Attacke im August 2011

Kuh tötete Spaziergängerin - Halterin vor Gericht

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Sie hat aus Angst um ihr Kälbchen eine Fußgängerin getötet: Wegen des Angriffs von Kuh Verona auf eine Frau, steht die Besitzerin jetzt vor Gericht.

Dillenburg -„Verona“ soll eine Spaziergängerin getötet haben, womöglich um ihr Kalb zu beschützen. Oder war alles ganz anders? Neue Spuren stehen im Mittelpunkt des Prozesses vor dem Amtsgericht Dillenburg.

Eine Frau spaziert mit ihrem Hund an Wiesen und Weiden entlang. Plötzlich sieht sie sich der ausgebüxten Kuh „Verona“ gegenüber - wird angegriffen und getötet. Von diesem Geschehen im August 2011 im mittelhessischen Greifenstein geht zumindest die Staatsanwaltschaft aus. Rund fünf Jahre später muss das Amtsgericht Dillenburg erneut klären, ob wirklich „Verona“ als Täterin infrage kommt. Ein kniffliger Fall, zumal es neue Spuren gibt.

Auf der Anklagebank sitzt die Halterin des Rindes, ihr wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Die 63-Jährige soll nicht genug getan haben, um das freilaufende Tier wieder einzufangen. Mehrere Tage war ihre Kuh in Freiheit, zusammen mit einem frisch geborenen Kalb.

„Von der Beweiswürdigung her ist das ein sehr schwieriges Verfahren“, sagt Oberstaatsanwalt Uwe Braun zum Prozessauftakt am Mittwoch. „Wir haben das Problem, dass es keine unmittelbaren Zeugen gibt, nur eine Spurenlage.“ So wurde an der Kleidung der Toten DNA von „Verona“ sichergestellt. Auch die Verletzungen der 57-Jährigen ließen auf eine Kuh-Attacke schließen.

Für die Angeklagte sind alles lediglich „Mutmaßungen“

Aus Sicht der Anklage passierte Folgendes: Die Kuh und ihre Herde werden auf eine andere Weide getrieben. Dabei setzt sich „Verona“ ab. Wenige Tage später trifft das Tier, das kurz zuvor gekalbt hat, auf die Spaziergängerin. Getrieben von Mutterinstinkten kommt es zum Angriff. Möglicherweise fühlte sich die Kuh vom Hund der 57-Jährigen bedroht, sagt Braun.

Für die Angeklagte sind das alles lediglich „Mutmaßungen“. Es sei auch keine Gefahr von der Kuh ausgegangen. „Eine Kuh zieht sich die ersten Tage mit ihrem Kalb zurück“, sagt sie. Die 63-Jährige berichtet von verschiedenen Überlegungen und Versuchen, die Tiere einzufangen. Immer wieder habe sie nachgesehen, wo „Verona“ steckt. „Sie hätten nichts anderes machen können“, betont sie.

Schließlich wird die Spaziergängerin tot auf der Wiese gefunden, mit Rippenbrüchen und schweren Verletzungen des Brustkorbes. Ermittler können verschiedene Gen-Spuren an ihrer Kleidung sicherstellen. In einem ersten Prozess hatte 2013 ein Sachverständiger gesagt, diese passten zu „Verona“. Hinweise auf eine andere Kuh habe man nicht. Das Amtsgericht sprach die Angeklagte schuldig. Sie wurde verwarnt, erhielt eine Geldstrafe auf Bewährung. Das Oberlandesgericht Frankfurt hob das Urteil wegen formaler Fehler aber auf, weswegen nun erneut verhandelt wird.

War „Verona“ gar nicht die Übeltäterin?

Mittlerweile gibt es auf Initiative der Verteidigung ein neues Gutachten eines anderen Labors - das zu anderen Erkenntnissen kommt. Experten der Uni Göttingen nahmen die sichergestellten DNA-Proben unter die Lupe - und stellten fest, dass die Spuren von mindestens drei Rindern stammten: von „Verona“ sowie zwei anderen, unbekannten Tieren. Es könnten theoretisch sogar weitere Tiere als Spurenverursacher infrage kommen, erläutert der Sachverständige Bertram Brenig vor Gericht. Die sechs auffälligen Spuren könnten nicht sicher zugeordnet werden. Die unterschiedlichen Ergebnisse erklärt er mit feineren Methoden beim zweiten Gutachten.

Ist „Verona“ also doch unschuldig? Ist ein anderes Rind für den Tod der Spaziergängerin verantwortlich, vielleicht sogar ein freilaufender Bulle? Oder lassen sich die Spuren möglicherweise dadurch erklären, dass an „Veronas“ Fell Genspuren anderer Kühe hafteten und diese bei dem mutmaßlichen Angriff auf die Kleidung des Opfers gerieten? Das Gericht will am Donnerstag urteilen.

dpa

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