Urteil gefallen

Vater wirft Schuh auf den Mörder seines Sohnes

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Der Angeklagte kommt am 22.10.2014 in Bielefeld mit seiner Verteidigerin (M.) in den Gerichtssaal.

Bielefeld - Die Tat stürzte die Eltern in ohnmächtige Verzweiflung. Im Gericht demonstrierte der Vater für alle sichtbar seine Verachtung für den Mörder seines kleinen Sohnes.

Als Anfang April erste Aussagen über den Tod des fünfjährigen Dano in Herford durchsickerten, hieß es, ein Nachbar habe mit dem Mord eine Ohrfeige vertuschen wollen. Was für ein banales Motiv, sagten viele. Erst im Prozess tat sich der Abgrund aus Wut und Hass auf, der den 43-jährigen Täter nach Ansicht der Richter dazu trieb, ein völlig unbeteiligtes Kind zu töten und damit eine Familie in die Verzweiflung zu treiben. Das Landgericht Bielefeld verurteilte ihn am Mittwoch wegen Mordes zu lebenslanger Haft.

Richter Wolfgang Korte begründete das Urteil ohne ausschweifende Theorien und Hinweise auf angebliche Geständnisse, die im Prozess erörtert worden waren. Der 43-jährige Hilfsarbeiter habe Dano „aus Wut, Frustration und Hass“ umgebracht. Auslöser sei der andauernde Stress mit seiner Lebensgefährtin gewesen.

Die 28-Jährige war kurz vor der Tat mit den fünf gemeinsamen Kindern aus der Wohnung in Herford ausgezogen. Eines dieser Kinder war Danos bester Freund. Als Dano dann am 14. März an der Tür der Familie klingelt, ist er zur falschen Zeit am falschen Ort. Sein Freund ist nicht mehr da. Der Mann in der Wohnung ist völlig verzweifelt und aufgebracht. Und dann fasst er einen verhängnisvollen Entschluss: „Er hat seine ganze Wut an Dano, der völlig unbeteiligt war, ausgelassen“, sagte der Richter.

Der 43-Jährige sei von Anfang an nicht normal gewesen, hatte die Mutter seiner fünf Kinder im Prozess ausgesagt. Er sei jähzornig und gewalttätig. Seine Wut ließ er aber meist nicht an seiner Freundin aus, sondern suchte sich Sündenböcke. Mal flog das Handy an die Wand, mal knüppelte er mit einem Besenstiel auf den Fernseher ein. Auch diesmal sei er wieder „rasend vor Wut“ gewesen, sagte der Richter.

Wütend waren an allen Verhandlungstagen auch Mitglieder aus Danos Familie. Der Angeklagte und die Lebensgefährtin hatten im Gericht erzählt, dass die Familie der Frau ihn nicht wirklich akzeptiert habe. Der Familie galt er als Habenichts, der nicht einmal ein vernünftiges Brautgeld zahlen konnte. Die Familie stammt aus Albanien, er selbst ist Türke.

Immer wieder beschimpfen sie den 43-Jährigen, der reglos auf der Anklagebank sitzt und auf die Tischplatte starrt. Mehrmals werden Männer des Saales verwiesen. Eine Frau ruft: „Das ist ein Tier.“ Als das Urteil gesprochen ist und der 43-Jährige aus dem Saal geführt wird, wirft Danos Vater einen Schuh nach ihm. Ein Zeichen tiefster Verachtung. Die Mutter hatte den Mörder ihres Sohnes schon am vorigen Verhandlungstag gefragt: „Wieso hast du unser Herz kaputt gemacht?“

Auf den Verurteilten wartet eine ungewisse Zukunft. Frühestens nach 15 Jahren kann geprüft werden, ob er aus dem Gefängnis entlassen werden darf. Auch eine Ausweisung in die Türkei könnte in einigen Jahren auf ihn zukommen.

Und da ist auch noch der Fall Jenisa. Vor einigen Jahren lebte der heute 43-Jährige mit seiner Freundin in Hannover. 2007 verschwand dort die Nichte seiner Lebensgefährtin spurlos. Erst jetzt, sieben Jahre später, fand die Polizei bei Hannover die Überreste der Achtjährigen. Mithäftlinge während der Untersuchungshaft des 43-Jährigen hatten behauptet, der Mann habe die Tat gestanden und sie hatten den Ort beschrieben, wo er die Leiche versteckt habe. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover wieder.

dpa

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