Nichts geht mehr: Schnee und Glätte bringen erneut Chaos

Eine Frau stapft vor dem Rathaus im Schneesturm über den Alten Markt von Stralsund
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Eine Frau stapft vor dem Rathaus im Schneesturm über den Alten Markt von Stralsund

Hamburg - Unfälle, Ausfälle, Notfälle: Der neuerliche Wintereinbruch mit bis zu 40 Zentimetern Neuschnee und meterhohen Schneeverwehungen hat den Verkehr in vielen Regionen Deutschlands lahmgelegt.

In Mecklenburg-Vorpommern steckten Dutzende Autos stundenlang in den Schneemassen fest - ohne Aussicht auf Hilfe, da auch Räumfahrzeuge und Abschleppdienste nicht mehr durchkamen. Die Bahn stellte den Verkehr auf vielen Strecken des Bundeslandes komplett ein. Betroffen war auch der Fernverkehr. In Nordrhein- Westfalen zählte die Polizei bis zum Morgen 300 wetterbedingte Unfälle, auf der A61 bei Bedburg starb ein Autofahrer.

Das Schneechoas in Deutschland in Bildern

Das Schneechoas in Deutschland in Bildern

Der Mann sei wahrscheinlich überfahren worden, hieß es. Bei weiteren Unfällen seien mehrere Menschen schwer verletzt worden. Der entstandene Schaden wurde auf mehr als 1,3 Millionen Euro geschätzt. Auf mehreren Autobahnen kam es zu Staus und Sperrungen. Betroffen war etwa die A1 in Richtung Köln in Höhe Bad Münstereifel.

Auch in Bayern gab es etliche Unfälle, mindestens zwei Menschen kamen ums Leben. Beide Fahrer waren mit entgegenkommenden Autos zusammengestoßen. Vereiste Nebenstrecken mussten komplett gesperrt werden, Gefahrguttransporter wurden gebeten, den nächsten Rastplatz anzusteuern. Auf den Autobahnen kam es zu Staus und Sperrungen. Am Münchner Airport normalisierte sich der Flugverkehr am Samstag nach rund 30 wetterbedingten Ausfällen und 160 Verspätungen am Vorabend.

In Mecklenburg-Vorpommern steckten auf Bundesstraßen mindestens 70 Autos fest, teilte das Lagezentrum des Innenministeriums mit. Bis zu 110 Stundenkilometer schnelle Böen türmten den Neuschnee meterhoch auf. Die Autobahn 20 war am Morgen an mehreren Stellen gesperrt. In Rostock sei der öffentliche Nahverkehr komplett eingestellt worden. Am Vormittag wurde die Rügenbrücke geschlossen. Die betroffenen Landkreise richteten Krisenstäbe ein. Die Menschen wurden aufgefordert, ihr Auto nur in dringenden Fällen zu benutzen. “Die Leute sollen bloß zu Hause bleiben“, warnten Polizisten.

Für die Fans des FC Hansa Rostock gab es ohnehin keinen Grund mehr zum Rausgehen: Das für 13 Uhr angesetzte Fußballspiel der 2. Bundesliga gegen den 1. FC Union Berlin wurde abgesagt. “Wir haben hier 30 Zentimeter Neuschnee und Sturm. Der Platz ist unbespielbar“, sagte Hansa-Pressesprecher Karsten Lehmann. In Nordvorpommern ging auf den meisten Straßen nichts mehr, selbst Fahrzeuge des Winterdienstes fuhren sich fest. Feststeckende Autofahrer baten bei der Polizei um Hilfe. “Aber das geht gerade nicht. Das kann Stunden dauern, bis die Hilfe eintrifft“, sagte ein Polizeisprecher.

Auch in Hamburg und Schleswig-Holstein behinderten Glätte und Schnee den Verkehr. Die Hamburger Feuerwehr kam dutzenden gestürzten Fußgängern zu Hilfe, mehrere von ihnen hatten Knochenbrüche. Am Morgen waren einige Buslinien eingestellt worden. Bei der Bahn gab es nach Angaben einer Sprecherin ebenfalls Probleme. So verkehrten am Vormittag zwischen Lübeck und Bad Kleinen keine Züge. Auch auf der Strecke Kiel-Husum ging zeitweise nichts mehr. Auf anderen Strecken gab es Verspätungen. Das ganz große Chaos blieb nach Angaben der Polizeilagezentren in Hamburg und Kiel zunächst aus.

Bei Unfällen blieb es meist bei Blechschäden. Auf der A7 und der A21 sorgten LKW-Unfälle für Behinderungen. Auf Fehmarn waren einige kleinere Straßen wegen Schneeverwehungen nicht befahrbar. Schon am Freitag musste die Feuerwehr in den Hamburger Hafen ausrücken. Dort war in der Billwerder Bucht ein Ponton mit einem Restaurant darauf vermutlich durch Eisgang beschädigt worden und gesunken. Zuvor hatten zwei losgerissene Binnenschiffe andere Boote beschädigt. Ihre Haltetaue waten von Eisschollen zerrissen worden.

dpa

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