Grillen auf dem Balkon: Was ist erlaubt?

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Grillen ist nicht überall unbegrenzt erlaubt

München - Die Alternative zum Barbecue unter freiem Himmel ist Grillen auf dem Balkon - gerade wenn das Wetter wechselhaft ist wie womöglich am Wochenende. Doch was ist eigentlich erlaubt?

Wolken, Regen, Sonne – auf das Wetter ist derzeit wirklich kein Verlass. Auch am Wochenende soll es wechselhaft werden. Auf das Grillvergnügen wollen viele trotzdem nicht verzichten und ziehen mit dem Gerät auf den Balkon, dann ist man bei einem Schauer schnell im Trockenen. Was beim Barbecue auf Balkonien erlaubt ist – die tz erklärt die Rechtslage:

Gibt’s ein Grillrecht?

Nein, es gibt kein Grundrecht auf Grillen. Zwar gibt es im Miet- und Wohnungsrecht keine konkreten Regeln, dafür aber zahllose Gerichtsentscheidungen. Die lange Reihe der Urteile zeigt, dass die Richter in der nationalen Streitfrage „Grillen, ja oder nein und wie oft?“ meist eher großzügig sind. Manche geben sogar praktische Tipps, wie sich die Qualmentwicklung mit Aluschalen und Folie eindämmen lässt und verlangen von genervten Nachbarn schlicht mehr Toleranz. Letztlich entscheidend ist aber immer das Gebot der gegenseitigen (!) Rücksichtnahme. Dies verpflichtet einerseits den Freund frisch gebrutzelten Grillguts, die Nerven der Nachbarn nicht über Gebühr zu strapazieren. Andererseits sind aber auch die Nachbarn verpflichtet, das Grillvergnügen nebenan auszuhalten – allerdings nicht grenzenlos.

Wo darf man grillen?

Auf Balkon, Terrasse und im Garten darf nach Herzenslust gegrillt werden – solange es nicht ausdrücklich im Mietvertrag oder durch die Hausordnung verboten ist, erläutert Alfred Poll, Vorsitzender des bayerischen Landesverbands des Deutschen Mieterbunds. Steht im Mietvertrag, dass auf dem Balkon eines Mehrfamilienhauses nicht gegrillt werden darf, ist dieses Verbot wirksam, entschied das Landgericht Essen (Az.: 10 S438/01). Wer sich an bestehende Regelungen nicht hält, riskiert die Kündigung, sagt Poll. Und zwar dann, wenn er nach einer Abmahnung den Verstoß ständig wiederholt, was aber selten vorkomme. Ohne ausdrückliche Regelung aber gilt laut Poll: „Wo kein Kläger, da kein Richter. Wenn sich keiner beschwert, kann man so viel grillen, wie man lustig ist.“ Thomas Fuhrmann, Bayerischer Landesvorsitzender des Wohnungs- und Grundeigentümerverbands in München, ergänzt: Trotzdem darauf achten, dass Rauch und Ruß vom Holzkohlegrill in konzentrieter Form nicht direkt in Nachbarwohnungen ziehen und stören! Das kann sogar einen Verstoß gegen das Immissionsschutzgesetz darstellen und mit einer Geldbuße belegt werden.

Kohle oder Strom?

In Mietshäusern kann der Vermieter das Grillen mit einem Holzkohlegrill per Hausordnung oder Mietvertrag regeln. Nicht nur der qualmende Rauch, sondern besonders die Feuergefahr rechtfertigen ein Verbot, erklärt Fuhrmann vom Grundeigentümerverband. Das Gebot der Rücksichtnahme: Grillen ist verboten, wenn es Nachbarn beeinträchtigt, etwa wenn man Rauch einatmen muss. Geruchsbelästigungen aber muss der Nachbar aus Gründen der gegenseitigen Rücksichtspflicht ertragen. Poll: „Dem Vegetarier, dem von gegrilltem Schweinebauch übel wird, kann ich nicht helfen.“ Auf der sicheren Seite ist, wer auf Balkonen von Mehrfamilienhäusern nur Elektrogrills verwendet. „Das kann ihnen niemand verbieten, wenn die Geruchsbelästigung den Nachbarn nur so stört, wie es ortsüblich ist“, sagt Fuhrmann. Auch das Landgericht Stuttgart empfahl Grillfreunden in einem Urteil, „wenn möglich mit Elektrogrill und Aluschalen statt Holzkohlegrill zu arbeiten“ (Az.: 10 T 359/96).

Was gilt im Garten?

Auch wer einen Garten hat, muss beim Grillen an die Nachbarn denken und Rücksicht nehmen. Zieht der Rauch in ein Schlafzimmerfenster, wird es schwierig. So entschied das Bayerische Oberste Landesgericht, dass ein Hauseigentümer nur am äußersten Ende des Gartens, 25 Meter vom Haus entfernt, seinen Grill aufstellen und höchstens fünfmal im Jahr auf dem Holzkohlefeuer grillen darf, weil der Rauch seinem Mieter in die Wohnung zog (Az.: 2 ZBR 6/99). Andere Gerichte zeigen sich großzügiger und erlauben in ähnlichen Fällen zehnmal Grillvergnügen pro Jahr. So heißt es etwa, dem Nachbar sei zuzumuten, dass so oft Qualm ins Schlafzimmer zieht, wenn er das Fenster nicht schließt.

Wann und wie oft?

Zeitliche Vorgaben, dass man beispielsweise nur einmal pro Monat grillen darf, sind reine Einzelfallentscheidungen, betont Poll vom Mieterbund. Sie zu verallgemeinern, sei „ziemlicher Quatsch“. Die Gerichte nennen ganz unterschiedliche Zahlen: Von 25-mal pro Jahr bis maximal 21 Uhr (Amtsgericht Berlin-Schöneberg) über zweimal monatlich zwischen 17 und 22.30 Uhr (Landgericht Aachen) bis zu allabendlich bis 22 Uhr, aber viermal jährlich sogar bis 24 Uhr (Oberlandesgericht Oldenburg).

Wie laut darf’s sein?

„Ein Dauerbrenner ist bei uns der Lärm bei Grillfesten. Der ist oft viel störender als das Grillen selbst“, sagt Poll. Es könne zwar hilfreich sein, den Nachbarn das Grillfest vorher anzukündigen, „aber wer weiß schon, wann Grillwetter herrscht“. Auf dem Balkon und im Garten „darf man feiern, lachen und sich unterhalten, doch muss man sich bewusst sein, dass das andere stört und Rücksicht nehmen“, sagt Poll. Zur Zeit der Nachtruhe ab 22 Uhr gelte es, „die Lautstärke massiv einzudämmen und zu flüstern oder reinzugehen“.

Susanne Sasse

Susanne Sasse

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