Ex-Nachbar angeklagt

Kleiner Dano: Tumult bei Auftakt zu Mord-Prozess

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Der Angeklagte (43) vor Gericht mit seiner Anwältin.

Bielefeld - Vor dem Bielefelder Landgericht hat der Mordprozess im Fall des im März getöteten kleinen Dano aus Herford begonnen. Dabei kam es zu einem Tumult.

Die Stimmung ist explosiv im großen Verhandlungssaal des Bielefelder Landgerichts. Als der mutmaßliche Mörder des fünfjährigen Dano am Mittwochmorgen zur Anklagebank geführt wird, begleiten ihn hasserfüllte Blicke von Danos Angehörigen im Zuschauerraum. Noch schweigen die Zuhörer, doch schon kurz nach Verhandlungsbeginn bricht sich bei zweien von ihnen die Wut Bahn. Einer der Männer beschimpft den Angeklagten als "Hurensohn", auch Danos Großvater springt von seinem Platz auf und gestikuliert wütend in Richtung des Angeklagten Ibrahim B.

Der Vorsitzende Richter Wolfgang Korte greift sofort durch und weist die beiden Männer aus dem Saal. Zuvor bereits hatte er Danos Großvater wegen erster Zwischenrufe ermahnt: "Sie haben jetzt den Mund zu halten." Doch als wenig später die Situation im Gerichtssaal erneut eskaliert, reicht es dem Richter. Er nimmt ins Protokoll auf, dass die beiden Männer wegen "sehr lauter emotionaler Zwischenrufe" den Verhandlungssaal verlassen mussten - mit nachdrücklicher Unterstützung von Polizisten.

Dabei gibt es eine kleine Rangelei, die aber nur wenige Sekunden dauert. Dennoch wirft die Szene eine bezeichnendes Licht auf den Prozess, für den nach Drohungen gegen den Angeklagten strengste Sicherheitsvorkehrungen gelten.

Angeklagter kündigt Erklärung an

Hoch erregt verfolgen Angehörige des kleinen Dano den ersten Prozesstag. B. hingegen lässt zu Beginn des Verfahrens keine Gefühlsregung erkennen. Auch zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft schweigt er - erst am zweiten Verhandlungstag in zwei Wochen will er eine Erklärung abgeben. Im Polizeiverhör allerdings hat der 43-jährige B. die Gewalttat an Dano bereits gestanden. Auszüge aus den entsprechenden Protokollen verliest Richter Korte am ersten Prozesstag.

Protokoll des Grauens

Am 14. März dieses Jahres hatte Dano demnach an der Wohnung von B. geklingelt, der damals im selben Gebäudekomplex wohnte wie Danos Familie. Der Fünfjährige wollte den Sohn von B. zum Spielen abholen, doch der wohnte nach der Trennung seiner Eltern nicht mehr bei dem 43-Jährigen. Mir rüden Worten will B. den kleinen Jungen deshalb an der Wohnungstür abgewiesen haben. Daraufhin habe Dano "etwas Beleidigendes gesagt", zitiert der Richter den Angeklagten aus dessen Vernehmungsprotokoll. B. versetzte dem Jungen demnach eine Ohrfeige. Dano drohte: "Das sag ich meinem Papa." Kurzzeitig beruhigte sich der Junge aber wieder - bis er Ohrenzeuge eines heftigen telefonischen Streits zwischen B. und seiner Ex-Lebensgefährtin wurde.

Offenbar bekam der Junge Angst, er schrie, wollte aus der Wohnung weglaufen. Doch der wegen des Beziehungsstreits überaus aggressive B. wollte Dano offenbar zum Schweigen bringen: Laut seinem Geständnis im Polizeiverhör griff er zu einer Bettdecke und warf sie über Dano, drückte sie ihm auf das Gesicht und schlug mehrfach mit der Faust zu. "Das habe ich so lange gemacht, bis Dano ruhig war", liest der Richter weiter aus dem Protokoll des Polizeiverhörs von B. vor.

Die Leiche soll der 43-Jährige dann laut Staatsanwalt Veith Walter in eine große Tüte gepackt und diese in einen Einkaufstrolley gelegt haben. Später werden die Ermittler dem mutmaßlichen Täter durch einen Zeugen auf die Spur kommen, der den 43-Jährigen am Tattag mit dem schwer bepackten Trolley gesehen hat.

Die Tränen von Danos Mutter

Zu den Zeugen, die bereits am ersten Verhandlungstag vor der Bielefelder Strafkammer aussagen, gehört auch Danos Mutter. Die 27-Jährige bezeichnet den Mann auf der Anklagebank als "Teufel mit der Tragetasche" - weswegen auch sie vom Richter ermahnt wird. "Er hat meinem Sohn das Leben weggenommen", sagt die zierliche Frau unter Tränen. Noch nicht einmal seine Einschulung habe Dano erleben dürfen. "Sein erster Schultag wäre jetzt."

afp

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