DVD: Hinweise auf weiteren NSU-Anschlag in Köln

Köln - Die Thüringer Neonzi-Gruppe NSU soll für einen weiteren Anschlag verantwortlich sein. Die Hinweise hat die DVD der mutmaßlichen Mörder geliefert. Unterdessen wurde ein mutmaßlicher Komplize dem BGH in Karlsruhe vorgeführt.

Im Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat am Montagnachmittag die Vorführung des am Sonntag bei Hannover festgenommenen mutmaßlichen Rechtsextremisten Holger G. vor dem Ermittlungsrichter begonnen. Der BGH-Richter entscheidet über den Antrag der Bundesanwaltschaft auf Erlass eines Haftbefehls wegen Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung “Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU). Holger G. soll sich 2007 der Gruppe angeschlossen haben, die für die “Döner-Mordserie“ und den Heilbronner Polizistenmord verantwortlich gemacht wird. Er wurde per Hubschrauber auf das BGH-Gelände gebracht.

DVD des Sadismus: Bilder aus dem Video der NSU

DVD des Sadismus: Bilder aus dem Video der NSU

Zuvor war bekannt geworden, dass vermutlich ein weiterer Anschlag auf das Konto der NSU geht. Bei dem Anschlag in Köln sei 2001 eine 19-jährige Deutsch-Iranerin durch eine Sprengfalle im Lebensmittelgeschäft ihrer Eltern schwer verletzt worden. Hinweise auf die Urheberschaft des Anschlags seien auf der DVD der mutmaßlichen Mörder entdeckt worden, auf der sich die Neonazis bereits zu dem Nagelbomben-Anschlag 2004 in Köln bekannt hatten.

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Bei den Ermittlungen gegen mutmaßliche Terroristen des “Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) hat die Bundesanwaltschaft offiziell Ermittlungen wegen des Anschlags mit einer Nagelbombe in Köln aufgenommen. Das sagte ein Sprecher der Behörde am Montag der Nachrichtenagentur dpa in Karlsruhe. Bei dem Attentat in einer von vielen Migranten bewohnten Straße im Jahr 2004 waren 22 Menschen zum Teil schwer verletzt worden. Viele von ihnen waren türkischer Herkunft. Nach Medienberichten hat sich die NSU in einem Bekennervideo mit der Tat gebrüstet.

Nach Auskunft der Bundesanwaltschaft wird gegen die mutmaßlichen NSU-Mitglieder derzeit außerdem wegen neun Morden an ausländischen Kleingewerbetreibenden (“Döner-Morde“) und dem Mordanschlag auf zwei Polizisten in Heilbronn 2007 ermittelt. Zudem sollen mehrere Banküberfälle auf das Konto der Täter gehen. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen prüfen die Polizeibehörden der Länder, ob weitere, bislang nicht aufgeklärte Taten möglicherweise auf das Konto der Rechtsterroristen gehen.

Der am Sonntag in der Nähe von Hannover festgenommene mutmaßliche Helfer des Zwickauer Trios, der 37-Jährige Holger G., sollte nach Angaben der Bundesanwaltschaft noch im Laufe des Montags dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe vorgeführt werden. Zur Frage nach möglichen weiteren Beteiligten machte der Sprecher keine Angaben. Das Umfeld der Beschuldigten werde jedoch “intensiv ausgeleuchtet“.

Bereits am Sonntag hatte der Ermittlungsrichter Haftbefehl gegen das mutmaßliche NSU-Gründungsmitglied Beate Zschäpe erlassen. Zwei weitere Mitglieder der Gruppierung hatten sich am 4. November selbst umgebracht.

dpa

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