Warten aufs Obduktionsergebnis

"Unsere Heldin": Berliner gedenken Tugce A.

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Berlin nimmt Abschied von der mutigen Studentin Tugce A.

Offenbach - Die Ermittler in Offenbach setzen nach dem bewegenden Abschied von Tugce A. auf das Ergebnis der Obduktion. Die Berliner gedachten der mutigen Studentin und feierten ihre Zivilcourage.

Die Leiche der jungen Frau wurde in das Institut für Rechtsmedizin in Frankfurt am Main gebracht und soll dort vermutlich am Montag untersucht werden, wie ein Sprecher der Polizei am Sonntag sagte. Die Ermittler erhoffen sich von den Ergebnissen Aufschlüsse über die genaue Todesursache. Bisher ist unklar, ob die Studentin durch den Schlag am frühen Morgen des 15. November tödlich verletzt wurde oder durch den Aufprall auf das Pflaster des Parkplatzes vor einem Schnellrestaurant. Tugce A. war ins Koma gefallen, aus dem sie nicht mehr erwachte. Am Freitagabend wurden in der Klinik die lebenserhaltenden Maßnahmen beendet, nachdem zwei Tage zuvor der Hirntod festgestellt worden war.

Tugce A. soll vor der Attacke in dem Lokal zwei jungen Mädchen zu Hilfe gekommen sein, die von Männern belästigt wurden. Einer von ihnen soll der spätere Angreifer (18) gewesen sein, der nun in Untersuchungshaft sitzt. Gegen ihn wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt. Die Polizei sucht weiter fieberhaft nach den beiden Zeuginnen.

"Menschen wie dich braucht die Welt“

Rund 1500 Menschen hatten sich am Freitag in einer bewegenden Feier vor der Klinik von der Studentin verabschiedet. Rund 150 Menschen haben in Berlin an die getötete Studentin erinnert. Sie versammelten sich am Sonntag zu der Kundgebung unter dem Schlagwort Zivilcourage auf dem Kreuzberger Oranienplatz. Eine junge Frau aus Berlin hatte die Kundgebung bei der Polizei angemeldet und im Internet dazu aufgerufen, der aus Hessen stammenden Studentin, die am Freitag 23 Jahre alt geworden wäre, auch in der Hauptstadt zu gedenken. Die Teilnehmer stellten Kerzen auf und legten rote Rosen nieder. Dort war auch ein Foto der jungen Frau zu sehen. Auf Schildern standen Sätze wie „Menschen wie dich braucht die Welt“ oder „Unsere Heldin“.

„Tugce wird uns allen fehlen, wir werden ihr warmes Lächeln schmerzhaft vermissen“, sagte ihr Vater der „Bild am Sonntag“. „Der erste Tag ohne Tugce ist wie ein Tag, nach dem kein Morgen mehr kommt.“

Die Restaurantkette McDonald's Deutschland zeigte sich betroffen über die Nachricht vom Tod der jungen Frau. Der brutale Überfall „hat auch uns, insbesondere die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Restaurants in Offenbach Kaiserlei, fassungslos gemacht“, schrieb das Unternehmen.

Die Studentin hilft auch nach ihrem Tod anderen Menschen: Drei Ärzteteams entnahmen ihr im Klinikum in Offenbach mehrere Organe, nachdem die lebenserhaltenden Geräte abgeschaltet worden waren.

Dass die Vergabe eines Verdienstordens geprüft wird teilte der Bundespräsident nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am Samstag der Internetplattform „change.org“ mit. Diese Plattform hatte eine Online-Petition ins Leben gerufen und bis Sonntag 100 000 Unterschriften gesammelt. In einem Beileidsschreiben an die Familie betont Gauck nach Angaben des Präsidialamts, die junge Frau habe „unser aller Dankbarkeit und Respekt verdient“. Sie werde immer ein Vorbild bleiben. „Wo andere Menschen wegschauten, hat Tugce in beispielhafter Weise Mut und Zivilcourage bewiesen.“

dpa

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