Vom Klinikbett aus

Höhlenforscher bedankt sich bei seinen Rettern  

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Nach seiner Rettung wird Höhlenforscher Johann Westhauser in der Unfallklinik im bayerischen Murnau behandelt. Nach Angaben der Ärzte ist er in erstaunlich gutem Zustand.  

Berchtesgaden - Elf Tage voller Hoffen und Bangen liegen hinter ihm und seinen Rettern. Höhlenforscher Johann Westhauser wird nun behandelt - und hat sich gleich bei seinen Rettern bedankt.  

Der aus der Riesending-Schachthöhle befreite Forscher Johann Westhauser befindet sich nach Angaben der behandelnden Ärzte angesichts der hinter ihm liegenden Strapazen in einem "hervorragenden Zustand". Es sei eine "weitgehende Wiederherstellung" des an einem Schädel-Hirn-Trauma leidenden Patienten zu erwarten, sagte der Ärztliche Direktor der Unfallklinik im bayrischen Murnau, Volker Bühren, am Freitag vor Journalisten.

Der 52-jährige Westhauser liegt seit Donnerstag auf der Intensivstation des Krankenhauses in Murnau. Er war direkt nach seiner Rettung aus der Höhle dorthin gebracht worden. Mediziner der Klinik waren bereits während der Bergung in die Einsatzleitung eingebunden.

Westhauser war am Pfingstsonntag in 1000 Metern Tiefe von einem Steinschlag getroffen worden. Mehr als 700 Einsatzkräfte beteiligten sich an der tagelangen Bergung des Patienten aus Höhle.

Der Verlauf bei dem verletzten Westhauser hätte trotz der eingeschränkten Behandlungsmöglichkeiten in der Höhle und der sehr belastenden Bergung auch auf einer Intensivstation nicht besser sein können, sagte Bühren. Das sei so etwas wie ein "kleines Wunder".

Den Angaben der Mediziner zufolge erlitt Westhauser bei seinem Unfall ein Schädel-Hirn-Trauma mit einer Hirnblutung, was Auswirkungen auf seine motorischen Fähigkeiten hat. Das sei aber nur auf die Schwellungen zurückzuführen, in der betroffenen Hirnregion sei nichts zerstört, betonte Bühren. "Das wird sich mit der Zeit deutlich bessern". Westhauser Denkvermögen sei intakt. Er formuliere komplizierte Sätze, zudem sei nach seiner Einlieferung gut orientiert gewesen.

"Er wusste auch, dass Fußballweltmeisterschaft ist", sagte Bühren. Westhauser interessiere sich allerdings nicht für Fußball, ergänzte der Ärztliche Direktor des Krankenhauses: "Die Ergebnisse wollte er nicht wissen."

Die Ärzte präsentierten am Freitag auch einen kurzen Videoclip mit dem Verletzten, auf dem dieser einige Sätze sagte. Diese waren aber nicht zu verstehen. Bühren zufolge lag das an den motorischen Problemen.

Westhauser erlitt durch den Steinschlag nach Angaben seiner Mediziner außerdem einen Schädel- und einen Jochbeinbruch. Diese Verletzungen seien aber relativ unbedeutend. Wegen der Jochbeinfraktur soll er in der nächsten Woche kurz operiert werden. Insgesamt sei von einer Genesungs- und Rehabilitationszeit von drei bis sechs Monaten auszugehen, sagte Bühren. Der Patient habe bereits am Donnerstag drei Stunden lang Besuch von seiner Familie erhalten, sein Zustand habe sich seit der Ankunft in der Klinik immer weiter verbessert.

Fotos: Höhlenforscher gerettet

Fotos: Höhlenforscher gerettet

Wie viel die Aktion gekostet hat, darüber hüllen sich die Helfer in Schweigen. Einsatzleiter Klemens Reindl sagte lediglich: „Wir haben uns jetzt um die Rettung gekümmert - und über Geld reden wir später. Wir haben sicher nicht zu viel getan, aber wir haben auch nicht aus Kostengründen etwas unterlassen, was notwendig gewesen wäre.“ Es werde zwar „eine Rechnung geben“. Aber damit müssten sich nun die jeweiligen Verwaltungen befassen.

Die Bergwacht würdigte die Leistung der Helfer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Kroatien. Zunächst hätten große Zweifel bestanden, ob es gelingen könne, den Verletzten zu bergen. Reindl sprach von einer „Mammutaufgabe“. Nach kürzester Zeit seien die besten Höhlenretter aus ganz Europa versammelt gewesen. 202 Retter seien allein in der Höhle im Einsatz gewesen.

Westhauser arbeitet am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). In seiner Freizeit ging er der Höhlenforschung nach.

Heimatgemeinde will Westhauser porträtieren

Sein Wohnort Pfinztal bei Karlsruhe freut sich auf die Rückkehr des Forschers. „Wir haben in unserem Gemeindeblatt eine Rubrik "Menschen aus Pfinztal" und hoffen, dass er uns ein bisschen was erzählt und wir ihn da mal vorstellen können“, sagte Hauptamtsleiter Wolfgang Kröner am Freitag. Zwar sei Westhauser in der 17.700-Einwohner-Gemeinde erst durch das Unglück in der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden bekanntgeworden. „Er lebt ja erst seit rund einem Jahr hier.“ Dennoch hätten die Bewohner die Ereignisse in Bayern „mit großer Sorge“ verfolgt.

Nun wolle die Verwaltung aber erst einmal ein Fax mit Genesungswünschen ins Krankenhaus nach Murnau schicken, wo der 52-Jährige liegt. Vermutlich sei auch Pfinztals Bürgermeisterin Nicola Bodner (parteilos) an einem Treffen interessiert, sagte Kröner.

Hier spricht der Höhlenforscher

dpa/AFP

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