ausbildung von Copilot Andreas L. von einer vorausgegangenen Depression.

> Laut Düsseldorfer Staatsanwaltschaft galt der Co-Pilot Andreas L. vor einigen Jahren als suizidgefährdet.

> Der zweite Flugschreiber ist nach wie vor verschollen. Experten befürchten, es könne sehr schwer werden, ihn zu finden.

> Die Identifizierung der Opfer des Absturzes des Germanwings-Flugzeuges soll bis Ende der Woche und damit schneller als bisher angenommen beendet sein.

Identifizierung der Opfer schneller als gedacht

+++ Die Chefs von Lufthansa und Germanwings wollen am Mittwoch erneut an der Absturzstelle der Germanwings-Maschine der Opfer des Flugunglücks gedenken. Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Germanwings-Chef Thomas Winkelmann hätten außerdem geplant, in Marseille erneut mit Angehörigen Opfer zusammenzukommen, sagt ein Konzernsprecher am Dienstag.

+++ Am Absturzort der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen haben die Ermittler die Bergung der Leichen beendet. Es gebe keine Leichen mehr am Absturzort, teilte die Gendarmerie am Dienstagabend in Seyne-les-Alpes mit. Am Mittwoch würden Einsatzkräfte zu dem Ort aufsteigen, um die persönlichen Gegenstände einzusammeln.

+++ Ein Video aus der Germanwings-Unglücksmaschine soll Medienberichten zufolge Bilder aus den letzten Sekunden des Flugs 4U9525 zeigen. „Bild“ und das französische Magazin „Paris Match“ berichteten am Dienstagabend, Mitarbeiter hätten die Sequenz ansehen können. Das Video sei am Unglücksort von einer Person gefunden worden, die zum Kreis der Ermittler gehöre. Es belege, dass die Passagiere an Bord gewusst hätten, in welch verzweifelter Lage sie sich befanden, berichtete „Bild“. In mehreren Sprachen sei der Ausruf „Mein Gott“ zu hören. Der Zeitung zufolge ist die Szenerie an Bord chaotisch und völlig verwackelt, einzelne Personen seien nicht identifizierbar. Die Echtheit des Videos sei unzweifelhaft.

+++ Die Verkehrsfliegerschule der Lufthansa wusste während der Ausbildung von Copilot Andreas L.von einer vorausgegangenen Depression. In einer E-Mail habe der damalige Flugschüler 2009 im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme seiner Ausbildung die Verkehrsfliegerschule über eine „abgeklungene schwere depressive Episode“ informiert, teilte die Lufthansa am Dienstagabend mit.

+++ Ein Ermittlerteam aus Düsseldorf ist zur Absturzstelle der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen aufgebrochen. Unter ihnen ist auch der Chef der Sonderkommission „Alpen“, Roland Wolff (55), wie die Düsseldorfer Polizei am Dienstag mitteilte. Mit den vier deutschen Polizisten flogen die vier französischen Ermittler, die die Arbeit in Düsseldorf bisher unterstützt hatten.

+++ Die Behelfsstraße zum Absturzort des Germanwings-Airbus in den französischen Alpen ist endgültig fertiggestellt. Die Ermittler der Gendarmerie gelangten am Dienstag erstmals mit Geländewagen bis unmittelbar zum Unglücksort, wie ein Sprecher der Gendarmerie sagte.

+++ Germanwings-Chef Thomas Winkelmann hat den Helfern in einer Videobotschaft gedankt. „Die Retter, Helfer und Betreuer vor Ort leisten Unermessliches“, sagte er. „Sie werden in beispielloser Weise unterstützt durch die Bevölkerung von Seyne-les-Alpes und der umliegenden Orte. Auch innerhalb unserer Germanwings-Familie und der gesamten Lufthansa-Gruppe kennt die Hilfsbereitschaft keine Grenzen.“ Der Verlust des Fluges gehöre zweifellos „zu den größten Tragödien unseres Landes“. Germanwings werde weiterhin alles in seiner Macht Stehende tun, um den Hinterbliebenen zu helfen.

