Hochwasserlage verschärft sich

ICE-Hauptstrecken nach Deichbruch lahmgelegt

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Bundeswehrsoldaten schichten am 09.06.2013 auf einer durch das Hochwasser der Elbe überflutete Straße im Ortsteil Rothensee in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) auch am späten Abend Sandsäcke zu einem Schutzwall auf.

Berlin - Das Hochwasser der Elbe wandert unaufhörlich weiter. Nach dem Bruch eines Elbdeichs in Sachsen-Anhalt hat die Flut nun auch zwei Hauptstrecken der Bahn lahmgelegt.

Nach dem Bruch eines Elbdeichs in Sachsen-Anhalt mussten sich am Montagmorgen erneut Tausende Menschen vor den Wassermassen in Sicherheit bringen. Das Hochwasser behinderte auch den ICE-Verkehr auf mehreren Hauptstrecken stark. Montag früh sperrten die Behörden aus Sicherheitsgründen eine Eisenbahnbrücke über die Elbe nahe Stendal. Damit mussten Fernzüge von Frankfurt am Main und Hannover nach Berlin auf andere Strecken ausweichen. Dadurch gab es große Verspätungen. Bis zum Montagmittag seien aber keine Fernzüge ausgefallen, sagte ein Bahnsprecher. Die Dauer der Brückensperrung war weiter nicht absehbar. Sie hänge von der Hochwasserlage ab, ergänzte der Sprecher.

Nach einem Deichbruch an der Elbe bei Fischbeck (Sachsen-Anhalt) überflutet am 10.06.2013 das Hochwasser die Straße B 107 zwischen Havelberg und Genthin.

Der Deich beim Ort Fischbeck im Landkreis Stendal war gegen Mitternacht auf einer Länge von rund 50 Metern gebrochen, Wassermassen schossen durch die Lücke. Mehr als 1000 Menschen in nahen Ortschaften mussten ihre Häuser sofort verlassen. Helfer haben in den frühen Morgenstunden mit dem Bau eines Notdeichs auf 3,5 Kilometern Länge begonnen. Er sollte am Montagmittag fertiggestellt sein, sagte Wolfgang Brandt, Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement. Rund 300 Feuerwehrleute unterstützten die Bautrupps. Großflächige Überflutungen sind aber weiter möglich.

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) sagte in Stendal, die Bundeswehr verlagere derzeit weitere Kräfte in die Region. Es werde nach Auffanglinien für das Wasser gesucht. Die Wassermassen strömten Richtung Havel, ergänzte Landrat Carsten Wulfänger (CDU). „Es ist nicht auszuschließen, dass die Haveldeiche überspült werden von der Landseite.“ Welche Wege das Wasser nehmen nehme, sei nicht ganz klar.

Auch im nördlicher gelegenen Hohengöhren nahe Stendal ist die Lage an der Elbe kritisch. Nachdem ein Deich auf 30 Metern Länge abgerutscht war, wurde am Montagvormittag versucht, einen Bruch des Damms abzuwenden. In Magdeburg hat sich die Lage bei leicht sinkendem Pegel dagegen etwas entspannt. Das bedrohte Umspannwerk ist durch die Fluten nicht mehr in Gefahr. Bei einem Ausfall wären Tausende Haushalte in Magdeburg ohne Strom gewesen.

Magdeburg von Hochwasser der Elbe stark bedroht

Magdeburg von Hochwasser der Elbe stark bedroht

An der Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg laufen seit Sonntag planmäßig Polder voll, um die Hochwassersituation zu mildern. Nach Angaben des Krisenstabs der Landesregierung von Sachsen-Anhalt sollte dies voraussichtlich noch bis zum Montagmittag dauern. Dann seien die Polder voll.

Bekennerbrief: "Flut-Brigade" droht mit Deich-Sabotage

Zusätzlich sorgt in Sachsen-Anhalt ein Sabotage-Schreiben für Aufregung. Als "germanophobe Flut-Brigade" bezeichnet sich eine Gruppe, die mit mit Anschlägen auf Deiche gedroht hat.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich am Montagnachmittag über die Situation im Hochwassergebiet im brandenburgischen Wittenberge informieren. Gemeinsam mit Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) werde sie die Prignitz besuchen, um mit Helfern und Verantwortlichen zu sprechen, teilte die Staatskanzlei in Potsdam mit. In der Region bereiten sich seit Tagen Hunderte Helfer auf die Flutwelle vor. Diese wird am Dienstagmittag in Wittenberge erwartet.

Das ohnehin geplante Treffen der 16 Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) soll an diesem Donnerstag um Gespräche über die Fluthilfe erweitert werden. Die Schadenssummen in ganz Deutschland werden bereits auf zweistellige Milliardensummen geschätzt. Steuererhöhungen zur Finanzierung hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) aber bereits am Wochenende ausgeschlossen.

Die Flutwelle der Elbe bewegte sich unterdessen weiter Richtung Norden. Die Pegel im Land Brandenburg stiegen unaufhörlich. In Wittenberge erreichte der Fluss am Sonntagnachmittag einen historischen Höchststand von 7,85 Metern. Bis Dienstag sollen es 8,20 Meter werden - so hoch wie nie zuvor. Selbst bei der „Jahrhundertflut“ 2002 hatte das Wasser die Marke von 7,34 Meter nicht überschritten. Als normal gelten Pegel um die zwei Meter.

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Niedersachsen erwartet den Hochwasser-Scheitel der Elbe ebenfalls noch. In Schnackenburg und Hitzacker wurden schon am Sonntag neue Rekordwerte erreicht. Die von Elbe und Jeetzel umflossene Altstadtinsel von Hitzacker wurde bis Sonntagabend evakuiert. In Schleswig-Holstein wurde die Altstadt von Lauenburg evakuiert.

Von der Sperrung der Eisenbahnbrücke bei Stendal betroffen sind die ICE-Strecken Berlin-Hannover-Köln, Berlin-Kassel-Frankfurt und die IC-Strecke Berlin-Amsterdam. Aufgrund des Hochwassers gibt es keinen Busersatzverkehr. Im Bereich um Fischbeck sind außerdem Abschnitte der Bundesstraßen 107 und 188 wegen Überschwemmungen gesperrt.

dpa

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