Er verging sich jahrelang an ihnen

Jugendarbeiter wegen Kindesmissbrauchs verurteilt

Schwerin - Von Eltern und Kollegen unbemerkt hat sich ein Mitarbeiter eines Jugendvereins schwer an Kindern vergangen. Über Jahre hinweg.

In mindestens 53 Fällen hat sich ein knapp 42-jähriger ehemaliger Mitarbeiter eines Schweriner Jugendtreffs nach Überzeugung des Gerichts an ihm anvertrauten Kindern vergangen. Wegen zehnfacher Vergewaltigung und vielfachen sexuellen Kindesmissbrauchs verhängten die Richter am Mittwoch sechseinhalb Jahre Haft gegen den früheren Tanzgruppenleiter.

Der Blick einer Mutter sucht Halt an der Saaldecke. In der Reihe dahinter schießen einer Frau Tränen in die Augen, als am letzten Verhandlungstag vor dem Landgericht in Schwerin noch einmal die Misshandlungen ihrer Söhne detailreich geschildert werden. Vom Begrapschen der Genitalien bis zur mehrfachen Vergewaltigung eines Siebenjährigen reichen die Tatvorwürfe. Bis zur Aufdeckung der schweren Sexualdelikte im Sommer vorigen Jahres war der Verurteilte als engagierter Motor des vielbesuchten Treffs im Schweriner Plattenbaugebiet Großer Dreesch geschätzt gewesen.

„Ohne Wenn und Aber“ habe der Mann in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung die Straftaten zugegeben, stellte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung fest. Die Angaben seien durch die Schilderungen der Eltern und die Aussageprotokolle der Kinder gestützt worden. Mit dem Geständnis habe der Verurteilte den zur Tatzeit sieben bis 13 Jahre alten Jungs das Erscheinen vor Gericht erspart. Das Geständnis und die Tatsache, dass der Mann ohne Vorstrafen sei, seien strafmildernd berücksichtigt worden.

Neue Ermittlungen zu dem Fall aufgenommen

Der Richter räumte ein, dass das Urteil in den Augen der Eltern und der Öffentlichkeit als zu milde angesehen werden könnte. Doch maßgeblich seien Umfang und Schwere der Taten und das geltende Gesetz. Bei aller Betroffenheit müsse stets die gerechte Bestrafung im Fokus stehen. Staatsanwalt und Nebenklagevertretung hatten in ihren Plädoyers eine um ein Jahr längere Strafe gefordert. Hinweise auf verminderte Schuldfähigkeit gebe es nicht. Doch wertete auch der Ankläger das Geständnis zu Prozessauftakt als strafmildernd.

Der Verteidiger hatte der Staatsanwaltschaft eine sachliche Darstellung und eine angemessene Einordnung der Taten bescheinigt, in seinem Plädoyer aber kein Strafmaß genannt. Das Gericht ließ eine Revision gegen das Urteil zu, das damit noch nicht rechtskräftig ist. Der Staatsanwalt kündigte eine Prüfung von Rechtsmitteln an.

Voraussichtlich kommende Woche wird ein Sonderausschuss der Stadtvertretung seine Untersuchungen aufnehmen, ob das städtische Jugendamt unzureichend reagierte und die Polizei zu spät einschaltete. Bis dahin soll auch die Stadtverwaltung berichten. Gegen den Verurteilten laufen inzwischen neue Ermittlungen, nachdem sich im Verlauf des Prozesses weitere mögliche Opfer meldeten.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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