Immer mehr Bundeswehr-Soldaten leiden psychisch

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Ein deutscher ISAF Soldat sitzt bei Yaftal e Sofia in Afghanistan.

Kabul - Kämpfe, Anschläge und der Tod von Kameraden hinterlassen bei immer mehr Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan seelische Wunden.

Gab es im vergangenen Jahr insgesamt 245 Fälle von Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS), so waren es 2009 allein im ersten Halbjahr bereits 152. Dies teilte das Verteidigungsministerium am Donnerstag mit. Kritik von Experten und von der FDP, dass die betroffenen Soldaten nicht ausreichend versorgt würden, wies das Ministerium zurück. Dies sei einseitig. Gleichzeitig räumte ein Sprecher aber ein, dass in Afghanistan bei einem Einsatz von bis zu 4.500 Soldaten nur ein Psychiater und zwei Truppenpsychologen zur Verfügung stehen. Insgesamt seien von 38 Dienstposten für Fachärzte für Psychiatrie nur 22 besetzt.

„Höhere Aufkommenswahrscheinlichkeit“

Der Sprecher betonte aber, dass zum Psychosozialen Netz (PSN) im Einsatz auch Truppenärzte, Militärseelsorger, sogenannte Peers (psychologische Ersthelfer in der Truppe) sowie Vorgesetzte und Kameraden gehörten. Die Zunahme bei den Fallzahlen erklärte das Ministerium mit der Erhöhung der Mandatsobergrenze von 3.500 auf 4.500 Soldaten sowie mit dem zunehmend harten Einsatz: “Je länger und robuster die Auslandseinsätze verlaufen, desto höher ist auch die Aufkommenswahrscheinlichkeit für Fälle von Posttraumatischer Belastungsstörung“, hieß es. Aber auch die zunehmende Sensibilisierung spiele eine Rolle: Die Bereitschaft wachse, Probleme zuzugeben.

Defizite beschrieben

Die Kampfhandlungen hatten im Einsatzgebiet der Deutschen in Nordafghanistan in den vergangenen Monaten erheblich zugenommen. Die “Süddeutsche Zeitung“ berichtete von einem Lagebericht des Psychiaters Mario Horst Lanczik, Oberstarzt der Reserve, der im Sommer in Masar-i-Sharif Bundeswehr-Soldaten mit PTBS untersucht habe. In seinem Mitte September fertiggestellten Bericht beschreibe Lanczik eine Reihe von Defiziten bei der Betreuung von PTBS-Kranken. Genannt werde unter anderem die Vielzahl unbesetzter Stellen und die Anwesenheit von nur einem Psychiater in Afghanistan . “Wissenschaftliche Untersuchungen zur Prävention, Behandlung und Verlauf von psychischen Erkrankungen nach Kampfhandlungen bei deutschen Soldaten liegen nicht in ausreichendem Maße vor“, zitiert das Blatt.

Soldaten fühlen sich nicht vorbereitet

Nach Erkenntnissen amerikanischer und israelischer Militärpsychiater weisen bis zu 30 Prozent von Soldaten, die an Kampfhandlungen beteiligt waren, psychische Erkrankungen und Störungen auf. “Bei deutschen Soldaten ist mit vergleichbaren Raten zu rechnen“, schreibt Lanczik. Alle von ihm untersuchten Soldaten hätten berichtet, dass sie auf die seelischen Folgebelastungen durch Tod und Verwundung von Kameraden bei Kampfeinsätzen nicht ausreichend vorbereitet würden. Bei der Behandlung von psychischen Störungen bleibe es weitgehend dem einzelnen Soldaten überlassen, die verschiedenen Maßnahmen von Ärzten, Psychologen und Militärseelsorgern abzustimmen. Verteidigungs-Staatssekretär Thomas Kossendey habe im Juni dem Verteidigungsausschuss bestätigt, dass die Bundeswehr dem Thema große Bedeutung zumesse. FDP -Politikerin Elke Hoff sagte jedoch der Zeitung: “Die Bundesregierung hat bisher versäumt, die psychische Betreuung und Behandlung der Soldaten zu verbessern.“ Die offenen Dienstposten in der Psychiatrie müssten schnellstmöglich besetzt werden. Das Ministerium sagte dies durch.

AP

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