+++ Die Identifizierung der Absturzopfer soll nach den Worten von Frankreichs Präsident François Hollande deutlich schneller gehen als bisher angenommen. „Bis spätestens Ende der Woche ist es möglich, alle Opfer zu identifizieren“, sagte der Staatschef am Dienstag während einer Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin.

Familie des Co-Piloten nicht vor Ort

+++ Patricia Willaert appelliert an die Medien, den Schmerz der Familien zu respektieren.

+++ Das Mitgefühl der Einwohner der Gegend sei sehr stark. Die Einheimischen fühlten sich auch persönlich zutiefst betroffen.

+++ Sterbliche Überreste könnten derzeit noch nicht an Angehörige übergeben werden, da die Ermittler sie noch nicht freigegeben hätten.

+++ Familie des Co-Piloten Andreas L. seien entgegen anders lautenden Gerüchten nicht an den Unglücksort gereist. In dieser Hinsicht gibt es laut Patricia Willaert keine weiteren Informationen.

Außergewöhnliche Hilfsbereitschaft nach Germanwings-Absturz

+++ Mehr als 350 Angehörige seien mittlerweile im Unglücksort angekommen. An der Betreuung der Familien werde rund um die Uhr gearbeitet. Die Behörden erwarten anlässlich der anstehenden Osterfeiertage noch mehr Angehörige.

+++ Mehr als 2000 Unterkünfte haben den Angaben von Patricia Willaert, Präfektin des Departements Alpes-de-Haute-Provence, Einheimische zur Unterstützung der Einsatzkräfte und zur Unterbringung der Angehörigen angeboten.

+++ In Frankreich findet derzeit eine Pressekonferenz des Départements in Seyne-les-Alpes nahe der Unglücksstelle statt. N24 berichtet im Livestream.

+++ Kanzlerin Angela Merkel hat Frankreich für die Unterstützung nach dem Absturz der Germanwings-Maschine mit 150 Toten gedankt. Deutschland und Frankreich seien in den ersten drei Monaten des Jahres „in Bewährungsproben enger zusammengerückt“, sagte Merkel am Dienstag nach den deutsch-französischen Regierungsgesprächen in Berlin mit Blick auf den Absturz und den Anschlag islamistischer Extremisten auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“.

+++ Bei der Frage um das Tatmotiv von Andreas L. verdichten sich laut Medienberichten die Hinweise. Der 27-Jährige soll befürchtet haben, seine Flugtauglichkeit zu verlieren und in Folge dessen nicht mehr als Pilot arbeiten zu dürfen. Das berichtet die Bild unter Berufung auf einen Ermittler.

+++ In der Diskussion um Konsequenzen aus dem Absturz der Germanwings-Maschine haben sich Mediziner und Piloten gegen eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht ausgesprochen.

Lufthansa sagt Jubiläumsfeier ab

+++ Aus Respekt vor den Opfern des Germanwings-Absturzes von Flug 4U 9525 hat die Lufthansa ihre Feierlichkeiten anlässlich des 60-jährigen Bestehens abgesagt, wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab. Die Jubiläumsfeier war ursprünglich für den 15. April geplant gewesen. Stattdessen werde am 17. April die Gedenkveranstaltung aus dem Kölner Dom zu Ehren der Absturz-Opfer für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übertragen.

Bundeswehr unterstützt Germanwings-Bergungseinsatz

+++ Die Bundeswehr wird den Bergungseinsatz nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen mit zwei Hubschraubern unterstützen. Frankreich habe um die Hilfe gebeten, erklärte das Verteidigungsministerium am Dienstag.

+++ Seit dem Absturz der Germanwings-Maschine vor einer Woche überschlagen sich die Ereignisse. Hier eine Chronologie, was seit vergangenem Dienstag passiert ist:

Germanwings-Absturz: Chronologie der Ereignisse

+++ Bei der Analyse des Germanwings-Absturzes konzentriert sich die französische Untersuchungsbehörde BEA auch auf die Funktionsweise der Cockpit-Tür. Sie sei „von besonderem Interesse“, teilte die Einrichtung für die Sicherheit der zivilen Luftfahrt am Dienstag in Paris mit.

