Giftstoffe im Flugzeug: Airlines unter Druck

Frankfurt/Main - Über Giftstoffe in der Kabinenluft beschweren sich Piloten und Flugbegleiter schon seit langem. Doch nun geraten die Airlines immer stärker unter Druck.

n einem vertraulichen Papier des Bundesverbands deutscher Fluggesellschaften (BDF), das dem NDR Info vorliegt, befürchten die Mitgliedsunternehmen “ein potenzielles Aufflammen der öffentlichen Diskussion“, das dem Ruf der Airlines schaden könnte. Politiker und Gewerkschaften werfen ihnen dagegen Untätigkeit vor und fordern eine unabhängige Untersuchung.

Für die Airlines könnte es langsam ernst werden: Eine ehemalige Flugbegleiterin klagt vor dem Frankfurter Sozialgericht - und könnte damit zum Präzedenzfall werden. Von Gift in der Kabinenluft seien nicht nur Mitglieder der Besatzung betroffen, sondern auch Passagiere, sagte der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit (VC), Jörg Handwerg, gegenüber dem Radiosender. Das Papier des BDF zeige, wie die Airlines wirklich zu dem Thema stünden: “Man möchte das Problem nicht anerkennen.“ Weltweit gebe es mehr als 500 Personen mit gesundheitlichen Symptomen, deren Ursache in der Luftbelastung im Flugzeug vermutet werde. Handwerg forderte deshalb eine unabhängige und umfassende Untersuchung.

Piloten und Passagiere werden dem Schicksal überlassen

“Bei einer solchen Gefahr müsste man sofort aktiv werden“, forderte auch der verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament, Michael Cramer. Auf eine von ihm gestellte Anfrage hin hatte die EU-Kommission im Juni 2010 auf die Umsetzungspflicht der Mitgliedstaaten verwiesen. Die zuständigen Stellen würden sich gegenseitig den “Schwarzen Peter“ zuschieben, beklagte Cramer. “Sie sitzen das aus. Und Piloten und Passagiere werden dem Schicksal überlassen.“ Die Folgen können drastisch sein: Nach elf Jahren als Flugbegleiterin ist Aida Infante heute schwerbehindert.

Airlines & ihre Flugbegleiterinnen

Airlines & ihre Flugbegleiterinnen

“Es fing an wie eine Erkältung“, sagte die 42-Jährige auf DAPD-Anfrage. Später seien Konzentrations- und Sprachstörungen hinzugekommen, schließlich Lähmungserscheinungen. Bei ihrem letzten Flug im Jahr 1997 habe die gesamte Crew Symptome gezeigt. Bei Infante wurde der Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und ihrem früheren Beruf von mehreren Gutachtern nachgewiesen. Ihr ehemaliger Arbeitgeber, eine große deutsche Fluggesellschaft, habe die Nachweise jedoch stets ignoriert, fügte die 42-Jährige hinzu. Daher klagt die ehemalige Flugbegleiterin nun vor dem Frankfurter Sozialgericht. Das Urteil könnte zum Präzedenzfall werden: Sollte Infante Recht bekommen, drohen den Luftfahrtunternehmen möglicherweise enorme Kosten.

Nachrüstung von Flugzeugen teuer

Hohe Kosten zählen möglicherweise auch zu den Ursachen des Problems. Die in dem BDF-Papier genannte Behauptung, das Filtern der Kabinenluft sei “aus technischen Gründen nicht möglich“, ist dem Lufthygieniker Heinz-Jörn Moriske vom Umweltbundesamt zufolge falsch. Die notwendigen Systeme seien vorhanden - allerdings seien sie vergleichsweise aufwendig und damit teuer, sagte er der Nachrichtenagentur DAPD. Dass die Kabinenluft vielfach offenbar an den Triebwerken angesaugt werde, hält Moriske zudem für äußerst bedenklich. Für die Zulassung von Flugzeugen sei zwar das Luftfahrtbundesamt zuständig.

Wenn sich jedoch das in den Medienberichten dargestellte Ausmaß des Problems bestätige, dann könne aber auch das Umweltbundesamt aktiv werden. “Es ist unerlässlich, dass man im Zuge der technischen Prüfung von Flugzeugen auch Luftführungssysteme und deren mögliche Auswirkung auf die Gesundheit betrachtet“, betonte der Lufthygieniker. Der BDF wollte zu den Inhalten des internen Papiers gegenüber der Nachrichtenagentur DAPD keine Stellung beziehen. Das Dokument sei lediglich ein “allererster Entwurf“, sagte Sprecherin Carola Scheffler. Dem internen Papier zufolge haben von sechs deutschen Fluggesellschaften zumindest Air Berlin und Condor bereits “erste Präventivmaßnahmen“ getroffen.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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