Burschen verteilen Bier an Flüchtlinge

Mehrere Verletzte! So lief das Oktoberfest-Wochenende

München - Viel wurde geschrieben und spekuliert über das Aufeinandertreffen von Wiesn-Besuchern und Flüchtlingen: So lief das erste Wochenende.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) schlägt einmal, dann noch ein zweites Mal - dann ruft er schon "O'zapft is" und in allen Festzelten fließt das Bier auf dem Oktoberfest. Mit seinen nur zwei Schlägen stellt der seit dem vergangenen Jahr regierende Reiter den Rekord seines ein Vierteljahrhundert amtierenden Vorgängers Christian Ude ein. Darüber spricht die Stadt am ersten Oktoberfestwochenende - anders als in den vergangenen Wochen sind in München nicht mehr die Flüchtlingszahlen das große Thema.

Vor einem Jahr hatte Reiter als Neuling vier Schläge gebraucht und sich so darüber geärgert, dass er politisch unkorrekt "Scheiß drauf, Wurscht" fluchte. In diesem Jahr kam er wegen seines Dauereinsatzes zur Bewältigung der Flüchtlingszahlen kaum zum üben, doch der Anstich gelang ihm besser. Es läuft gut für den Oberbürgermeister, der für sein Auftreten in der Flüchtlingskrise zuletzt viel Zuspruch erhalten hat.

Zusammen mit der Regierung von Oberbayern und der bayerischen Landesregierung gelang es den politisch Verantwortlichen auch, passend zum Oktoberfest Münchens Funktion als Drehkreuz für Flüchtlingszüge außer Kraft zu setzen. "Hier kommt nichts mehr an", sagte ein Polizeisprecher am Münchner Hauptbahnhof. Wenige Dutzend Flüchtlinge am Samstag, wenige Dutzend am Sonntag saßen in den Zügen - am Wochenende davor waren es noch 20.000 Menschen.

Vor dem Nordeingang des Haupteingangs kam es deshalb nicht zu dem vor wenigen Tagen noch befürchteten Aufeinandertreffen Betrunkener mit von ihrer Reise erschöpften Flüchtlingen. Samstagabend spielte sich dort nur eine kleine, äußerst freundliche Szene ab.

"Wollt ihr ein Bier?"

Ein kleines Grüppchen von fünf gestandenen Burschen aus der Oberpfalz hielt, einen Kasten Bier im Gepäck, Ausschau nach anreisenden Flüchtlingen. Ein kleiner Trupp von vier Syrern, die nachts nach Köln weiterreisen sollten, gesellte sich dazu. "Wollt ihr ein Bier", fragten die Pfälzer. Dann scheiterten sie aber mit dem Versuch, eine Flasche mit dem Feuerzeug zu öffnen. Der 24-jährige Baz aus dem syrischen Kobane öffnete kurzerhand die Flasche mit den Zähnen - Gelächter auf beiden Seiten, eine gute halbe Stunde tranken und sprachen die beiden Männer zusammen.

Während es für die Syrer bald weitergehen sollte, zog es die jungen Bayern noch auf das Oktoberfest. Dort herrschte am ersten Wiesn-Wochenende Hochstimmung. Die Festzelte mussten schon vormittags wegen Überfüllung schließen. Platz fand dann nur, wer eine Reservierung hatte - oder wie "Fack-ju-Göhte"-Star Elyas M'Barek den Promi-Status.

M'Barek veröffentlichte im Internet ein Foto von seinem Wiesn-Besuch mit einer Maß Bier in der Hand. Wie viele es bei ihm geworden sind, schrieb der Schauspieler nicht. Die Masse der Oktoberfestbesucher ließ es allerdings gewohnt feucht-fröhlich zugehen: Rund eine Million Maß Bier seien am ersten Festwochenende getrunken worden, teilte die Stadt München mit, ähnlich viele wie im Vorjahr. Beim Essen ändert sich der Geschmack der Oktoberfest-Gäste aber offenbar. "Nur" zehn statt wie im Vorjahr zwölf Ochsen verspeisten die Volksfestbesucher, dafür wurden Spinat-Brezenknödel zum neuen, vegetarischen Hit.

Mehrere Verletzte

Der Wunsch von OB Reiter, "eine friedliche Wiesn, wo alle gesund kommen und gesund gehen", zu feiern, war allerdings schnell Makulatur. Nur achtzig Minuten nach dem Fassanstich mussten die Ärzte einen 50-Jährigen mit Alkoholvergiftung behandeln. Dazu kam Samstagabend eine Messerstecherei, außerdem fiel ein 22 Jahre alter Australier fünf Meter tief von der Brüstung eines Festzeltes auf den Boden und kam ins Krankenhaus. Insgesamt 70 Menschen mussten in Krankenhäuser transportiert werden. Dauerstress also für Polizei und Sanitäter - aber alles in einem Rahmen, wie er für das Münchner Oktoberfest üblich ist.

AFP

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