Zweiter Flugschreiber der Germanwings-Maschine vermutlich verschüttet

+++ Experten und Polizisten setzten am Dienstagmorgen ihre Suche nach sterblichen Überresten der 150 Opfer sowie nach dem zweiten, nach wie vor verschollenen Flugschreiber fort. "Mit Stangen wird in der losen Erde sondiert", hieß es bei der Polizei. "Wir vermuten, dass die Blackbox verschüttet wurde."

+++ Bisher musste die Helfer entweder per Hubschrauber zur schwer zugänglichen Absturzstelle der Germanwings-Maschine gebracht werden oder knapp eine dreiviertel Stunde zu Fuß laufen. Seit Dienstag kann der Unglücksort über die neu gebaute Straße erreicht werden. "Wir arbeiten schneller, länger und wir bringen mehr Proben zurück", berichtete die Polizei.

+++ Am Montag sorgte die Bekanntmachung, dass der Co-Pilot Andreas L. vor seiner Ausbildung als suizidgefährdet galt, für Aufsehen. Hier gibt es die komplette Erklärung der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft zum Nachlesen.

+++ Der Lufthansa-Chef Carsten Spohr wird am Mittwoch das Betreuungszentrum für Angehörige der Opfer des Germanwings-Absturzes in Marseille besuchen. In einem Hotel in der Mittelmeer-Metropole kümmern sich seit Samstag 90 Mitarbeiter um Angehörige, die zur Absturzstelle reisen wollen.

+++ An der unwegsamen Absturzstelle sind Hunderte Einsatzkräfte im Einsatz. Um den Zugang zum Unglücksort zu erleichtern, wurde am Montag mit dem Bau einer Straße begonnen. Aktuelle Bilder, wie es derzeit an der Einsatzstelle aussieht:

Germanwings-Absturz: Einsatzbilder vom Unglücksort

Millionen-Rückstellungen für Absturz-Kosten

+++ Eine Woche nach dem Absturz der Germanwings-Maschine hat ein Versicherungskonsortium um die deutsche Allianz 300 Millionen Dollar (279 Millionen Euro) an Kosten veranschlagt. "Ich kann bestätigen, dass 300 Millionen Dollar zurückgestellt worden sind", sagte eine Sprecherin der Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa am Dienstag in Frankfurt am Main. Es gehe unter anderem um finanzielle Entschädigungen für die Hinterbliebenen der 150 Opfer, die Kosten für den zerstörten Airbus A320 und für Betreuungskräfte.

Pressekonferenz des Départements um 15 Uhr

+++ Für Dienstagnachmittag (15.00 Uhr) ist eine Pressekonferenz des Départements in Seyne-les-Alpes nahe der Unglücksstelle geplant. Der Absturz dürfte auch Thema beim routinemäßigen Treffen der Regierungen von Deutschland und Frankreich in Berlin sein.

+++ Heute wird die Suche nach Opfern fortgesetzt. Neben ihrer Bergung steht das Auffinden des zweiten Flugschreibers im Mittelpunkt. Er soll weitere Erkenntnisse zum Geschehen vor dem Absturz liefern.

+++ Die Vereinigung Cockpit (VC) ist klar gegen eine Lockerung der Schweigepflicht im Fall von Piloten: „Das kann nur jemand sagen, der von der Materie gar keine Ahnung hat“, sagte der Präsident der Pilotengewerkschaft, Ilja Schulz, der „Rheinischen Post“. „Wenn mein Arzt von der Schweigepflicht entbunden ist, werde ich ihm gegenüber kein Problem ansprechen, weil immer die Angst vorm Fluglizenzentzug mitschwingt“, so Schulz. „Besteht die Schweigepflicht, kann der Arzt dagegen echte Hilfe anbieten.“

Germanwings-Co-Pilot galt vor Jahren als suizidgefährdet

+++ Der Germanwings-Co-Pilot war Jahre vor dem Absturz als suizidgefährdet eingestuft und in psychotherapeutischer Behandlung. In jüngster Zeit sei ihm aber weder Selbst- noch Fremdgefährdung attestiert worden, teilte die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft am Montag mit. Es habe jedoch bis zuletzt „weitere Arztbesuche mit Krankschreibungen“ gegeben.

Den Ticker vom Montag zum Nachlesen finden Sie hier.

AFP/dpa/vh

Veronika Hueber

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Jochen Lehbrink

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