Frage nach Ursache beschäftigt Menschen weiter

Nach dem Zugunglück: Das ganze Land trauert

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Trauerbeflaggung hängt am Mittwoch über dem zentralen Marienplatz in Bad Aibling.

Bad Aibling- Kondolenz-Bücher, Blumenkränze an der Unfallstelle: Dieser Aschermittwoch ist geprägt von Trauer. Das Zugunglück eint die Politik, die sich sonst an diesem Tag einen Schlagabtausch liefert. 

An der Mariensäule vor dem Rathaus von Bad Aibling haben die Menschen Blumen niedergelegt. Rote und weiße Rosen, Tulpen. Wind und Regen haben die Kerzen gelöscht, die dort zu Dutzenden stehen. Passanten bleiben stehen, halten inne. „Das Land trauert“, sagt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). „Es ist eine Tragödie für das ganze Land.“ Zehn Tote, mehr als 80 Verletzte - die Stadt steht nach der Bahnkatastrophe vom Faschingsdienstag unter Schock.

Polizei: Kein Vermisster mehr nach Zugunglück in Oberbayern

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ist gekommen, auch die bayerischen Minister Joachim Herrmann und Ilse Aigner (alle CSU). Ebenso Markus Rinderspacher und Maria Noichl von der SPD, Claudia Roth und Margarete Bause von den Grünen und zahlreiche andere Vertreter der Politik. Die Trauer eint an diesem Aschermittwoch die Parteien, die sich sonst am Aschermittwoch einen harten Schlagabtausch liefern. Gemeinsam dankt die Politik am Vormittag den Rettungskräften. Deren Leistung mache ihn als bayerischen Ministerpräsidenten stolz, sagt Seehofer.

700 Helfer waren im Einsatz

Fast eineinhalb Stunden sprechen er und seine Kollegen hinter verschlossenen Türen zu den Helfern von Feuerwehr, Rotem Kreuz, Bergwacht, Deutscher Lebensrettungsgesellschaft und Polizei, die in orangefarbenen und gelben Warnwesten ins Rathaus gekommen sind. 700 Helfer waren insgesamt im Einsatz. Sie hätten sich die Anerkennung ganz Deutschlands erworben, sagt Seehofer. Er würdigt die gewaltige psychische und menschliche Belastung. Und lässt sich ausführlich berichten, wie die Arbeit gelaufen ist, ob die Helfer auch alle Geräte und Ausrüstung haben, die sie brauchen.

Kondolenzbücher sind ausgelegt. Am Rathaus fährt ein Pick-up los, auf der Ladefläche weiße und lachsrote Blumen. Seehofer, die Vertreter der Politik und der Bahn, darunter Bahnchef Rüdiger Grube, legen anschließend an der Unfallstelle Kränze nieder. Sie halten inne zum stillen Gebet. Die Schleifen der Gebinde flattern im eisigen Wind.

Zugunglück bei Bad Aibling: Politiker bekunden Beileid

Am Bahnhof, an dem zur Zeit kein regulärer Zugverkehr herrscht, steht inzwischen ein roter Zug mit der Aufschrift „Notfalltechnik“. Auch ein schwerer Kran ist angekommen.

Kripo Rosenheim arbeitet mit 50 Beamten

Drängend beschäftigt die Menschen nun die Frage: Wie konnte in Zeiten modernster Technik ein solches Unglück passieren? Die Kripo Rosenheim arbeitet mit 50 Beamten unter höchster Anspannung an der Aufklärung. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sagt auf die Frage nach der Ursache: „Es steht noch nicht fest.“

Erinnerungen werden wach an das schwerste Zugunglück der Nachkriegszeit in Bayern. Vor gut 40 Jahren waren gerade einmal 35 Kilometer entfernt bei Warngau zwei Züge mit Sonntagsausflüglern ineinander gerast. Es gab mehr als 40 Tote. Die Katastrophe war programmiert: Nach einem neuen Sommerfahrplan mussten die Züge kollidieren. Niemand hatte das bemerkt. Bahnbedienstete ließen damals die Züge abfahren - in die Katastrophe.

Was an dem Tag nach dem Zugunglück in Bad Aibling passiert, lesen Sie im Ticker

Weitere Informationen zum tragischen Unglück in Bad Aibling finden Sie auf unserer Themenseite

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