Milder Winter

Milder Winter lässt CO2-Ausstoß deutlich sinken

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Berlin - Die Bundesregierung kann nur bedingt etwas dafür, kann sich nun aber auf die Schulter klopfen. Rechtzeitig zur eigenen G7-Präsidentschaft sind die CO2-Emissionen deutlich zurückgegangen.

Dank eines milden Winters sind im vergangenen Jahr die deutschen Kohlendioxid-Emissionen erstmals seit drei Jahren wieder gesunken. Die klimaschädlichen Ausstöße sanken um rund 41 Millionen Tonnen, was einem Rückgang um 4,3 Prozent im Vergleich zum Jahr 2013 entspricht. Das ergaben Auswertungen des Umweltbundesamtes, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Diese vorläufigen Daten wurden auch an die EU-Kommission übermittelt.

Insgesamt wurden in Haushalten, Gewerbe, Industrie, Verkehr, Land- und Energiewirtschaft vergangenes Jahr 912 Millionen Tonnen an Treibhausgasen in die Atmosphäre ausgestoßen. Das entspricht im Vergleich zu 1990 einem Rückgang von 27 Prozent in Deutschland. Damals wurden - auch wegen der hohen Emissionen in der DDR - noch rund 1250 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen.

Mit den neuen Werten rückt die Bundesregierung ihrem Ziel etwas näher, bis 2020 den CO2-Ausstoß um 40 Prozent zu reduzieren. Um das zu schaffen, wird derzeit auch über eine Strafabgabe für alte Kohlekraftwerke diskutiert. Deutschland sieht sich als ein Vorreiter und fordert den Abschluss eines UN-Weltklimavertrages im Dezember in Paris.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sprach nach den Anstiegen der Vorjahre, die auch durch den hohen Kohlestromanteil verursacht worden waren, von einer Trendumkehr. „Ein Großteil der Minderung war 2014 auf den milden Winter zurückzuführen.“ Aber ein Teil sei auch echten Fortschritten beim Klimaschutz zu verdanken. Allerdings kritisieren Umweltschützer mangelnde Fortschritte bei der Wärmedämmung von Gebäuden. So legte die große Koalition jüngst einen Steuerbonus für energetische Sanierungen wegen Streits um die Finanzierung auf Eis.

UBA-Präsidentin Maria Krautzberger betonte, die immer noch steigenden Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft und vor allem im Verkehr unterstrichen weiteren Handlungsbedarf. Ebenso die weiter hohen CO2-Ausstöße durch die Braunkohleverstromung - allein hier fielen 175 Millionen Tonnen Kohlendioxid an. Durch den schrittweisen Atomausstieg bis 2022 müssen verstärkt fossile Kraftwerke die wetterabhängige Ökostromerzeugung ausgleichen.

So war es in Vorjahren trotz der milliardenschweren Förderung von Solar-, Biomasse- und Windenergie und eines stetig steigenden Ökostromanteils zum Paradoxon der Energiewende gekommen: Trotz mehr Grünstrom stiegen die klimaschädlichen Emissionen. Insgesamt hängt der Rückgang 2014 vor allem mit einem geringeren Heizbedarf zusammen. Erdgas verursachte 12,9 Prozent, Steinkohle 8,2 Prozent und Braunkohle 2,2 Prozent weniger Emissionen als noch 2013.

Da Deutschland trotz aller Bemühungen sein 40-Prozent-Ziel bis 2020 zu verfehlen droht, hatte Hendricks einen Aktionsplan vorgelegt. Ein Kernstück ist die Drosselung der Emissionen in Kraftwerken. Der dafür zuständige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) stößt mit seinen Plänen für eine Strafabgabe bei Überschreiten einer bestimmten Ausstoßgrenze aber auf Widerstand. Um die Emissionen der rund 500 fossilen Kraftwerke bis 2020 um zusätzliche 22 Millionen Tonnen CO2 zurückzufahren, sollen Betreiber von Kraftwerken, die älter als 20 Jahre sind, eine Abgabe zahlen.

dpa

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