Hundertprozentiger Schutz?

Bald erste Tests von Ebola-Impfstoff in Hamburg

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In vielen Ländern wird der Ebola-Ernstfall geübt, wie hier auf den Philippinen.

Frankfurt/Main - Wie es dem derzeit einzigen Ebola-Patienten in Deutschland geht, ist weiter unklar. Aber die Suche nach einem Impfstoff kommt voran. Ist Deutschland ausreichend gerüstet?

Im Kampf gegen die Ebola-Seuche setzen Mediziner auf den schnellen Einsatz von Impfstoffen. Zwei Substanzen würden bereits an Menschen getestet, in Tierversuchen hätten sie einen hundertprozentigen Schutz gezeigt, sagte Marylyn Addo vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (Hamburg) am Mittwoch auf einer Fachveranstaltung in Frankfurt.

Dabei wird abgeschwächten, genetisch veränderten Trägerviren ein kleines Proteinstück eines Ebola-Virus zugefügt, um den Geimpften immun zu machen. Der eine Impfstoff werde seit September in den USA, Großbritannien und Mali getestet. Der zweite - ein Lebendimpfstoff, der zum Teil in Marburg entwickelt wurde - werde in Kürze in der Schweiz, Gabun, Kenia und Deutschland getestet.

Eine Studie ist am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) geplant: Der Impfstoff werde in Phase eins insgesamt 30 gesunden Freiwilligen gespritzt, um mögliche Nebenwirkungen zu erkennen. In Phase zwei könnten bereits Tausende, vielleicht sogar Zehntausende Menschen in Afrika einbezogen werden, sagte Klaus Cichutek, Leiter des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts.

Diskutiert wird unter Experten, ob die Phase zwei angesichts der Epidemie in Westafrika übersprungen werden soll. „Es geht voran - und schneller als gedacht“, sagte Cichutek.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) strebt den großflächigen Einsatz von Impfstoffen in den Krisengebieten für Anfang des kommenden Jahres an. Bei den Tests derzeit gehe es neben der Sicherheit darum, die richtige Dosis zu bestimmen, hatte die stellvertretende WHO-Generaldirektorin Marie Paule Kieny am Dienstag in Genf erklärt. Eine Ebola-Erkrankung infolge der Impfung schloss sie aus, weil in den Stoffen nicht das gesamte Virus enthalten sei.

Aber auch wenn eine geringe Dosis wirksam sei, reichen laut WHO die Impfstoffe bei weitem nicht für alle Menschen in Westafrika. Deswegen müsse man mit den Verantwortlichen vor Ort klären, welche Personengruppen zunächst geimpft würden - als Beispiele nannte Kieny Ärzte, Ersthelfer oder Angehörige von Erkrankten.

Über den Gesundheitszustand des Frankfurter Ebola-Patienten gibt es weiterhin keine Informationen. Der Arzt aus Uganda, der sich in Sierra Leone angesteckt hatte, wird seit dem 3. Oktober auf einer Sonderisolierstation im Frankfurter Universitätsklinikum behandelt. Er ist einer von drei Afrikanern, die bislang zur Behandlung nach Deutschland gebracht worden sind. Einer starb, einer wurde geheilt.

Weitere Anfragen seitens der WHO gebe es bisher nicht, sagte Reinhard Burger, Präsident des Robert Koch-Institut. Sie abzulehnen „wäre nicht vertretbar“: Die Mediziner hätten ihr Leben riskiert, um die Epidemie bekämpfen. In Deutschland gebe es 7 Spezialzentren mit 47 Betten, „mit dieser Zahl liegen wir weltweit an der Spitze“.

In der Praxis könnten aber nicht so viele Ebola-Patienten aufgenommen werden, wie es Betten gibt, sagten Ärzte aus drei dieser Zentren. Schon zwei pro Zentrum brächten die Kliniken an die Grenze ihrer Kapazitäten. Der finanzielle und personelle Aufwand sei enorm.

Die Gefahr, dass sich wie in Spanien das Personal ansteckt, sei verschwindend, glaubt René Gottschalk vom Ständigen Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren. In Deutschland gebe es bessere Schutzkleidung und ein strengeres Protokoll beim An- und Auskleiden. Auch die Gefahr, dass der Ebola-Erreger über den Frankfurter Flughafen nach Deutschland eingeschleppt wird, hält Gottschalk, der auch Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts ist, für „extrem gering“.

dpa

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