Beamte widersprechen Vorgesetzten

Kölner Polizisten: Tätern ging es ums "sexuelle Amüsement"

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Blumen wurden für die zahlreichen Opfer der sexuellen Attacken vor dem Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht abgelegt.

Köln - Mehrere in der Silvesternacht eingesetzte Kölner Polizisten haben nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" der Darstellung der Polizeispitze über den Ablauf der Ereignisse am Hauptbahnhof widersprochen.

Demnach seien durchaus etwa hundert Menschen kontrolliert und viele von ihnen auch vorübergehend festgenommen worden. Davon sei nur eine kleine Minderheit Nordafrikaner gewesen, die meisten dagegen Syrer. Dies habe sich aus vorgelegten Dokumenten ergeben.

"Es wurden, anders als öffentlich dargestellt, sehr wohl von zahlreichen Menschen die Personalien aufgenommen", zitierte die "WamS" (Onlineausgabe vom Donnerstag) einen Polizeibeamten. "Die meisten waren frisch eingereiste Asylbewerber", sagte demnach ein weiterer Polizist. Auch sei es nicht so, dass sexuelle Belästigungen vor allem dazu gedient hätten, Trickdiebstähle vorzunehmen. "In Wirklichkeit verhielt es sich genau umgekehrt", sagte demnach ein Beamter. Vorrangig sei es "den meist arabischen Tätern" um "ihr sexuelles Amüsement" gegangen.

Auch im "Kölner Stadt-Anzeiger" (Freitagsausgabe) hieß es unter Berufung auf eigene Recherchen, es seien in Mitteilungen der Polizei Angaben zur Herkunft kontrollierter Männer verschwiegen worden.

In der Silvesternacht hatte es am Kölner Hauptbahnhof zahlreiche sexuelle Übergriffe auf Frauen gegeben, häufig verbunden mit Diebstählen. Dabei war bislang der Eindruck entstanden, viele der Täter seien dem Anschein nach nordafrikanischer Herkunft gewesen.

Die von der "Wams" zitierten Ausgaben widersprechen allerdings auch aktuellen, offiziellen Angaben der Kölner Polizei, wonach bislang 16 mögliche Tatverdächtige identifiziert worden seien. Dabei handelt es sich demnach um junge Männer "weitestgehend" aus dem nordafrikanischen Raum. Insgesamt seien mittlerweile 121 Anzeigen von Opfern eingegangen. Dabei gehe es in etwa drei Viertel der Fälle um Sexualdelikte, teilweise verknüpft mit Eigentumsdelikten, teilte die Polizei am Donnerstag weiter mit.

Warnung vor Informations-"Wirrwarr"

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Irene Mihalic warnte "angesichts des Wirrwarrs an Informationen" davor, vor einer stringenten Analyse der Vorgänge "Mutmaßungen in die Welt zu pusten". Von einem "Fakten-Chaos" sprach die Grünen-Abgeordnete Kahtarina Dröge. Beide äußerten sich am Rande der Grünen-Klausurtagung in Weimar.

Unterdessen verwies der Geschäftsführer des Kölner Flüchtlingsrats, Claus-Ulrich Prölß, darauf, auch in Kölner Flüchtlingsunterkünften habe es in den vergangenen Monaten mehrfach sexuelle Übergriffe auf Bewohnerinnen gegeben, offensichtlich durch männliche Flüchtlinge. "Wir haben nach und nach von verschiedenen Fällen erfahren", sagte Prölß ebenfalls dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Er rechne zudem mit einer relativ hohen Dunkelziffer. Prölß warnte allerdings vor Verallgemeinerungen, wonach männliche Flüchtlinge generell zu solchen Taten neigen würden.

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afp

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